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In der gut gemachten europäischen Co-Produktion „Elixir“ werden wir inmitten eines Pharmaunternehmens geführt, welches von einem Familienpatriarchen geleitet wird, an einem Wundermittel gegen Alzheimer arbeitet und dabei dem Geheimnis der Verlangsamung des Alterungsprozesses auf der Spur zu sein scheint. Bedroht werden die Geschäfte des Unternehmens vom Verdacht möglicher Nebenwirkungen beim erfolgreichsten Medikament, einem Antidepressivum. Eine weitere Bedrohung könnte sich aus dem Chinageschäft und einer verunreinigten Medikamentenproduktion ergeben. Die verschiedenen Familienmitglieder versuchen diese Bedrohungen unterschiedlich zu bekämpfen und greifen hierbei nicht nur zu legalen Mitteln. „Elixir“ ist eine Koproduktion der seit 2023 bestehenden öffentlich-rechtlichen Allianz „New8“, an der neben dem niederländischen Sender NOP auch solche aus Schweden (SVT), Dänemark (DR), Finnland (YLE), Island (RUV), Norwegen (NRK), Flandern (VRT) und Deutschland (ZDF) beteiligt sind.
Serien über wirtschaftliche Familiendynastien sind in den vergangenen Jahren ein Trendthema und bieten immer wieder Stoff für große Dramen. Im vorliegenden Fall werden sie zu einem spannenden Thriller verarbeitet. Das Drehbuch von Maaik Krijgsman, Jaap-Peter Enderle und Franky Ribbens mixt verschiedene Plotstränge zu Gier, Korruption und Intrige zusammen und sorgt damit durchaus für Spannungseffekte. Direkt mit dem Beginn in Folge eins werden wir als Zuschauer:Innen mit einem Schockmoment konfrontiert. Wir verfolgen einen bewaffneten Jungen bei seinem Weg in die Schule – kurz darauf sind Schüsse zu hören und damit ist der Amoklauf Auftakt der Serie. Unklar bleibt jedoch lange, was es mit diesem Amoklauf und der präsentierten Handlung um das Pharmaunternehmen auf sich hat. Ludo Rombauts (Wim Opbrouck) hat ein Imperium geschaffen, muss jedoch die Firmenführung nach einem Jagdunfall kurzfristig abgeben. Statt jedoch seinen Sohn und Verwalter des Chinageschäfts Juliën (Jacob Derwig) mit der Führungsaufgabe zu betrauen, entscheidet er sich, seine Tochter Isabelle (Hanna Verboom) zurück ins Unternehmen zu holen. Schon diese familiäre Entscheidung bietet Raum für genügend Spannung. Selbst Mutter Riekje (Katelijne Damen) hält die Entscheidung für falsch und es zeigt sich schnell, dass es sich bei ihr nicht nur um die unterstützende Hausfrau eines starken Mannes handelt. Quinten (Bart Bijnens) ist das dritte Kind und steht abseits des familiären Wirtschaftsbetriebs. Der ehemalige Konzertpianist steht nach einer Kokain-Vergangenheit unter der strengen Kontrolle seiner Mutter. Ich finde die Figuren Isabelle und Quentin stark entwickelt, und vor allem zeichnen sich sowohl Hanna Verboom, als auch Bart Bijnens durch eine starke schauspielerische Leistung aus.
Verschiedene Plotstränge zeigen sich über die acht Folgen hinweg und werden immer wieder zusammengeführt. Mal ist dies äußerst gelungen, mal muss man sich wie beim Erzählstrang um die verunreinigte Medikamentenproduktion in China fragen, ob es diesen Strang zwingend gebraucht hätte. Überhaupt ist die Figurenentwicklung von Juliën eine kleine Schwäche der Serie.
Die Serie kreist um viele wichtige Themen im Zusammenhang mit der Pharmaindustrie. Unter anderem widmet sie sich den Fragen:
Wie können günstige Produktionsbedingungen hergestellt werden und hat dies vielleicht Auswirkungen auf Sicherheitsansprüche?
Wie werden Medikamente getestet, ab wann sind sie kritisch zu hinterfragen?
Dabei ist jedoch die Stärke, dass die Serie die Betriebspraktiken nie komplett verteufelt. In der Figur des Ludo ist nicht ein Profistreben angelegt, sondern der Idealismus, mit seinem Unternehmen Menschen heilen zu können. Die angedeutete Bedrohung durch Nebenwirkungen beim Antidepressivum des Unternehmens drückt sich vor allem in der Familie aus, da auch Isabelles Sohn Archibald (Roman Derwig) das Medikament zu sich nimmt. Die Gegensätze in der Art der unternehmerischen Führung weiten sich somit auf Fragen der Skrupellosigkeit, aber auch der Moral im familiären Innenverhältnis aus. Zugleich vermittelt die Serie nebenbei Funktionsweisen eines globalen Wirtschaftssystems. Aspekte wie Betriebsspionage, politischer Handlungsdruck, aber auch Rohstoffverfügbarkeiten werden quasi nebenbei beleuchtet, ohne sie jedoch zu unbedeutend zu machen.
In der Figur des Teenagers Archibald drückt sich vieles aus, was in der Figur Isabelle ebenfalls angelegt ist. Der Junge leidet unter Asperger und für ihn ist der Wechsel seiner Mutter ins familiäre Unternehmen und damit weg aus den USA eine neue Chance. Er scheint sie sogleich zu ergreifen, doch dann muss auch er unter den Entwicklungen des Familienbetriebs leiden. Die Macht des Konzerns über die gesamte Familie ist die große Dramatik dieser Serie. Mich kann die Serie damit von Anfang an packen. Leider wird es am Ende an der ein oder anderen Stelle etwas zu viel, gepaart mit den schwächeren Momenten rund um Juliën reicht es für mich nicht zu einer absoluten Spitzenserie.
Fazit:
Trotz der von mir aufgeführten Schwächen ist die Serie jedoch durchgehend spannend. Die Figuren Isabelle und Archibald begeistern mich und die Frage, ob das Medikament tatsächlich schwerwiegende Nebenwirkungen hat, trägt über den gesamten Serienverlauf. Für mich ist die Serie gelungen, da sie Elemente eines ökonomischen Dramas mit einer Krimihandlung bündelt. Die aufgeworfenen ethischen Fragen sind ebenfalls ein interessanter Aspekt.
Aktuell ist die Serie noch in der ZDF Mediathek abrufbar: Elixir – The Pain Killers | 8-teilige Thrillerserie
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Bewertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
