Serienkritik: Hijack

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Bei meiner Suche nach spannenden Serien bemühe ich Zeitungen oder Empfehlungsseiten im Internet. Gelegentlich lasse ich mir auch vom Algorithmus der Streamingplattformen etwas empfehlen. Wenn sich dann Plattform und serienjunkies.de decken, dann lohnt sich die Serie sicherlich. Bei „Hijack“ mit Idris Elba kann ich dies auf jeden Fall bestätigen. Die Serie setzt in ihren beiden Staffeln auf klaustrophobische Ausgangssituationen. Es geht um Entführungen in einem abgeschlossenen Raum. Die Serie wurde zunächst als in sich geschlossene Miniserie konzipiert, erhielt jedoch aufgrund ihres Erfolgs eine zweite Staffel.

In Staffel eins wird ein Linienflug von Dubai nach London entführt. Im Zentrum steht Sam Nelson (gespielt von Idris Elba), ein Wirtschaftsverhandler, der zufällig an Bord ist und versucht, durch Kommunikation und psychologisches Geschick die Situation zu entschärfen. Er setzt dabei auf seine Erfahrungen aus dem Job.

Die narrative Struktur folgt weitgehend einem Echtzeitprinzip, das an die Serie „24“ erinnert. Die Handlung entfaltet sich über die Dauer des Fluges hinweg. Wir erleben die steigende Anspannung der Passagiere, die zugleich überlegen, ob sie das Flugzeug zurückerobern können. Bei den Entführer*Innen nimmt die Anspannung ebenfalls zu. Am Boden versuchen Behörden und politische Institutionen, die Hintergründe der Tat herauszufinden. Nelson hatte zudem noch kurz vorher Kontakt zu seiner Ex-Frau und seinem Sohn. Wir erleben auch diesen familiären Hintergrund, was die erste Staffel äußerst vielschichtig macht. 

Dieses multiperspektivische Erzählen steigert die Spannung, da Informationen ungleich verteilt sind und sich schrittweise verdichten. Dies trifft sogar auf die Figuren innerhalb des Flugzeugs zu. Die eigentliche Bedrohung durch die Entführung steigert sich zu einem möglichen Verschwörungsszenario, was die Spannung erhöht, denn es ist unklar, ob vielleicht auch ein Selbstmordattentat im Raum steht.

Dabei setzt die Serie stark auf Wendungen und Enthüllungen, etwa über die Motive der Entführer und ihre Verbindungen nach außen. Insgesamt hochspannend und nur schwerlich nicht weiterzuschauen.

Die zweite Staffel verschiebt das Setting radikal: Statt eines Flugzeugs steht nun eine Berliner U-Bahn im Zentrum. Sam Nelson gerät erneut in eine Geiselsituation, diesmal jedoch als Entführer. Er wird tätig, da seine Familie bedroht wird, weshalb man ihn zur Entführung zwingt, um einen Drahtzieher der Entführung aus Staffel 1 freizubekommen. Hier liegt der Fokus stärker auf psychologischen Konflikten und moralischen Dilemmata. Jedoch kopiert die Serie sicherlich quasi nur mit einem anderen Vorzeichen. Somit sind uns bestimmte Muster bereits bekannt. Ich erkenne zudem mehr logische Schwächen im Plot und seiner Ausgestaltung. Trotzdem erneut eine spannende Geschichte.

Die Stilistik der Serie knüpft an Traditionen seriellen Erzählens an, insbesondere an Echtzeit-Formate und Katastrophenthriller. Besonders hervorzuheben ist die Nutzung von Verhandlung als dramatischem Motor. Sam Nelson setzt auf Kommunikation mit Täuschung und taktischen Überlegungen. Er muss in beiden Staffeln versuchen, Vertrauen zu erhalten, und dies inklusive der Herausforderung, nie zu wissen, wer ihm eigentlich gegenübersteht. Actionelemente werden dosiert und passend eingesetzt. Die Spannung in Staffel zwei ergibt sich stärker aus moralischen Konflikten und aus der Frage, ob Sam selbst zum Täter wird.

Die Serie wird klar von Idris Elba getragen. Seine Darstellung des Sam Nelson ist in jeder Hinsicht gelungen und unterstreicht seine schauspielerische Qualität. Er verleiht der Figur Autorität sowie Ruhe und transportiert innere Konflikte glaubwürdig. Die anderen Figuren stehen klar in diesem Schatten und doch fügen sie sich gut ein. Einzelne Fahrgäste/Passagiere werden in den Fokus genommen. Wir spüren deren steigende Anspannung und wie sie ihre Optionen überlegen. Zugleich entstehen zwischenmenschliche Konflikte in diesen Extremsituationen. Gepaart mit Zeitdruck und den gekonnt inszenierten Perspektivwechseln entsteht ein starker Spannungsbogen.

Fazit:

„Hijack“ ist ein spannungsorientierter Thriller, der ein klassisches Konzept hat: die Geiselnahme im abgeschlossenen Raum mit einem ungewöhnlichen Fokus auf Verhandlung und Kommunikation. Die erste Staffel überzeugt durch ihre klare Dramaturgie und intensive Inszenierung. Ich fand diese Serie extrem spannend und auch wenn Staffel zwei vieles kopiert, ist es erneut spannende Unterhaltung. Entscheidend für den Erfolg der Serie ist die Leistung von Idris Elba, der die Handlung trägt und der Figur Sam Nelson eine bemerkenswerte Tiefe verleiht. Von mir gibt es eine klare Empfehlung für diese Serie.

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Bewertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

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