Serienkritik: Jenseits der Spree

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Ich schaue gerne Krimiserien und schätze hier die Serien, die im ZDF am Freitagabend oder im Vorabendprogramm laufen. Seit 2021 wird die Krimiserie „Jenseits der Spree“ mit Jürgen Vogel am Freitagabend ausgestrahlt. Die Serie spielt in Berlin-Köpenick und liefert pro Folge eine abgeschlossene Mordgeschichte und über die Folgen hinweg eine Charakterzeichnung ihrer beiden Hauptermittler. Robert Heffler (gespielt von Jürgen Vogel) lebt mit seinen drei Töchtern als alleinerziehender Vater und muss somit Familienleben und seinen Job mit unregelmäßigen Arbeitszeiten unter einen Hut bekommen. In der ersten Staffel ermittelt neben Heffler Kay Freund (Seyneb Saleh). Sie ist risikofreudig und setzt auf intuitive Ermittlungsarbeit mit Profiling. Heffler ist impulsiv, wirkt aber seinen Kolleginnen gegenüber nicht dominant. Mit seiner Chefin hat er zudem eine heimliche Affäre. Kay Freund und Robert Heffler werden aufgrund von Personalmangel zusammengeworfen, doch über die verschiedenen Fälle hinweg beginnen sie, gut miteinander zu arbeiten. Kay Freund hat auch Verständnis dafür, dass Robert immer mal wieder aufgrund familiärer Verpflichtungen aus der Ermittlungsarbeit ausbrechen muss. Staffel eins verfügt über vier Folgen, in welchen es um Drogengeschäfte, einen möglichen Justizskandal und familiäre Tragödien geht. Staffel zwei beginnt mit dem Tod von Kay Freund und wirft Robert erst einmal aus der Bahn.

Er möchte sich auch nicht für eine neue Partner:In öffnen, bekommt diese aber mit Mavi Neumann (Aybi Era) an die Seite gestellt. Für mich ist die Aufklärung des Mordes an Kay Freund eine der besten Folgen dieser Serie. Die Story ist hochspannend, die Aufklärung intensive Arbeit. Mavi Neumann lebt mit ihrer Mutter zusammen und punktet im Zusammenspiel mit Heffler mit ihrer Energie und Ausstrahlung. Sie pflegt auch eine intensivere Beziehung zu Roberts älterer Tochter Carlotta (Lee Zoe Voss) und unterstützt diese später auch in ihrem Wunsch, Polizistin werden zu wollen. An der Krimireihe gefällt mir, dass sie menschliche Abgründe schildert, ohne das Böse nur zu dämonisieren. Nach dem erfolgreichen Start von Staffel eins, wird in der Folgestaffel alles verdichtet. Die Folgen sind enger miteinander verzahnt, die Figuren erhalten mehr Tiefe. Während Staffel eins vier Folgen umfasste, waren es schon sechs bei Staffel zwei.

In Staffel drei wird das soziale Umfeld der Ermittler weiter ausgebaut. Die sechs Folgen setzen das bewährte Rezept der Vorgängerstaffel fort. Kern der Serie bleiben immer die gleichen Figuren, und doch wird es mit diesen nie langweilig, da immer wieder ein anderer Fokus gesetzt wird. Die Nebenrollen erhalten Tiefe und die darin zu sehenden schauspielerischen Leistungen fallen nicht ab. An der ein oder anderen Stelle läuft die Serie allerdings Gefahr, die Balance zwischen Nebenhandlung und Krimiplot zu verlieren. Aus meiner Sicht erhöht sich die Komplexität in den acht Folgen der vierten Staffel. Die Spannungsfelder in der Familie nehmen nochmals zu. Die Fälle widmen sich stark verschiedenen Aspekten zwischenmenschlicher Beziehungen. Die gewählten Milieus sind aus meiner Sicht abwechslungsreich und sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt.

Staffel fünf ist im Oktober des vergangenen Jahres erschienen und war Anlass für mich, diese Serie nochmals mit all ihren Staffeln anzusehen. Wieder gibt es acht Folgen, wobei ich die Folge „Verlorene Engel“ wegen ihres Umgangs mit dem Thema „Vermisstes Baby“ hervorheben möchte. Die Figuren erhalten eine Tiefe und erhöhen dadurch die Dramatik.  Ohne zu viel zu versprechen, ist die achte Folge der fünften Staffel eine Episode, die nochmals das gesamte Narrativ der Serie betont. Mittlerweile ist Roberts Tochter fester Bestandteil der Polizei und er muss seine Rolle hierbei finden.

Die Kameraarbeit rund um die Berliner Schauplätze ist wirklich gut, mir gefällt auch die Musik. Schauspielerisch überzeugt aus meiner Sicht Jochen Vogel über alle bisher erschienenen fünf Staffeln hinweg, gibt Robert Heffler die passende Balance aus Lockerheit und entschlossenem Ermitteln. Die Komposition der einzelnen Folgen passt, eine richtig schlechte Folge ist mir nicht untergekommen. Die Serie bietet eine angenehme Freitagabendermittlungsarbeit und fordert nicht zu sehr. Die einzelnen Folgen haben immer eine Länge von 60 Minuten und bieten gute und abwechslungsreiche Krimiunterhaltung. Geadelt wurde die Reihe zudem mit einer Crossover-Story mit der Krimireihe „Die Chefin“, die ebenfalls einen festen Platz am Freitagabend im ZDF hat. Die Leistungen des Gesamtcasts sind durchgehend von hoher Qualität. Es heißt, dass es auch eine sechste Staffel geben wird, auf die ich mich freuen würde.

Fazit:

Für mich hat sich diese Serie einen festen Platz im ZDF-Krimiuniversum erarbeitet. Zunächst hat mich vor allem die Besetzung mit Jürgen Vogel neugierig gemacht, doch die Serie konnte mich schnell mit ihrer ganzen Machart begeistern. Durch das Schauen der fünf bisher erschienenen Staffeln am Stück wurde mir nochmals deutlich, dass hier ein starkes Narrativ über alle Folgen hinweg gespannt ist. Die Mischung aus Familiengeschichten und klassischer Polizeiarbeit fordert nicht heraus, ist aber in ihrer Machart nie nur oberflächlich. Alle Figuren sind authentisch und die Familiengeschichten sind am Alltag orientiert und nicht zu konstruiert. Die starken schauspielerischen Leistungen und die gekonnte Inszenierung Berlins als Handlungsort machen aus der Serie mit ihren abwechslungsreichen Fällen eine der besseren Krimiserien im deutschsprachigen Fernsehen.

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Bewertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

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