Serienkritik:  Lazarus

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Harlan Coben ist ein äußerst bekannter Autor von Thrillern und ist mit seinen Plotideen ebenfalls gerne Lieferant für Serienkonzepte. „Lazarus“ ist eine Mystery-Thrillerserie, die auf einer Idee von Coben basiert.

Der forensische Psychiater Joel Lazarus (gespielt von Sam Claflin) kehrt nach dem Tod des Vaters in seine Heimatstadt zurück. Sein Vater soll Selbstmord begangen haben, und an diesem zweifelt er. 25 Jahre zuvor war seine Schwester ermordet worden und schon dieses Verbrechen wurde nicht zufriedenstellend aufgeklärt. Lazarus’ Perspektive ist die Zentrale dieser Serie und wir erleben alles durch seinen Blick. Er scheint sich jedoch in Wahnvorstellungen hineinzusteigern und Kontakt mit den Toten aufzunehmen. Sein verstorbener Vater sowie seine Schwester kommunizieren mit ihm und scheinen ihm Hinweise auf die Geschehnisse der Vergangenheit zu geben. In jeder Episode wird auf diese Weise ein weiteres Puzzlestück aufgedeckt, welches zugleich die familiäre Tragödie sichtbarer werden lässt. Durch diesen Wechsel zwischen Realität und wahnhaften Vorstellungen balanciert die Serie immer an der Grenze zu übernatürlichem Geschehen, lässt uns auch nicht immer gleich erkennen, in welcher Ebene wir uns gerade befinden. Die daraus entstehende Unruhe ist sicherlich ein wichtiger Spannungstreiber für die Serie. Jedoch fehlen der Serie außer dieser Grundstruktur weitere überraschende Effekte. Zudem sind nicht alle geschilderten Wendungen logisch, was die Nachvollziehbarkeit schwächt. Mit den verschiedenen Fällen, die Lazarus mit den Unterlagen des Vaters betrachtet, überfrachtet sich die Serie leider auch etwas.

Zu loben ist die schauspielerische Leistung von Sam Claflin. Er muss die Serie mit ihrem Fokus auf seiner Figur schauspielerisch fast alleine tragen und dies gelingt ihm. Die Figur erhält von ihm eine Darstellung zwischen Verletzlichkeit und Besessenheit. Die sich daraus ergebende Zerrissenheit ist eine weitere Belastung, welche die Figur dann auch selbst an ihren Fähigkeiten zweifeln lässt. In den Rückblenden mit dem Vater zeigt sich eine Tiefe der Figur von Joel. Sein Vater war ebenfalls Psychiater, hat deshalb vielleicht auch einen hohen Druck auf den Sohn erzeugt und zugleich die Verarbeitung des Dramas um die Schwester erschwert. Die Nebenfiguren bleiben aufgrund des Fokus blass, wirken in ihrer Anlage nicht immer konsistent. Der Genremix ist sicherlich  eine gute Grundlage, mich hat dies zu Beginn der Serie ebenfalls gefesselt. Doch die angelegte düstere Atmosphäre ist nicht über die gesamte Serie ausreichend, um mich vollends zu fesseln. Das bewusste Spiel mit Wahrnehmung fordert uns auf, ebenfalls zu versuchen zu ergründen, wer in diesem wirren Spiel Täter:In oder Opfer ist. Zugleich ist die Serie eine, die uns immer wieder Vertrauen in Figuren oder Erzählung entzieht. Es ist schade, dass die Serie ihre Grundelemente nicht gut nutzt und dann ihren Plot mit zu vielen Wendepunkten und Aspekten überfrachtet.

Fazit:

Sicherlich kann diese Serie in gewissen Momenten spannend unterhalten und verfügt über eine interessante Grundidee. Allerdings zeigen sich über den Verlauf Brüche in der Logik, schwächelnde Nebenfiguren und nicht sinnvolle Nebenhandlungen und schwächen damit den Gesamteindruck. Die intensive Auseinandersetzung der Hauptfigur mit dem eigenen Vater und der intensive Blick in die Gedankenwelt eines Psychologen sind die absolute Stärke dieser Serie. Wer Psychothriller schätzt, wird sicherlich an dieser Serie trotz der geschilderten Schwächen Freude haben.

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Bewertung: 🐧🐧🐧🐧

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