Serienkritik: The Newsreader

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Ich schaue gerne TV-Serien und bei meiner Suche nach geeigneten Angeboten greife ich gerne auf die Website www.serienjunkies.de oder auch auf die Zeitschrift „Stream“ zurück, und in letztgenannter bin ich auf die australische Serie „The Newsreader“ gestoßen. Ich muss hierzu erwähnen, dass ich ein großer Fan der Serie „The Newsroom“ mit Jeff Daniels bin und die Serie mich thematisch deshalb gleich angesprochen hat. Es handelt sich bei „The Newsreader“ um eine Dramaserie, die sich mit einer Nachrichtenredaktion im Australien der 80er Jahre beschäftigt. Reale Ereignisse sind hierbei Hintergrund der Serie, was meine Faszination verstärkt.

In der ersten Staffel steigen wir in die Nachrichtenredaktion ein, die in Melbourne sitzt. Wir schreiben das Jahr 1986 und Helen Norville (gespielt von Anna Torv) ist einer der beiden Nachrichtensprecher:Innen. Ihr zur Seite agiert der erfahrene Geoff Walters (Robert Taylor) und geleitet wird die Redaktion von Lindsay Cunningham (William McInnes). Der Leiter ist vor allem für seine aufbrausende Art bekannt und verkörpert einen konservativen Nachrichtenstil. In der Redaktion arbeitet zudem der noch unsichere Reporter Dale Jennings (Sam Reid), der von einem Job als Anchorman träumt. Helen wirkt hingegen schon als gestandene Journalistin, doch hinter der Fassade zeigen sich schnell Risse. Sie steht zudem unter dem enormen Druck, sich in einer männerdominierten Arbeitswelt zu behaupten. Nach einem Zusammenbruch hilft ihr Dale und sie nimmt sich als Gegenleistung vor, ihn zu fördern. Die Beziehung der beiden schwankt dabei immer wieder zwischen Unterstützung, Manipulation und emotionaler Abhängigkeit und immer wieder auftretenden Zuneigungsgefühlen. Die Redaktion wird als ein Arbeitsbereich gezeigt, der stetig unter Spannung steht und auf aktuelle Ereignisse reagieren muss. Mich hat diese erste Staffel sogleich überzeugt. Ich finde, dass ich eine glaubwürdige Darstellung einer Nachrichtenredaktion präsentiert bekomme und Einblick in die gesellschaftlichen Konflikte dieser Zeit bekomme. Es ist spannend zu sehen, wie gesellschaftliche Strukturen Machtgefüge prägen, und die beiden Journalisten versuchen, dieses Gefüge zu verschieben.

In Staffel Zwei werden die Ereignisse der Jahre 1987 und 1988 erzählt, die beiden Hauptfiguren haben ihre Beziehung gefestigt, doch es deutet sich an, dass Dale vielleicht homosexuell sein könnte. Dies führt für ihn natürlich zu weiteren Schwierigkeiten. Zugleich werden die Bande der beiden enger verknüpft und bei Helen nehmen die psychischen Probleme zu. Staffel Zwei entwickelt den ein oder anderen Nebenstrang spannend weiter und lässt damit auch Nebenfiguren ihren Raum. Interessant an der zweiten Staffel sind die Konflikte im Newsroom, bei denen sich dieser als ein Ort moralischer Grauzonen zeigt, in welchem auch wirtschaftliche und strategische Überlegungen ihre Kraft entfalten. Konsequent wird die Dramatik der ersten Staffel fortgeführt und zu einem Höhepunkt gesteigert.

Die dritte Staffel kann dieses Niveau nicht ganz halten. Für mich beginnen hier die persönlichen Konflikte der Figuren, den gesamten Plot zu überlagern, und es kommt zu Brüchen in bestehenden Konstellationen. Interessant ist, wie hier die Herausforderungen der Medienbranche im Jahr 1989 mit Medienkonkurrenz und Ratingaspekten aufgegriffen werden.

Grundsätzlich ist den Machern eine spannende Serie gelungen, in der man Sexismus am Arbeitsplatz als ein zentrales Thema wunderbar vor Augen geführt bekommt. Ebenso geht es um gesellschaftliche Normen im Hinblick auf Sexualität und den Umgang mit psychischer Gesundheit. Mich fasziniert auch der Aspekt der Entwicklung von Journalismus und Nachrichten und die hineinwirkende zunehmende Kommerzialisierung. Die beiden Hauptfiguren wirken verschieden und sind doch in ihrer psychologischen Brüchigkeit eng beieinander. Helen und Dale entwickeln sich gegenläufig mit Blick auf ihre Karrieren, und so entsteht zwischen beiden ein sich stetig wandelndes Abhängigkeitsverhältnis. Die dargestellte Nachrichtenredaktion empfinde ich als realistisch, wenn auch natürlich bestimmte Aspekte dramaturgisch zugespitzt werden. Die beiden Hauptdarsteller liefern eine starke schauspielerische Leistung und tragen die Serie. Ich möchte allerdings die Darstellung einer Frau, geprägt von psychischer Erkrankung, durch Anna Torv hervorheben. Die Serie setzt auf starke Charaktere und gibt ihnen genügend Tiefe. Der Plot verknüpft die Mechanismen des Medienbetriebs gekonnt mit seiner Figurenentwicklung und macht daraus ein spannendes Drama. Teilweise sind historische Ungenauigkeiten zu erkennen, aber dies beeinflusst den Unterhaltungswert nicht. Ich finde es schade, dass Staffel drei diese Qualität nicht gänzlich halten kann. Trotzdem ist es eine sehenswerte Serie.

Fazit:

„The Newsreader“ bietet einen spannenden Blick auf die Medienwelt der 80er mit ihren prägenden gesellschaftlichen Strukturen. Die Bedeutung von Medien und ihre Veränderung und damit Gefährdung journalistischer Standards sind aber ein aktuelles Thema. Gekonnt werden in dieser Serie gesellschaftliche Entwicklungen mit Figuren und deren charakterlichen Tiefen verknüpft. Die starken schauspielerischen Leistungen tragen die passende Umsetzung der starken Geschichte. Vor allem die ersten beiden Staffeln sind starke Serienunterhaltung, schade, dass dies in der letzten Staffel nicht ganz gehalten werden kann. Von mir gibt es für diese Serie aber eine klare Empfehlung.

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Bewertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧

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