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Ich werde auf meinem Blog in jedem Monat auch einen Westernroman vorstellen. Für mich ist hierbei das Schöne, dass es mittlerweile Verlage, wie den Apex Verlag gibt, welche sich des Genres annehmen und alte Klassiker wieder neu auflegen. Im Verlag finden sich auch die Romane des Autors Gordon D. Shirreffs, der einige Westernromane verfasst hat. Darunter ist der Roman „Der letzte Zug von Gun Hill“, der auf dem gleichnamigen Drehbuch des Films von Regisseur John Sturges basiert. Der Roman erschien in der deutschen Ausgabe in der Heyne-Westernreihe und ist mittlerweile im Apex Verlag erneut aufgelegt worden.
„Wer war jener Mann, der den Sattel nach Gun Hill zurückgebracht hatte?“
Shirreffs, Gordon D.: Der letzte Zug nach Gun Hill, Apex Verlag 2017, S.65.
In diesem Zitat zeigen sich zentrale Elemente eines hier präsentierten Rachefeldzuges. Der US-Marshal Matt Morgan erfährt von der Vergewaltigung und Ermordung seiner Cherokee-Frau. Sie wurde Opfer zweier Cowboys, von denen einer der Sohn des Großranchers Craig Belden ist. Morgan weiß dies zunächst nicht. Er hat als Beweis nur einen Sattel, der die Initialen von Craig Belden trägt. Die Dramatik der Ermordung erhöht sich noch dadurch, dass sein Sohn Zeuge dieses abscheulichen Verbrechens geworden ist. Matt Morgang macht sich auf den Weg zu Belden nach Gun Hill. Beim Rinderbaron handelt es sich um einen ehemaligen Freund, der ihm zudem einst das Leben gerettet hat. Ihm ist schon auf dem Weg klar, dass der Täter höchstwahrscheinlich nicht der ehemalige Freund gewesen ist, sondern er vermutet diesen in dessen Mannschaft. Währenddessen ist Beldens Sohn Rick zurück nach Hause gekehrt und behauptet, man habe ihm sein Pferd mit dem Sattel gestohlen. Matt Morgan stellt Craig Belden zur Rede und erläutert den Hintergrund seiner Reise. Der mächtige Rinderbaron spürt sofort, dass sein Sohn ihn belogen haben muss und wahrscheinlich einer der Täter ist. Nachdem beiden Protagonisten klar ist, dass der Täter Beldens Sohn ist, läuft diese Geschichte auf einen Showdown zu. Matt Morgan möchte, dass sich der Sohn stellt, sein alter Freund verweigert ihm dies und stellt ihm stattdessen das Ultimatum, dass er Gun Hill mit dem letzten Zug verlassen soll.
„Nun, eine ganze Anzahl von besseren Männern, als du einer bist, haben sich vor Matt Morgan gefürchtet und dies aus gutem Grund.“
Shirreffs, Gordon D.: Der letzte Zug nach Gun Hill, Apex Verlag 2017, S.84.
Die Ausgangssituation des Romans ist der Kampf zweier ehemaliger Freunde. Beide sind durch ihren Wunsch, die eigene Familie zu schützen, getrieben. Craig Beldens Position ist hierbei moralisch schwerer zu verstehen. Für ihn ist sein Sohn als Erbe wichtig, sonst ist alles Geleistete seines Lebens verloren. Angesichts dessen akzeptiert er sogar dessen bestialische Tat. Zudem glaubt er, dass sein Geld, das ihm schon die Macht über die Stadt sicherte, auch mit seinen angeheuerten Revolverhelden auch gegen Morgan reichen wird. In wenigen Szenen entsteht eine spannende Geschichte über moralische Verwerfungen, Pflichtbewusstsein und persönliche Verluste. Matt Morgan ist zudem nicht in seiner Rolle als Gesetzeshüter tätig. Er möchte Rick Belden hängen sehen, ist aber grundsätzlich bereit, auch das Recht des Gesetzes zum Recht des Stärkeren zu machen. Das Setting des Genres ist klassisch: Eine abgelegene Stadt bietet den Schauplatz eines Kampfes zweier Männer. Stilistisch ist qualitativ hervorzuheben, dass pointierte Schilderungen tief in die Psyche der Figuren blicken lassen. Gekonnt werden rassistische Beweggründe ebenfalls eingearbeitet. Matt Morgan fühlt sich der Gerechtigkeit verpflichtet, aber auch der eigenen Familie, und somit ist er immer wieder von eigener Wut getrieben. Gegenüber dem Film gibt es kaum Unterschiede, da die Filmvorlage zuerst war. Der Roman bietet jedoch die Chance, den Figuren eine andere Tiefe zu verleihen. Der Zwiespalt beider Figuren ist deshalb gut spürbar und zeichnet diesen Roman aus meiner Sicht aus. Grundsätzlich sind Film und Roman nicht Teil der größten Klassiker des Genres, und trotzdem bieten sie viele klassische Elemente.
Fazit:
Bei diesem Roman handelt es sich um eine gelungene literarische Umsetzung des Films von John Sturges. Trotz der kompakten Form werden moralische Spannungen und der dramatische Konflikt gut ausgearbeitet und spannend geschildert. Hervorzuheben ist die psychologische Tiefe der Figuren. Wir erleben einen Sheriff im Zwiespalt von Gesetz und persönlicher Rache und einen Viehbaron, der sich als Vater zwischen gesellschaftlicher und moralischer Pflicht, sowie familiärer Loyalität befindet. Insgesamt hat mich dieser Roman begeistert und hat tolle Genreunterhaltung geliefert.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Der letzte Zug von Gun Hill
ISBN: 978-3-746733-06-7
