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In den Monaten April und Mai stand Popliteratur in meinem Blogfokus und passenderweise bot das Landesmuseum in Darmstadt eine Ausstellung, die gut zu diesem Schwerpunkt passt. Die Ausstellung „#ShotbyAdams“ wirft einen Blick auf die Fotografien des Musikers Bryan Adams. Vielen ist dieser Künstler vor allem aufgrund seiner musikalischen Welthits wie „Summer of 69“ ein Begriff, doch der kanadische Musiker hat sich seit den 90er Jahren auch einen Namen als Porträtfotograf gemacht und schafft es mit seiner fotografischen Kunst regelmäßig in renommierte Magazine wie z.B. „Vogue“. Er wurde für seine Fotografie zudem bereits mehrfach ausgezeichnet und hat schon Fotobände veröffentlicht. Im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt werden nun vier zentrale Serien seines Werkes präsentiert. Zum einen ist die titelgebende Serie „#ShotbyAdams“ zu nennen, in welcher er prominente Persönlichkeiten porträtiert hat. Dazu kommen die Reihen „Wounded: The Legacy of War“, „Homeless“ und „In Colour“. Die kleine, aber feine Sonderausstellung hat im Zentrum Porträts prominenter Persönlichkeiten. Allerdings zeigt der Aufbau der Ausstellung, dass man eben nicht nur eine Sammlung prominenter Gesichter präsentieren möchte, sondern das facettenreiche künstlerische Werk zeigt. Beim Besuch durchläuft man verschiedene Themenwelten. Die Porträts international bekannter Persönlichkeiten, vornehmlich aus Musik, Film, Kunst und Kultur, zeigen unter anderem Amy Winehouse, Mick Jagger, Cher oder Willem Dafoe. Beim ersten Blick auf diese Bilder meint man z.B. bei Mick Jagger eine klassische Inszenierungspose des Rockstars zu sehen, doch dies würde den Bildern nicht gerecht werden. Bryan Adams interessiert sich in seiner Fotografie nicht für Statussymbole, sondern er geht hinter die Fassade und stellt die Porträtierten als Mensch in den Fokus und nicht als Star oder Marke.
Natürlich handelt es sich um inszenierte Porträts, und doch werden auch die Menschen hinter den Stars in den Bildern greifbar. Im Porträt von Michael J. Fox aus 2009 erkennt man eine raue Verletztheit und zugleich die Entschlossenheit, mit der er gegen seine Parkinson-Krankheit ankämpfte. Victoria Beckham ist auf einem Fahrrad abgelichtet, in all der Eleganz der erfolgreichen Geschäftsfrau, aber natürlich mit einem ironischen Blick. Meisterhaft finde ich das Bild von Willem Dafoe auf seinen Knien aus dem Jahr 2024. In diesem Bild spürt man ein verschmitztes Grinsen, in welchem sich offenbart, dass in dieser Aufnahme viele Anspielungen auf sein Schauspielerdasein stecken. Tobey Maguire sitzt inmitten einer Figurenanordnung und erscheint darin nur aufgrund der Sonnenbrille mit mehr Konturen. Dieses Bild spielt für mich mit der Sehnsucht, als Prominenter verschwinden zu können. Cher wird mit Lippenstiftspuren auf einem Spiegel abgebildet. In diesem Bild sieht man eine erfolgreiche Frau, die doch immer darauf achten muss, dass sie ein passendes Öffentlichkeitsbild inszeniert. In allen Bildern findet sich eine Aufmerksamkeit für Gesten und Blickrichtungen. Schmunzeln musste ich zudem beim Porträt der Queen. Deutlicher wird die Kunst von Bryan Adams in der Serie „Homeless“. Hier wirft Adams einen Blick auf Obdachlose, welche das Londoner Straßenmagazin „The Issue“ verkaufen. Wir sehen in diesen Bildern Menschen, deren gesellschaftliche Existenz von Unsicherheit und Ausgrenzung geprägt ist. Doch die Bilder sind nicht von Mitleid gezeichnet, sondern die Bilder geben ihnen in den Blicken, dem ein oder anderen Strahlen eine Würde und zeichnen zugleich in den Gesichtern die persönlichen Geschichten. Bryan Adams widmet diesen Menschen künstlerisch die gleiche Aufmerksamkeit wie den Prominenten. Drastischer ist die facettenreiche Fotografie bei der Serie „Wounded: The Legacy of War“. Hier fotografierte Adams britische Soldaten, die mit schweren körperlichen Verletzungen aus den Einsätzen im Irak und in Afghanistan zurückgekehrt sind. Die Verletzungen werden nicht versteckt, machen die Spuren des Krieges sichtbar. Mich haben diese Bilder wirklich mitgenommen, denn durch die schlichte Darstellung sind die Schrecken von Kriegen deutlich zu sehen. Doch auch hier gibt es ein Bild, welches einen Soldaten mit heruntergelassenen Hosen und einer Prothese zeigt. Dabei lacht der Soldat, und damit hat dieses Buch zugleich den Schrecken des Krieges, aber auch die Hoffnung des Überlebens. Bryan Adams gelingt das Kunststück, diese Menschen in einem Zustand zwischen Verletzlichkeit und Stärke zu zeigen.
Mit der Serie „In Colour“ werden dann abermals Porträts gezeigt, bei denen Farbflächen hinter Plexiglas die Ästhetik dominierender werden lassen. Adams spielt in dieser Serie mit Traditionen der Pop Art. Vergleicht man alle Werkreihen, erkennt man, dass es diesem Künstler um die Menschen hinter gesellschaftlichen Rollen geht, um das Verschieben von öffentlicher Darstellung und somit um das Betonen der menschlichen Präsenz.
Fazit:
Ich bin kein Kenner von Fotokunst, doch habe ich schnell gemerkt, dass mich diese Bilder begeistern und zugleich auch betroffen machen. Die Bilder der Kriegsversehrten sind mir nahegegangen und erzeugen eine tiefe Wirkung. Es geht bei diesen Porträts nicht um die Faszination prominenter Gesichter, sondern um einen Fotografen, der es schätzt, Menschen hinter ihrer Fassade zu zeigen und sie betont fokussiert abbildet und das Umfeld verschwinden lässt. Bryan Adams hat wirklich starke Bilder gemacht und ist neben seiner musikalischen Tätigkeit auch in diesem Metier ein Künstler. Unterschiedliche Lebenswelten treten miteinander in Beziehung und erzählen die verschiedensten Geschichten.
Werbung aus Liebe zur Kunst
Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
Weitere Infos zur Ausstellung unter: https://www.hlmd.de/de/entdecken/sonderausstellungen/2026/-shotbyadams
