Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und das doppelte Spiel

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Henrik Siebold ist im Jahr 2026 mit seiner Inspektor-Takeda-Reihe zu Gast bei den Darmstädter Krimitagen und bietet mir deshalb Anlass, seine Reihe auf meinem Blog vorzustellen. Sicherlich ist der Eindruck schon vermittelt, dass mich diese Reihe stark begeistern kann. Für mich ist diese Reihe herausragend, da sie es schafft, mit ihren ermittelnden Hauptfiguren nicht nur Mordfälle zu lesen, sondern kulturelle Unterschiede darzustellen und reflektiert zu betrachten. Inspektor Takeda nutzt seine kulturelle Herkunft bei den Ermittlungen, erweist sich als  scharfsinnig in der Analyse und verfügt über die nötige Entschlossenheit. Letztere zeigt sich vor allem im vierten Band der Reihe, den ich am heutigen Tag vorstellen möchte. „Inspektor Takeda und das doppelte Spiel“ ist 2019 im Aufbau Verlag erschienen.

„Die Menschen in Deutschland nehmen sich einfach zu wichtig! Und darum sind alle ständig gekränkt oder wütend. Jeder fühlt sich unterdrückt, schlecht behandelt und missachtet. Das kennen wir Japaner nicht, weil wir die Dinge einfach nicht so persönlich nehmen …“

Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und das doppelte Spiel, Aufbau Verlag 2019, S.193.

Der Roman beginnt mit einem brutalen Mord in Hamburg. Auf einem verlassenen Gewerbehof wird der junge japanische Profifußballer Ryutaro Matsumoto tot aufgefunden. Alles deutet auf eine Hinrichtung hin. Matsumoto stand beim Hamburger SV unter Vertrag, was zu schwierigen und stetig von der Öffentlichkeit begleiteten Ermittlungen im Fußballermilieu führt. Kenjiro Takeda und  Claudia Harms nehmen die Ermittlungen auf und versuchen im Umfeld des Vereins nach möglichen Motiven zu suchen. Schnell stoßen sie auf ein eigenwilliges Verhalten des Profis und eine Vereinigung von Zen-Buddhisten, die in engem Kontakt nach Japan stehen. Takeda vermutet, dass der hier geschehene Mord in engem Zusammenhang mit der japanischen  Kultur steht. Die Art des Mordes deutet auf Verbindungen in Yakuza-Kreise hin. Die Verbindung zur japanischen Mafia macht diese Ermittlungen für das deutsch-japanische Ermittlerteam besonders gefährlich. Aufgrund des öffentlichen Interesses erhält der Fall zudem politische Aufmerksamkeit und so versucht man, den Ermittlern den Fall zu entziehen. Gegen jede Dienstvorschrift nehmen die beiden Urlaub und reisen auf eigene Faust nach Japan, um den wahren Hintergründen dieses Mordfalles nachzuspüren.

„Ich bin ein großer Anhänger des Zen. Aber ich kann die Augen nicht davor verschließen, dass die Menschen einfach alles missbrauchen, sogar die Spiritualität.“

Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und das doppelte Spiel, Aufbau Verlag 2019, S.267.

In diesem Zitat zeigt sich, dass Takeda vermutet, dass der Zen-Tempel inmitten Hamburgs nicht nur als Ort für Erholung und Spiritualität geschaffen wurde. Grundsätzlich setzt dieser Band der Reihe neue Akzente, da er ungewöhnliche Milieus miteinander kombiniert. Religion, Fußball und Mafia werden miteinander in Bezug gesetzt und stellen damit moderne Elemente unserer Welt  traditionellen kulturell geprägten Elementen gegenüber, verquicken sie sogar miteinander. Allerdings sind die dann hergestellten Bezüge für mich nicht immer realistisch. Der Roman wagt mit dem Ausflug nach Japan viel, doch für mich schwächt dieser Wechsel die Reihe etwas. Dies liegt jedoch nicht an der Zurschaustellung kultureller Unterschiede, sondern an der sich entwickelnden Action gegen die Yakuza-Schergen. Für mich gipfelt dies in einer überzogenen Showdown-Situation, die untypisch für diese so ausgewogen geschriebene Reihe wirkt. Zugleich wird die Beziehung der beiden Kommissare weiterentwickelt. In der Ferne zur deutschen Heimat verlässt sich Claudia noch stärker auf ihren japanischen Kollegen und gibt ihrer Zuneigung freien Raum. Die Dynamik ihrer Beziehung nimmt somit Fahrt auf, nimmt aber der Krimihandlung etwas Raum.

„Sieh mal, wir Japaner lernen von frühester Kindheit an, unseren Platz in der Gesellschaft einzunehmen und die Erwartungen unserer Umgebung zu erfüllen.“

Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und das doppelte Spiel, Aufbau Verlag 2019, S.192.

Dieses Zitat steht nochmals stellvertretend für die  Schilderung subtiler kultureller Unterschiede, das Entlarven gesellschaftlicher Codes und Traditionen, vor dem Hintergrund einer Krimihandlung. Ich schätze diese Reflexionen an der Reihe und finde, dass es Siebold immer wieder gelingt, dies prägnant zu formulieren. Kenjiro Takeda glänzt in seiner Heimat mit seinem kulturellen Wissen, nutzt den Ausflug aber ebenso dafür, das eigene emotionale Gepäck aus der Vergangenheit loszuwerden. Die Reise nach Japan bringt die beiden aber auch an körperliche Grenzen und lässt sie ihren wohl gefährlichsten Fall lösen.

Fazit:

Dieser Band ist eine vielschichtige Kombination unterschiedlicher Milieus, die in ihrer Präsentation zu überraschen wissen. Ich hatte in dieser Reihe einen Band mit einem Ausflug nach Japan erwartet, doch genau dieser enttäuscht etwas im Vergleich zu den anderen Romanen. Bisher hat mich diese Reihe mit voller Wucht umgehauen, doch dieser Band übernimmt sich aus meiner Sicht an der dargebotenen Action. Ich möchte klarstellen, dass dies eine Kritik auf höchstem Niveau ist, denn Siebolds Reihe bleibt mit ihren wunderbar geschilderten Figuren eine hervorragende. Der Wechsel zwischen den analytischen Gesprächen der Ermittler:Innen und intensiven Auseinandersetzungen mit möglichen Verdächtigen ist immer gelungen. Die Erzählweise ist durchgehend fesselnd und deshalb begeistert mich die Reihe trotz der kleinen  Schwächen dieses Mal weiterhin.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

Titel: Inspektor Takeda und das doppelte Spiel

ISBN: 978-3-7466-3514-9

https://www.aufbau-verlage.de/aufbau-taschenbuch/inspektor-takeda-und-das-doppelte-spiel/978-3-7466-3514-9

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