Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und das schleichende Gift

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Die Darmstädter Krimitage 2026 rücken näher und einer der Gäste wird Henrik Siebold mit seinem neuesten Roman der Inspektor-Takeda-Reihe sein. Bisher hat mich diese Reihe wirklich sehr begeistert und ich kann allen Krimifans die ersten Bände nur wärmstens ans Herz legen. Der sechste Band „Inspektor Takeda und das schleichende Gift“ ist 2022 im Aufbau Verlag erschienen. Dieses Mal müssen Claudia Harms und Kenjiro Takeda im Fall eines ermordeten stadtbekannten Rechtsanwalts ermitteln. Der Anwalt hatte zuletzt einen Schauspieler verteidigt, dem Vergewaltigung vorgeworfen wurde. Dieser Fall hat durchaus für Drohungen gesorgt, doch diese schnelle Spur scheint nicht zum erfolgreichen Ermittlungsabschluss zu führen. Bei ihren Ermittlungen stoßen die beiden jedoch immer tiefer in die Vergangenheit des Rechtsanwalts vor und entdecken weitere mögliche Motive.

„Er gestand es sich nur ungern ein, aber zum ersten Mal konnte er die Stadt nicht leiden. Es kam ihm vor als hätte Hamburg Fieber. Die Stadt und auch die Bewohner.“

Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und das schleichende Gift, Aufbau Verlag 2022, S.63.

Kenjiro Takeda ist gerne als Ermittler in Hamburg tätig, doch immer wieder gibt es Momente, in denen ihn die Schicksale, mit denen er in Kontakt gerät, zweifeln lassen. In diesem Fall stoßen die Ermittler auf einen Mädchenmord der Vergangenheit, in welchen der Staranwalt als Zeuge verwickelt war. Doch die Ermittlungen in der Vergangenheit sind nicht erwünscht. Der damals  ermittelnde Kommissar sieht seine Arbeit diskreditiert und einer der Beteiligten ist der heutige regierende Bürgermeister von Hamburg. Takeda und seine Kollegin müssen erkennen, dass es hier somit auch eine machtpolitische Ebene gibt, welcher sich die beiden nur zaghaft nähern können. Durch diesen Plottwist erweitern sich die Themen um Machtmissbrauch, Männerbündnisse und psychologische Belastungen durch Schweigen. Die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart ist gelungen, das Vergangene wirkt nach. Mit feinem Gespür wird die Belastung aller Beteiligten, ob Zeuge, Ermittler, Angehörige des Opfers oder vermeintliche Täter, ausdrücklich geschildert.

„In einer Schulung auf dem Präsidium habe ich kürzlich gelernt, dass die Kriminalitätsrate in Hamburg seit Jahren rückläufig ist. Überhaupt im ganzen Land. Es ist wirklich verblüffend. Weniger Überfälle, weniger Einbrüche, weniger Betrügereien. Und doch haben die Menschen immer mehr Angst.“

Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und das schleichende Gift, Aufbau Verlag 2022, S.236.

Mit diesem Zitat zeigt sich wieder einmal die analytische Ebene der Figur Takeda. Die Figur ist kein Stereotyp, hinterfragt immer wieder, was sie in Deutschland beobachtet. Die Nachwirkungen der Vergangenheit sorgen in ihrer Intensität durchaus für Angst. Der japanische Kommissar sieht in der deutschen Gesellschaft jedoch eine nicht nachvollziehbare Erregungsspirale. Nicht jeder verfügt über die Gelassenheit, sich durch Jazzspiel am Saxofon zu beruhigen. Mit seinen intuitiven Beobachtungen gelingt es ihm immer wieder, entscheidende Ermittlungsimpulse zu setzen. Claudia Harms ist eine konträre Figur, sie ist impulsiv  und provoziert durchaus manchmal ihre Gegenüber. Ich finde, diese beiden Ermittlungsfiguren sind ein lebendiges Pärchen, welches eine Reihe gut über mehrere Bände tragen kann. Die gegenseitige Beziehung schwankt zwischen Anziehung und Anspannung und wirkt trotzdem nie nur wiederholend. Die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe tragen hierzu gewinnbringend bei. Henrik Siebolds präziser Stil, mit psychologischer Spannung statt knallharter Action, ist eine Art Roman, die mir gut gefällt. Ohne weiter auf die Handlung einzugehen, um keine Spoiler zu bieten, kann die Reihe auch mit Band Sechs überzeugen.

Fazit:

Erneut überzeugt diese Reihe mit einem vielschichtigen Kriminalroman. Ein vermeintlich leichter Fall entpuppt sich als eine Ermittlung bis tief in die Vergangenheit der beteiligten Figuren. Siebolds Figuren sind gut ausgearbeitet, der geschilderte Fall wirkt realistisch, keine der Figuren ist nur oberflächlich angelegt. Der Fall ist komplex gebaut, macht verschiedene menschliche Abgründe sichtbar, verfolgt Machtstrukturen und bietet hierfür zwei Kommissare, für die Aufgeben nie eine Option ist. Diese Krimireihe ist wirklich ein Lese-Muss für Krimifans, denn sie bietet neben toll komponierten Kriminalfällen, feine Charakterstudien mit einem tollen Gefühl für kulturelle Unterschiede.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧

Titel: Inspektor Takeda und das schleichende Gift

ISBN: 978-3-7466-3896-6

https://www.aufbau-verlage.de/aufbau-taschenbuch/inspektor-takeda-und-das-schleichende-gift/978-3-7466-3896-6

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