Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder

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Eine Krimireihe am Stück lesen zu können, genieße ich immer besonders. Dicht aufeinander folgende Lektüren ermöglichen es, die Figurenentwicklungen besser nachzuvollziehen. Henrik Siebolds Reihe um den in Hamburg ermittelnden Inspektor Takeda macht noch etwas mehr Spaß, weil ich sie einfach herausragend finde. Der dritte Band der Reihe „Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder“ ist 2018 bei Aufbau erschienen. Erneut wird in diesem Band ein Kriminalfall mit verschiedenen kulturellen Perspektiven gemischt, welche der Reihe ein besonderes Alleinstellungsmerkmal und eine andere Tiefe verleihen.

„Diese Fähigkeit mitzukriegen, was bei jemand anderem los war, musste etwas Japanisches sein.“

Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder, Aufbau Verlag 5. Auflage 2023, S.44.

An diesem Zitat ist gut ablesbar, was ich damit meine. Zwischen Claudia Harms und Kenjiro Takeda ist während der Ermittlungsarbeit immer ein Spannungsverhältnis, welches auch von einer gegenseitigen Anziehungskraft geprägt ist. In diesem dritten Band beginnt alles mit einem schockierenden Unfall oder Attentat an einem Bahnhof. Ein Schüler soll eine Frau vor einen Zug gestoßen haben. Bei der Vernehmung des Jugendlichen erreichen sie jedoch nichts. Zudem scheint es keinerlei Motiv für diese schreckliche Tat zu geben. Ebenso ist nicht beweisbar, ob der Junge die Frau wirklich aktiv gestoßen hat. Für Claudia Harms sind diese ergebnislosen Bemühungen eine besonders belastende Situation. Kenjiro Takeda ist mit seiner intuitiven Art besser geeignet, um die Mauern zu durchbrechen. Der junge Mann mit seinem sturen Lächeln scheint hinter diesem tiefergehende Probleme zu verbergen. Takeda gelingt es durch Kenntnis der japanischen Anime-Kultur, das Schweigen zu durchbrechen. Für mich zeigt sich hier eine weitere Stärke der Reihe, denn Henrik Siebold nutzt die bestehende Faszination für Teile der japanischen Kultur und integriert diese immer wieder passend in seine Romane. Im dritten Band geht es um Mangas und wie sich Jugendliche auf diese Texte einlassen und welche Mythen diese verarbeiten. Zweifel am möglichen Täter kommen dann auf, als es zu einem weiteren scheinbar zufälligen Todesfall kommt. Für Takeda entsteht nun der Verdacht, ob diese Todesfälle von jemandem verübt werden, der selbst kein Motiv hat und nur als Werkzeug dient. Diese Vermutung macht ein breites Feld möglicher Motivlagen auf und vor allem wirkt es schier unmöglich, Verdächtige zu finden. In diesem dritten Band ist das Außenseiterdasein von Takeda von einem großen Vorteil. Da er nicht wie ein klassischer Polizist wirkt, kann er Vertrauen bei den Jugendlichen erwecken, welches diese Harms nicht entgegenbringen. Er beginnt, die Schilderungen zu hinterfragen und dabei auch rationale Verbindungen in Zweifel zu ziehen – genau jene Aspekte, die seine Kollegin Harms an ihrer Arbeit schätzt. Immer wieder gelingt es Siebold, seine beiden Hauptfiguren vor neue Herausforderungen zu stellen und die Figuren dabei weiterzuentwickeln.

„Takeda lächelte. >>Magst du traurige Orte?<< >>Sie sind wahrhaftig. Ohne Lüge.<< >>Das stimmt. Im Tod enden alle Lügen. Niemand braucht mehr jemandem etwas vorzumachen.<<.“

Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder, Aufbau Verlag 5. Auflage 2023, S.180.

Es sind solche Zitate, welche die Tiefe der Gespräche zwischen den beiden Ermittlern oder zu möglichen Zeugen oder Verdächtigen haben. Kenjiro Takeda schafft es mit seiner unkonventionellen Art, in das Innerste seines Gegenübers vorzudringen. Zudem hat er einen Blick für Details, der es ihm ermöglicht, Muster ganz anders in ein großes Ganzes zu bringen. Widersprüchliche Zeugenaussagen werden von ihm schnell entlarvt und, obwohl ihm die deutsche Kultur an vielen Stellen fremd erscheint, weiß er Menschen gut einzuschätzen und kann deshalb auch die Widersprüche in persönliche Situationen einbinden. Dieser dritte Band liefert nie eine einfache Antwort und spielt die unterschiedlichsten Motive an. Es gibt klassische Motive wie Neid oder Eifersucht, es geht aber auch um jugendliches Milieu und dort herrschende Gruppendynamiken. Durch  seinen feinen Schreibstil durchziehen diese Reihe dichte, atmosphärische Bilder. Dieser dritte Band ist intensiv in der Auseinandersetzung mit dem verdächtigen Jugendlichen, dessen Lächeln  zugleich Provokation und Verzweiflung aufscheinen lässt. Wie in den vorherigen Bänden ist der Spannungsverlauf hervorragend ausgestaltet und läuft ansteigend auf ein Ende zu.

Fazit:

Dieser dritte Band überzeugt erneut, und wieder ist es Siebold gelungen, einen Kriminalfall zu konstruieren, den ich so bisher nicht als Muster kenne. Die intensive Beschreibung von Vernehmungen zeigt das Gespür für starke Figurendialoge. Nie bleibt Siebold bei seinen Figuren, unabhängig davon, ob es sich um Haupt- oder Nebenfiguren handelt, nur an der Oberfläche. Die herausfordernden Ermittlungen führen Takeda und Harms an ihre Grenzen, doch aufgrund ihrer wunderbaren Ergänzung können sie auch dieses Geflecht durchdringen. Gepaart mit den unterschiedlichen Kulturen, die liebenswerte Marotten und Gespräche zutage führen, entsteht wieder ein runder Roman, den man gerne zu Ende liest. Ich muss dieser Reihe einfach eine große Leserschaft wünschen.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧

Titel: Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder

ISBN: 978-3-7466-3385-5

https://www.aufbau-verlage.de/aufbau-taschenbuch/inspektor-takeda-und-der-lachelnde-morder/978-3-7466-3385-5

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