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Am heutigen Sonntag, den 8. März 2026, starten die Darmstädter Krimitage in ihre elfte Austragung. Ich darf in diesem Jahr wieder als Moderator mitwirken und war in die Programmauswahl eingebunden. Ein persönliches Highlight des diesjährigen Programms ist für mich die Teilnahme von Henrik Siebold mit seiner Inspektor-Takeda-Reihe. Ich habe euch diese Reihe in den vergangenen Tagen intensiv vorgestellt und bin nun beim vorletzten Band angekommen. „Inspektor Takeda und der schöne Schein“ ist wie die Vorgänger im Aufbau Verlag erschienen. Der siebte Band ist 2024 erschienen und bietet einen Kriminalfall, bei dem das Ermittlerteam zunächst getrennt voneinander agieren muss.
„Mein Gott, Ken, macht dir die Sache etwa Spaß? Eine tote Gräfin und ein Haus voller Verdächtiger … Darf ich dich daran erinnern, dass du nicht Hercule Poirot bist?“
Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und der schöne Schein, Aufbau Verlag 2024, S.128.
Kenjiro Takeda wurde zu einem Wochenende ins Anwesen von Frau Gräfin Ernestine von Remsau eingeladen. Die wohlhabende Witwe ist Kunsthändlerin und begeistert sich für asiatische Kunst. Gemeinsam mit weiteren Gästen soll Takeda sich an einem Austausch über Japan, Kunst und Antiquitäten beteiligen. Allerdings wird die Gastgeberin am nächsten Morgen tot aufgefunden. Zunächst deutet alles auf einen Suizid durch den Strang hin. Takeda beginnt jedoch zu zweifeln, und dies liegt vor allem daran, dass eigentlich jeder der Anwesenden ein Motiv hätte, um die Gräfin aus Habgier oder Rache zu ermorden. Parallel zu diesen Geschehnissen wird Takedas Kollegin Claudia Harms zu einem weiteren Todesfall gerufen. Ein toter Privatdetektiv gibt ihr Rätsel auf und sie vermisst ihren Kollegen. Henrik Siebold erzählt die beiden Fälle parallel. Er wählt hierfür eine Erzählweise, die aus traditionellen Whodunit-Krimis bekannt ist. Kenjiro Takeda vernimmt die anwesenden Gäste einzeln und sorgt mit seinen Ermittlungen für gegenseitiges Misstrauen. Wir beobachten diese Ermittlungen als Leserschaft genau und die Szenerie erinnert durchaus an manchen Agatha-Christie-Roman. Die Locked-Room-Szenerie sorgt dafür, dass langsam Fassaden und Oberflächlichkeiten der anwesenden Gästegesellschaft durchbrochen werden. Die Scheinfreundschaften zur Gräfin spielen auch auf den Titel des Romans an. Claudia Harmst stößt allerdings ebenfalls auf dunkle Geheimnisse im Leben des Privatdetektivs und muss vor allem eine nicht kooperationsbereite Mutter zum Reden bringen. Die Spannung dieses Romans entsteht durch die auftretenden Hinweise, die man versuchen muss, in einen kausalen Zusammenhang zu bringen. Wieder einmal steht nicht die Action, sondern die Ermittlungsarbeit im Vordergrund.
„Im Laufe der Jahre wurde mir klar, dass man nicht vor seiner eigenen Geschichte weglaufen kann. Man muss sich den Dingen stellen.“
Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und der schöne Schein, Aufbau Verlag 2024, S.217.
Dieses Textzitat passt zu einigen der Figuren in diesem Roman. Es ist allerdings ebenso passend für das Ermittlerteam. Takeda und Harms waren sich liebevoll nähergekommen, doch dann wurde die Beziehung durch Claudia Harms beendet. Mittlerweile wohnen sie jedoch in einer Art WG wieder zusammen. Claudia weiß, dass sie die Beziehung aus fadenscheinigen Gründen beendet hat, weil sie nicht zu ihren eigenen Gefühlen stehen kann. Die getrennte Ermittlung zeigt ihr nochmals, was ihr Kollege ihr mittlerweile bedeutet. Wie in den sechs Bänden zuvor, ist Takeda der intuitiv und analytisch vorgehende Ermittler, während Claudia mehr durch Emotionen geprägt ist. Die Geschichte ist wieder gut erzählt und Henrik Siebold zeigt sein gutes Sprachgefühl. Ich muss allerdings sagen, dass mir dieser Band zu viele gängige Krimitraditionen aufgreift, sei es die Ermittlung im Poirot-Stil oder bestimmte Klischees, die im Handlungsstrang mit dem Privatdetektiv aufkommen. Ich habe diese Serie bisher vor allem dafür geschätzt, dass sie mit vielen neuen Ideen spannende Kriminalfälle geboten hat. Außerdem sind die kulturellen Differenzen, aus denen die Reihe Humor und kluge Reflektionen zieht, in Band sieben etwas seltener. Trotzdem liegt insgesamt ein weiterer unterhaltsamer Krimi vor, der meinen positiven Gesamteindruck der Reihe nicht trüben kann.
Fazit:
Band sieben dieser Krimireihe aus Hamburg, kann mich nicht im gleichen Maße wie die Vorgänger begeistern. Es ist durchaus ein interessanter Ansatz von Henrik Siebold, in diesem Band verschiedene Krimitraditionen zu zitieren. Allerdings war diese Reihe für mich bisher vor allem mit ihren Innovationen ein wahrer Lesegenuss. Für Band sieben bin ich deshalb mit weniger Begeisterung dabei, wobei erneut ein lesenswerter Krimi entstanden ist. Gekonnt werden die Handlungsstränge am Ende zusammengeführt und die beiden Hauptfiguren werden konsequent weiterentwickelt. Gut ist der Roman immer dann, wenn er die Figuren mit kleinen Hintergrundstorys ausstattet. Letzteres ist eine weitere Qualität dieses Autors, denn hier ist keine Figur nur oberflächlich, sondern alles ist toll ausgearbeitet. Auch wenn ich diesen Roman schwächer einstufe, bleibt mein Gesamturteil, dass dies eine der besten Krimireihen ist, die ich bisher gelesen habe.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧🐧
Titel: Inspektor Takeda und der schöne Schein
ISBN: 978-3-7466-4068-6
