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Ein persönliches Highlight der Darmstädter Krimitage 2026 war für mich der Besuch von Henrik Siebold mit seiner in Hamburg spielenden Krimireihe rund um den japanischen Kommissar Takeda. Die gesamte Reihe lebt davon, dass in ihr deutsch-japanische kulturelle Unterschiede zwischen dem Ermittlerpaar thematisiert werden und zugleich in den Krimiplot eingearbeitet sind. Die Krimis dieser Reihe setzen auf klassische Ermittlungsarbeit und weniger auf Actionelemente.
„Wir in Japan sagen, dass ein guter Sushikoch erst nach mehr als zehn Jahren der Ausbildung wirklich gut ist. Ich denke die meisten Deutschen haben nicht so viel Ausdauer.“
Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und der tödliche Ruhm, Aufbau Verlag 2025, S.190.
Dieser Band der Reihe setzt mit einer Anfrage der Ex-Frau von Ken Takeda ein. Sie sucht ihn gemeinsam mit einer Freundin in Hamburg auf, da er versuchen soll, deren verschwundenen Mann zu finden. Es handelt sich um den Sushi-Meisterkoch Hiroyuki Endō, der vor einiger Zeit spurlos verschwunden ist, sich nun jedoch mit einem Hilfegesuch an seine Frau gewendet hat. Eine Spur scheint nach Hamburg in ein aufstrebendes Sushilokal zu führen. Bevor Takeda und seine Kollegin Claudia Harms mit ihrer Arbeit beginnen können, kommt es zu einem Todesfall. TV-Koch Tom Trautmann wird tot aufgefunden, seine Ermordung deutet auf japanische Messerkünste hin und es deuten sich Verbindungen zum verschwundenen Meisterkoch an. Das Hamburger Ermittlerteam muss indessen in zwei Fällen ermitteln, unklar darüber, ob diese miteinander in Verbindung stehen. Für Ken ist dies zudem eine persönliche Angelegenheit, denn er möchte nicht daran glauben, dass der Meisterkoch als möglicher Täter infragekommt. Spannend an diesem Fall sind die Schilderungen der Welt der hochwertigen Gastronomie. Hier zeigt sich erneut das fundierte Wissen über japanische Kultur, welches die Bücher von Siebold auszeichnet und ein Qualitätsgarant der Reihe ist. Perfektion und Disziplin sind wichtiger Bestandteil der Sushikunst, und diese Zielsetzungen scheinen auch das Leben des Meisterkochs bestimmt und schlussendlich zu seiner Flucht gebracht zu haben. Die Ermittlungen weisen auf mögliche verschiedene Motivlagen hin und Takeda muss sich mit seiner Kollegin wieder als scharfsinnig beweisen.
„War die Wahrheit nicht die, dass auch er eine Art von Johatsu begangen hatte? War nicht auch er in gewisser Weise von seinen Problemen geflohen, anstatt sie zu lösen, als er nach Deutschland übergesiedelt war?“
Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und der tödliche Ruhm, Aufbau Verlag 2025, S.114.
Die Reihe lebt davon, dass Ken Takeda sich während der Ermittlungen gleichzeitig selbst hinterfragt. Sein Weg hat ihn aufgrund seines Beziehungsendes ins Ausland geführt und nun wird dies durch das erneute Aufeinandertreffen nochmals aufgewühlt. Er beginnt Parallelen zum verschwundenen Koch zu erkennen und hat deshalb eine Schwäche für diesen Mann und seine Erlebnisse. Dies macht den Fall für Ken persönlich und sorgt durchaus wieder für Differenzen mit seiner Kollegin. Die Geschichte der beiden Hauptfiguren entwickelt sich in diesem Band konsequent weiter, denn auch hier steht die Ex-Frau zwischen Claudia und Ken. Schlussendlich bleibt aber auch hier ein Qualitätsrezept erhalten, denn die private Hintergrundgeschichte erweitert nur den Handlungsrahmen und überlagert ihn nicht.
„Gerade wenn wir glauben, dass die Dinge eindeutig sind, steigt die Gefahr, dass wir uns verrennen.“
Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und der tödliche Ruhm, Aufbau Verlag 2025, S.234.
In diesem Zitat zeigt sich eine Stärke Takedas, denn er kann sein eigenes Verhalten reflektieren. Die gesamte Reihe lebt von seiner Ermittlungsgabe, da er mit seinem analytischen Vorgehen meist den richtigen Riecher hat. Claudia Harms ist das angriffslustige und impulsive Pendant, und wegen dieser Gegensätze ist ihre zwischenmenschliche Beziehung mit ihren Höhen und Tiefen ein treibendes Momentum der Bücher. Zudem lernen die beiden voneinander und kommen sich dabei näher. All dies entwickelt Siebold in kleinen Schritten und überdramatisiert die emotionalen Momente nicht. Stilistisch ist dieser Roman vergleichbar mit den vorherigen Bänden und von einer Klarheit durchzogen. Durch die detaillierten Recherchen schafft Siebold immer die richtige Atmosphäre für seine Handlung. Beschreibungen werden funktional und nicht als ästhetischer Schmuck eingesetzt. Die immer wieder dargestellten kulturellen Unterschiede erzeugen erzählerische Tiefe und machen aus dieser Reihe eine besondere Lektüre. Der achte Band ist qualitativ erneut ein starker Beitrag zur Reihe, und mit dem verschwundenen Sushi-Koch, der Suche nach ihm und seiner möglichen Tatbeteiligung ist ein spannender Plot gelungen.
Fazit:
Henrik Siebols Besuch bei den Darmstädter Krimitagen war ein absolutes Highlight. Für mich ist dies aktuell eine der besten Krimireihen auf dem Markt. Die japanische Hauptfigur ist mit viel Tiefe entwickelt und seine analytischen Fähigkeiten sorgen für das Aufklären der komplexen Kriminalfälle. Erneut ist Siebold ein interessanter Fall aus der Welt der Gastronomie gelungen. Die interkulturellen Reflektionen und die Darstellung des Sushikochens als Kunst der Präzision. Die weitere Entwicklung der Beziehung zwischen dem Ermittlungsteam ist eine weitere emotionale Stärke des Buches und überlagert trotzdem nie den Krimiplot. Siebold hat ein wunderbares Gespür für seine Figuren und bietet eine literarisch präzise Sprache, sodass man die Bücher einfach gerne liest. Mit dem achten Band ist wieder ein starker und lesenswerter Reihenbeitrag gelungen.
Werbung aus Liebe zum Buch
Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: Inspektor Takeda und der tödliche Ruhm
ISBN: 978-3-7466-4160-7
