Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und die Toten von Altona

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Auf meinem Blog hat Spannungsliteratur einen festen Platz. Ein Grund hierfür ist mittlerweile auch mein Engagement bei den Darmstädter Krimitagen. Für diese Veranstaltungswoche bin ich als Moderator und als Teil des Programmteams tätig. Deswegen bin ich immer wieder auf der Suche nach toller deutschsprachiger Krimiliteratur. Eine Reihe stand schon seit längerer Zeit auf meiner Liste und ich bin froh, dass ich diese nun endlich auf meinem Blog vorstellen kann. Henrik Siebold veröffentlichte 2016 seinen ersten Band einer Krimireihe um einen in Hamburg ermittelnden Japaner. Für mich ist schon diese Grundkonstellation etwas Besonderes. Hamburg ist meine Lieblingsstadt in Deutschland und ein Aufeinandertreffen von Kulturen bietet immer eine spannende Ausgangssituation. Henrik Siebold ist das Pseudonym des Journalisten Daniel Bielenstein, der aber auch unter weiteren Pseudonymen und Klarnamen Romane und Jugendbücher veröffentlicht hat. Mir geht es jedoch um die im Aufbau Verlag erscheinende Reihe um den japanischen Kommissar Kenjiro Takeda. Dieser wird im Rahmen eines Hospitationsprogramms nach Hamburg entsandt. Für ihn ist dies eine vielversprechende Möglichkeit, seine gescheiterte Ehe hinter sich zu lassen. Der Neuanfang in Hamburg bringt ihm, wie das nachfolgende Zitat zeigt, einen Bruch mit bekannter Kultur und neue Blickwinkel, die ihn auch als Charakter reifen lassen.

„Konnte das die Alster sein, über die er im Reiseführer gelesen hatte? Aber wo war denn die Stadt? Wo waren die Highways, die Hochhäuser, die verstopften Straßen, das Häusermeer, über das eine Metropole von knapp zwei Millionen Einwohnern doch verfügen musste?“

Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und die Toten von Altona, Aufbau Verlag 2016, S.5.

In einer Wohnung in Hamburg-Altona werden die Eheleute Haubach tot aufgefunden. Die Szenerie deutet auf einen Doppelselbstmord hin, doch Takeda kommen direkt am Tatort Zweifel. Er bringt Widersprüche zutage, die auch seiner neuen Hamburger Kollegin Claudia Harms komisch vorkommen. So beginnen die beiden, sich tiefer in die Beziehungsgeflechte des toten Ehepaares einzuarbeiten. Das Ehepaar führte eine Buchhandlung, sollte diese aber zugunsten eines neuen Wohnbauprojektes schließen und verkaufen. Jedoch weigerte sich das Ehepaar, und darin könnte ein mögliches Motiv liegen. Eine weitere Spur führt zur türkischen Nachbarsfamilie, deren Sohn sich mit dem Ehepaar heftig gestritten hat.

Der erste Band der Reihe präsentiert uns nicht nur diesen Kriminalfall, sondern dient zugleich als Einführung in das Leben der japanischen Hauptfigur und seiner neuen deutschen Kollegin. Claudia Harms ist Tochter eines Staatsanwaltes und charakterisiert sich selbst als beziehungsunfähig. Kenjiro Takeda muss seine gescheiterte Ehe verarbeiten und glaubt, dies mit einem Neuanfang in Hamburg am besten bewerkstelligen zu können. Takeda ist eine spannende Figur, denn er ist schon äußerlich mit langen Haaren eine beeindruckende Erscheinung. Zudem liebt er Jazz und spielt gerne Saxofon, oftmals auch in der Nacht unter freiem Himmel. Er zeichnet sich in seiner Arbeit durch eine ruhige, analytische Art aus und ist damit das Gegenteil seiner deutschen Kollegin. Letztere zeichnet sich durch ihre etwas rauere Art und emotionales Handeln aus. Aufgrund dieser unterschiedlichen Eigenschaften ergänzen  sie sich als Team. Claudia Harms ist die einzige Frau mit Leitungsfunktion in ihrer Abteilung und muss sich auch deshalb mit starken Ellenbogen durchsetzen. In ihrer gemeinsamen Ermittlungsarbeit zeigen sich immer wieder kulturelle Unterschiede und Takeda fällt es nicht leicht, sich deutschen Gepflogenheiten anzupassen, beziehungsweise diese zu verstehen. Während Claudia Harms bei Vernehmungen äußerst direkt vorgeht, zeigt sich Takeda vorsichtiger und  schafft es deshalb zum Beispiel, zur türkischen Familie einen besseren Draht aufzubauen. Über die Ermittlungsarbeit hinweg nähern sich die beiden in ihrer Arbeit an. Ich muss sagen, dass mir selten zwei so tolle Figuren begegnet sind, deren Eigenheiten ich beim Lesen schnell lieben gelernt habe. Anfangs haben die beiden unterschiedliche Sichtweisen, doch gewinnen immer mehr Respekt füreinander und werden zu einem schlagkräftigen Duo.

„Diese Menschen, stellte Takeda fest, jammerten von morgens bis abends, sie kreisten um sich selbst. Niemand ließ  sich aus der Ruhe bringen. Das eigentlich Erstaunliche aber bestand darin, dass sie ihre Aufgaben dennoch vorbildlich erfüllten, und zwar mit großem Pflichtbewusstsein, ja eigentlich sogar mit Freude. Für den Inspektor war das fast das größte Rätsel.“

Siebold, Henrik: Inspektor Takeda und die Toten von Altona, Aufbau Verlag 2016, S.287.

In diesem Zitat zeigt sich, wie die Figuren sprechen und denken. Takeda versucht, die neuen Kolleg:Innen zu verstehen, und doch bleibt ihm vieles ein Rätsel. Ich finde diese Schilderungen aber liebevoll, es entsteht daraus auch ein Humor, der dem Roman sehr gut tut. Der Krimiplot ist von verschiedenen Motiven geprägt. Es geht um gesellschaftlichen Neid, wirtschaftliche Interessen mit politischen Verwicklungen, aber auch um zwischenmenschliche Beziehungen. Henrik Siebold verknüpft dies alles auf geschickte Art und Weise und sein Figurenensemble ist lebendig. Es ergibt sich daraus ein komplexer Kriminalroman, den man mit großer Lust liest. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten die geschilderten kulturellen Unterschiede. Siebold ist ein guter Kenner der japanischen Kultur und schildert die Differenzen sowohl in der Arbeitsmethodik, als auch in Dialogen der Figuren zu den beiden Heimatländern. Die Dialogführungen sind wunderbar, die Figurensprache immer die passende.

Fazit:

Ich kann nach dem Lesen dieses Reihenauftaktes meine Begeisterung fast nicht mehr bremsen. Dies ist einer der besten Kriminalromane, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe. Das Ermittlerteam schafft es sofort, mich in seinen Bann zu ziehen, denn es sind liebenswerte Figuren. Mir gefallen die Eigenheiten, die zugleich kulturelle Unterschiede widerspiegeln, und daraus ergibt sich auch der passende Humor. Der Krimiplot wirkt zunächst nicht spektakulär und entpuppt sich dann als Herausforderung für eine trickreiche Ermittlungsarbeit. Das Motivgeflecht ist äußerst spannend und mir macht es Spaß, mitzurätseln, und der Fall ist bis zum Schluss spannend. Aus meiner Sicht ist dies ein richtig starker Reihenauftakt und ich freue mich auf die weiteren Bände.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧🐧

Titel: Inspektor Takeda und die Toten von Altona

ISBN: 978-3-7466-3213-1

https://www.aufbau-verlage.de/aufbau-taschenbuch/inspektor-takeda-und-die-toten-von-altona/978-3-7466-3213-1

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