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Ich habe mir für das Jahr 2026 zum Ziel gesetzt, weniger Neuerscheinungen zu besprechen, stattdessen aber mindestens eine Erscheinung des aktuellen Monats zu präsentieren. Mein Ziel hierbei ist, dass ich sowohl Aktualität auf meinem Blog gewährleiste als auch mich unabhängig von den jeweiligen Buchsaisons mache. Ein weiteres Ziel sind wieder mehr Kinderbücher, und so soll auch hier mindestens eines jeden Monat dabei sein. Diese beiden Ziele kommen in meinem heutigen Post zusammen. „Mortimers Geheimnis. Ein Kater, zwei Detektive und die Magie des Lesens“ von Rebecca Stead und Wendy Mass ist vor wenigen Tagen im Arena Verlag erschienen. Es handelt sich um ein Kinderabenteuer, welches die Kraft von Büchern ausstellt. Die beiden Autorinnen sind Bestsellergaranten und haben schon verschiedene Literaturpreise erhalten. Empfohlen wird das Buch für Leser:Innen ab neun Jahren, und hier würde ich einschränken: Wenn diese gute Leser:Innen sind, ansonsten wäre meine Empfehlung etwa 1–2 Jahre älter.
Die Geschichte beginnt mit einer Freiluftbibliothek, welche der junge Evan entdeckt. Bewacht wird die in einem Bücherschrank untergebrachte Bibliothek durch einen getigerten Kater. Evan macht dieser Schrank neugierig und er beginnt zu recherchieren, ob es in seiner Stadt einmal eine Bibliothek gegeben hat. Gemeinsam mit seinem besten Freund Rafi untersucht er die Bücher des Schranks und stellt fest, dass diese alle am selben Tag in einer ehemaligen Stadtbibliothek abgegeben wurden. Die weiteren Recherchen bringen zutage, dass die Bibliothek genau an diesem Tag abgebrannt ist. Die beiden Juniordetektive bemerken, dass eines der Bücher durch Evans Vater ausgeliehen worden ist. Allerdings geht sein Vater ihm immer aus dem Weg, wenn er das Gespräch bezüglich der abgebrannten Bibliothek sucht. In Evan keimt der Verdacht auf, dass sein Vater etwas damit zu tun haben könnte. Der Kater und eine ehemalige Bibliotheksmitarbeiterin namens Bea erzählen in Rückblenden von früheren Ereignissen und scheinen beide die Vergangenheit noch nicht verarbeitet zu haben. Es beginnt ein Abenteuer über Erinnerung und die Kraft des Lesens.
„Ein wahrer Bücherwurm ist man, wenn man beim Lesen etwas fühlt.“
Stead/Mass: Mortimers Geheimnis, Arena Verlag 2026, S.74.
Herzstück dieser Kindergeschichte ist die Bibliothek als zentraler Raum, an dem sich Menschen treffen und austauschen können. Durch den Bücherschrank wird an den Verlust des Ortes erinnert und zugleich wird durch die beiden jungen Detektive deutlich, dass Geschichten verbinden können. Die Bibliothek kann zudem Wissen speichern und über verschiedene Generationen hinweg transportieren. Die Detektivgeschichte um die beiden Freunde trägt dieses Buch und ist klug gemacht. Rafi ist mit seinen vorsichtigen Eltern ein Charakter, der auch für den ein oder anderen Lacher sorgt. Evans Beharrlichkeit beeindruckt, aber auch, wie vorsichtig er versucht, sich seinem Vater zu nähern. Die Geschichte zeigt, dass man seinen Kindern Geschehnisse nicht verschweigen sollte, sondern auf ihr Verständnis hoffen kann. Die Botschaft dieser Lesart ist, dass auch Erwachsene Fehler machen dürfen.
„Es stimmt, dass Bea, Edward und Evan kein Wort von Mortimers Ansprache verstanden. Aber sie verstanden die Darbietung. Nicht jede Geschichte braucht Worte.“
Stead/Mass: Mortimers Geheimnis, Arena Verlag 2026, S.238.
Allerdings wird dieser durchaus gelungene Plot durch die Kapitel mit dem Kater Mortimer deutlich geschwächt. Man muss deshalb diesem Zitat widersprechen, denn hier geht die gewählte Stilistik nicht auf. Die Katerperspektive bringt aus meiner Sicht die Geschichte überhaupt nicht voran, verwirrt die kindliche Leserschaft vielleicht sogar. Hier wirkt die Multiperspektive deshalb nicht belebend, sondern bricht Struktur. Die Perspektive hätte es für diesen Roman nicht gebraucht. Die Perspektive der Bibliothekarin hingegen ist wieder gut und passt in die Detektivarbeit der Jungs. Letztere sind zudem Teil einer wunderbaren Freundschaftsgeschichte. Sie befinden sich im letzten Jahr ihrer aktuellen Schulform, stehen vor einem Wechsel, wo viele neue Erfahrungen warten. Der Text geht mit dieser Situation äußerst liebevoll um und setzt auch hier ein Statement für das Einlassen auf die neue Herausforderung. Sprachlich ist das Buch gut zu lesen, wartet nicht mit unnötigen Fremdwörtern auf und trifft in der Figurensprache die Zielgruppe. Die Übersetzung von Ulrike Köbele kann man deshalb nur loben. Trotzdem kann dieser Kinderkrimi nicht auf all seinen Ebenen überzeugen.
Fazit:
„Mortimers Geheimnis“ ist eine Neuerscheinung, deren Klappentext sich spannend angehört hat, deren Umsetzung mich aber nicht gänzlich überzeugen konnte. Die Geschichte rund um eine abgebrannte Bibliothek mit den beiden Juniordetektiven finde ich spannend, doch die hierfür gewählte Erzählweise in der Multiperspektive geht nicht auf. Die Tierfigur wirkt auf mich unnötig, soll dem Text eine kinderfreundliche Note geben, die es nicht gebraucht hätte. Die Perspektive stört eine ansonsten verständliche Handlung, und dies ist schade. Die Themen des Buches sind nämlich richtig interessant, und gerade für eine buchbegeisterte Leserschaft im Kindesalter hätte man deutlich mehr Potenzial aus dem Text schöpfen können. Es bleibt eine spannende Detektivgeschichte, die ihr Versprechen aus dem Klappentext nicht ganz einlösen kann.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧
Titel: Mortimers Geheimnis
ISBN: 978-3-401-60781-8
