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Zum Zeitpunkt in meiner Jugend als meine Western-Begeisterung erwachte waren die Heftromane von Bastei Lübbe eine geschätzte Lektüre. Einen Autor hatte mein Vater mehrfach im heimischen Regal stehen, zumal seine Geschichten auch als Taschenbücher veröffentlicht wurden, die Rede ist von G.F. Unger. Günther Franz Unger wurde im Jahr 1932 geboren und ist 2018 verstorben und hat in seinem Leben mehrere hundert Westerngeschichten geschrieben. Unger hatte eine große Fangemeinde zu der sowohl mein Vater als auch ich zählen. Anlässlich seiner Erfolge legte der Bastei Lübbe Verlag im Jahr 2003 eine Kult-Ausgabe auf, in welcher in Doppelbänden Romane von Unger erschienen sind. Ich möchte in meiner heutigen Rezension den ersten Band dieser Reihe und die beiden darin enthaltenen Westernromane vorstellen.
„Doch ich sage ihnen als alte Frau, dass sie sich eines Tages entscheiden müssen, wohin sie gehören – zu uns Weißen oder zu den Roten.“
Unger, G.F.: Kult-Ausgabe Band 1. Oglala-Winter und Arrow-Brand , Verlag Bastei Lübbe 2003, S.298.
Dieses Zitat aus der Geschichte „Arrow-Brand“ könnte als ein leitendes für beide Geschichten gelten. In der ersten Ausgabe der Kultreihe sind zwei Geschichten versammelt in welchen die Protagonisten mit den Sioux in Freundschaft leben und aufgrund der schwelenden Konflikte mit den weißen Eindringlingen sich entscheiden müssen, auf welcher Seite sie stehen wollen. In „Arrow-Brand“ werden jedoch verschiedene Topoi des Wildwest-Gerne in einem Roman durchlaufen. Al Arrow hat sich zum Ziel gesetzt der erste Rancher in Wyoming zu sein. Dafür setzt er auf ein friedliches Zusammenleben mit den vor Ort lebenden Oglala-Sioux unter ihrem Häuptling Rothorn. Doch als er Waren mit Gold bezahlt, das er per Handel von den Sioux erhalten hat, glauben alle aus der Stadt er habe eine Goldader gefunden. Die Weißen strömen somit weiter ins Land der Ureinwohner:Innen und lassen eine Krieg ausbrechen. Al Arrow muss sich entscheiden und folgt am Ende seiner Hautfarbe. Mittlerweile hat er zudem eine Frau an seiner Seite und will seine Rancherzukunft verteidigen. Doch nicht nur der Konflikt mit den Oglala bedroht dieses Ziel, sondern zugleich taucht eine Bande Revolverhelden auf, welche seine Herde und Ranch stehlen wollen. Arrow ist ebenfalls schnell mit seinem Colt und von einer rauen Art. Letztere ist ein typisches Charakteristikum von Westernhelden. Damit wird das Motiv bedient, dass die Menschen das Land mit seinen rauen Herausforderungen prägt. Der Roman kann diese Topoi auf knapp 200 Seiten bedienen, da Unger einen äußerst knappen Stil pflegt. Als Kenner des Genres habe ich bei den Figuren schnell bekannte Vorlagen aus Verfilmungen als Beispiele im Kopf. Die Dialoge verzichten auf große Gefühle, sollen ebenfalls das raue Leben unterstreichen. Arrow zeichnet ein moralischer Kodex aus, nachdem er jederzeit bereit ist zu handeln und sein Recht notfalls mit Gewalt verteidigt. Begleitet wird er bei seinem Kampf von seinen Angestellten, die in ihm einen loyalen Anführer sehen. Trotz der knappen Ausgestaltung versteht man die Hauptfigur, auch wenn diese wenig Wärme ausstrahlt, wünscht man Arrow den Erfolg.
„Hatte ich alles vergessen? Würde ich Zauberblume zuliebe ein Oglalakrieger bleiben und eines Tages ein Häuptling der Oglala werden?“
Unger, G.F.: Kult-Ausgabe Band 1. Oglala-Winter und Arrow-Brand , Verlag Bastei Lübbe 2003, S.169.
Dieses Zitat spricht der Trapper und Jäger Larry Hogan aus und gibt damit Einblick in seine Geschichte, welche im Roman “Oglala-Winter“ erzählt wird. Hogan kommt zu einem Treffpunkt von Jägern und spielt dort wie im Vorjahr Black Jack. Hogan hat erneut viel Glück, bis ihm ein Kontrahent als Preis eine Siouxsquaw anbietet. Hogan geht auf das Angebot ein, da ihn die Schönheit der Squaw verzaubert. Doch er muss den Sieg mit der Waffe verteidigen. Bei Hogan beginnt ein innerer Kampf ob er sich der weißen Bevölkerung noch zugehörig fühlt. Er entscheidet sich aufgrund der Liebe zu „Zauberblume“ ein Oglala-Krieger zu werden. Sogleich wird er in die Konflikte mit dem US Militär und den weißen Eindringlingen hineingezogen. G.F. Unger verarbeitet in diesem Roman historische Ereignisse. Angeführt von ihrem Häuptling Red Cloud versuchen sich die Sioux gegen das weiße Vorstreben zu erwehren. Red Cloud und seine Krieger inklusive Larry Hogan gehen immer wieder gegen die Soldaten vor und überfallen deren Holztrupps. Nach einem solchen Vorfall wird Captain Fetterman beauftragt die Krieger zu verfolgen, aber nicht zu weit vorzudringen. Der Captain ist jedoch von Rache und Erfolgssucht getrieben und dies führt zu einer erschreckenden Niederlage. Es zeichnet das Werk Ungers aus, dass er bei seinen Romanen gerne historische Themen verarbeitet oder diese zumindest als Vorlage nimmt. Hier ist es eine Begebenheit, die hinsichtlich der weiteren Kriegsführung von einer enormen Bedeutung war. Für mich macht dies einen Reiz der Geschichte aus. Ich lerne historische Begebenheiten gerne über fiktive Romanhandlungen kennen und bin deshalb ein Fan von Unger. Seine Romane zeichnen sich durch präzise Beschreibungen aus, nie ziehen sich die Geschichten in die Länge. Dies können wir ebenso auf die Dialoge innerhalb der Handlungen übertragen. Ungers Stil ist schnörkellos, integriert allerdings manches Klischee. Trotzdem sind die pointierten Romane gutes Unterhaltungswerk und Unger hat mit seinen Geschichten bei mir einen festen Platz im Westernuniversum. „Oglala-Winter“ verschenkt bei der Tiefenpsychologie von Larry Hogan ein wenig Potential, denn der innere Zwist sich zwischen der eigenen Hautfarbe und den Ureinwohnern zu entscheiden wird in wenigen Sequenzen abgehandelt. Die Frauenfigur hat ähnlich wie in der Geschichte „Arrow-Brand“ eine rein formale Funktion. Damit bilden die Romane sicherlich Geschlechtervorstellungen der Vergangenheit ab, fallen aber nicht in literarische Darstellungen unserer Zeit. Dieses Manko nehme ich wahr, sehe aber vor allem die Abbildung historischer Geschlechterverhältnisse als Grund für diese Darstellungsweisen. Ebenfalls sind klischeebehaftete Darstellungen der pointierten Erzählweise dienlich.
Fazit:
Die Vorstellung von G.F. Unger als Autoren ist mir persönlich ein Anliegen. Seine schmalen Romane haben mich in meiner Jugend begleitet und sind fester Bestandteil meines Westernuniversums. Mit dieser Sonderausgabe hat Bastei Lübbe einem bedeutenden Autor von Western eine angemessene Würdigung gegeben. Ich werde auf jeden Fall weitere Romane des Autors besprechen. Ungers Werke sind gut recherchiert und haben einen zielstrebigen Stil, der wunderbare Unterhaltung bietet. Dabei muss man wissen, dass Unger keine tiefenpsychologischen Figurendarstellungen bietet, sondern klassische Westernmotive verarbeitet. Für Western-Fans sind seine Romane jedenfalls eine Freude.
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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧
Titel: G.F. Unger Sonderband 1: Oglala-Winter/Arrow-Brand.
Titel einzeln als E-Book erhältlich
https://www.bastei.de/g.f.unger/a235203
https://www.bastei.de/g.-f.-unger-1973-produktform-ebook-band-1973/a212981
