van der Horst, Lutz: Konfetti-Blues

#bücherliebe #leseliebe #buchblogger #kulturblog #bookstagram #büchertisch #lutzvanderhorst #droemerknaur #konfettiblues

Ich bin seit Jahren begeisterter Zuschauer der heute-Show und schätze auch die dortigen Einlagen von Lutz van der Horst. Auch dies hat sicherlich dazu geführt, dass ich bei einem meiner Buchhandlungsbesuche sein Romandebüt empfohlen bekommen habe. Lutz van der Horst hat seine Karriere in kleineren Comedyformaten begonnen und sich dabei immer als Garant für präzise gesellschaftliche Beobachtungen und Selbstironie erwiesen. Für seine Arbeit hat er mehrere Comedypreise erhalten, und so war ich mir sicher, dass ich mit „Konfetti-Blues“ einen humorvollen Roman als Lesestoff eingepackt habe.

Im Mittelpunkt seines Romans steht Max, ein Comedyautor Ende der Zwanziger, dessen Karriere zurzeit eher mäßige Fortschritte macht. Seine eigene Fernsehsendung wurde abgesetzt, ohne dass man ihm eine Begründung genannt hat, und privat befindet er sich ebenfalls noch auf der Suche nach festem Halt. Max ist bisexuell, hat dies aber seinen Eltern gegenüber noch nicht erklärt. Auch seine Ex-Freundin Tina weiß noch nicht, dass er wegen Gefühlen für ihren Bruder mit ihr Schluss gemacht hat. Mit seinem besten Freund zieht Max durch die Klubs und lernt dabei den geheimnisvollen Yuma kennen, doch auch diese Beziehung entwickelt sich nicht stabil. Beruflich muss er sich mit prekären Jobangeboten der Unterhaltungsindustrie auseinandersetzen. Die Welt von Max entwickelt sich deshalb immer zu einer Welt, bestehend aus Partys mit Drogenkonsum, belanglosen Meetings und peinlichen Auftrittsversuchen. Max’ Wunsch, andere Menschen mit seinem Humor zu begeistern, erschöpft ihn zusehends. Einziger Fixpunkt ist seine Freundschaft zu Markus, der aber keine Abhilfe hinsichtlich des destruktiven Lebensstils darstellt. Max’ verzweifelte Suche nach der eigenen stabilen Identität und dem dazu passenden Umfeld lässt ihn verzweifeln.

„Ich schätze, es wird gar nichts draus werden, weil ich im Prinzip keine Ahnung habe, was Liebe ist und wie sie geht. Die Frage ist nicht, was macht die Liebe, sondern wie macht man sie? Das ist ungefähr das, was ich gerne sagen möchte. Schließlich sind das da vor mir meine Eltern, und sie sollten mir zumindest so nahe sein wie meine Freunde. Realität ist aber, dass sie überhaupt nichts von mir wissen. Nicht einmal, dass ich auch auf Typen stehe.“

Horst, Lutz van der: Konfetti-Blues, Droemer Knaur 2025, S.87.

Der Roman ist eine klassische Selbstentfaltungsgeschichte, wobei man positiv hervorheben muss, dass vor allem die Bisexualität in einer angenehm unaufgeregten Art und Weise behandelt wird und sich nur in den Szenen mit den eigenen Eltern ironische Brüche finden. Queerness ist in diesem Roman normaler Bestandteil unserer Lebenswelt, und dies finde ich beim Lesen äußerst entspannend. Dies ist allerdings einer der wenigen positiven Aspekte, welche ich diesem Buch abgewinnen kann. Die Hauptfigur Max steht stetig im Fokus und doch erkenne ich keine Tiefe in der Figur. Seine Fixierung auf den beruflichen Erfolg und die Sehnsucht nach der romantischen Liebeserfüllung sind stark klischeegeprägt. Natürlich signalisiert der Roman seiner Hauptfigur schlussendlich, dass sie sich vor allem selbst finden muss, statt unsinnigen Erwartungen hinterherzurennen, doch für mich braucht die Figur viel zu lange für geringe Fortschritte. Mit seinem Blick auf die Unterhaltungsbranche liefert Lutz van der Horst sicherlich die Perspektive eines Insiders, doch hier bleibt vieles ebenfalls oberflächlich. Gekonnt finde ich hier nur, dass man tatsächlich deutlich den Eindruck erhält, dass der berufliche Erfolg hier in vielen Aspekten auf reiner Willkür basiert. Der Roman verschenkt bei seiner Hauptfigur und ihrer Sinnkrise zudem das Potenzial, die Diskrepanz zwischen dem Wunsch, andere Menschen zum Lachen zu bringen, und der Sehnsucht, nicht an sich selbst zu verzweifeln. In einem System permanenter Selbstvermarktung ist dies angesichts des entstehenden Drucks nur schwer möglich.

„Es ist nach Mitternacht, und ich bin seit einigen Stunden in einer festen Beziehung mit meiner Couch. Nur das TV-Programm ist unser Zeuge. Ich fühle mich wie langsam verkrustender Käse, mit dem die Polster überbacken wurden, habe mehrere Spielshows und einen sehr deprimierenden Film über zwei krebskranke Schwestern gesehen, die sich in einem einsamen Landhaus das Leben zur Hölle machen, bis sie sich gegenseitig abstechen. Nicht gerade das klassische Feelgood-Movie, aber es ist lange nicht so deprimierend wie der Film, der jetzt beginnt: eine heitere Liebeskomödie mit Hugh Grant.“

Horst, Lutz van der: Konfetti-Blues, Droemer Knaur 2025, S.77.

Der Roman stellt die Unterhaltungsbranche aus, vermeidet aber, dass es zu einer Art Abrechnungsroman kommt, und auch dies ist positiv zu vermerken. Jedoch hätte eine Hauptfigur mit etwas mehr Reife auch andere Kritikpunkte an der Branche transportieren können. Für mich bleiben alle Figuren zu blass und werden meist nur auf ihre Funktion für die Erzählung reduziert. Lutz van der Horst ist keine straffe Dramaturgie gelungen, bestimmte Szenen verbinden sich nicht richtig, wirken nur aneinandergereiht. Für das Leben von Max gibt es zu wenige Herausforderungen, die er meistern muss, sodass der Roman wenig Entwicklung zeigt und dadurch unnötige Längen erhält. Die entstehenden Konflikte sind vorhersehbar und erzeugen in ihrer Dialogführung wenig humorvolle Elemente. Gerade der fehlende oder oftmals nur platte Humor enttäuscht, denn hier hätte man durchaus eine höhere Erwartung gehabt. Die romantischen Schilderungen folgen klassischen Klischeemustern, und so leidet dieser Roman darunter, dass er mich auch nicht überraschen kann.

In meinem Urteil zu diesem Roman bedeutet dies, dass ich der Handlung und ihrer Figuren eine Eindimensionalität zuschreibe, welche mich nicht flüssig durch den Roman kommen lässt. An der ein oder anderen Stelle gibt es etwas zu lachen, und doch kann dies nicht das gesamte Buch tragen. Motive wiederholen sich über den Text zu oft und deshalb greift auch die Mischung aus Tragik und Komik nicht. Sicherlich spielt der Roman mit einer autobiografischen Nähe, doch die erzählten Episoden greifen nicht ineinander und lassen deshalb auch kein Gefühl von Authentizität entstehen.

Fazit:

„Konfetti-Blues“ ist leider eine enttäuschende Lektüre gewesen. Ich hatte mich auf einen Roman mit leichtem Humor und doch pointierten Szenen gefreut. Bedauerlicherweise bleibt der Text gänzlich oberflächlich und es kann nie einen Sog entstehen lassen. Die Schilderungen der Unterhaltungsbranche werden episodenhaft abgearbeitet und auch hier entsteht keine Authentizität. Positiv hervorzuheben ist der Umgang mit Queerness und Bisexualität, denn diese werden als normaler Bestandteil des Lebens der Figuren aufbereitet. Dies war das letzte Buch, welches ich mir auf meinen persönlichen Frühlingstisch gelegt habe, und ich kann es enttäuschenderweise nicht als belebende Lektüre empfehlen.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧

Titel: Konfetti-Blues

ISBN: 978-3-426-56145-4

https://www.droemer-knaur.de/buch/lutz-van-der-horst-konfetti-blues-9783426561454?srsltid=AfmBOooo0FWJ_VC9R83wrkOE8nyy-jGj6suvix76K1aEuj54fepvGV30

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert