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Ich möchte mich auf meinem Blog der bunten Kulturwelt widmen und lege dabei den Fokus weiterhin auf die Literatur. Um diese vielfältige Welt bestmöglich vorzustellen, widme ich mich auf meinem Blog auch Literaturzeitschriften. Heute beginne ich meine Vorstellung mit einer noch relativ jungen Zeitschrift: „DELFI – Zeitschrift für neue Literatur“ erscheint seit dem Herbst 2023 im Ullstein Verlag. Die Zeitschrift versteht sich als Neuaufstellung einer Literaturzeitschrift für unsere Zeit. Darunter versteht das Herausgeberteam die Verbindung klassischer literarischer Gattungen wie Prosa, Lyrik und Drama, mit Essay und Comic. Zweimal jährlich erscheint die Zeitung und widmet sich in jeder Ausgabe einem thematischen Oberbegriff. Herausgegeben wird die Zeitschrift von den Autor:Innen Hengameh Yaghoobifarah und Fatma Aydemir, sowie der Kritikerin und Programmleiterin Miryam Schellbach und dem Journalisten und Autor Enrico Ippoliti. In ihren Ausgaben präsentiert die Zeitschrift die experimentelle Vielfalt unserer Gegenwartsliteratur und veröffentlicht internationale und deutschsprachige Autor:Innen. Bisher sind fünf Ausgaben mit verschiedenen Leitmotiven erschienen.
Die erste Ausgabe widmete sich dem Oberbegriff „Tempel“ und wollte Kultur als symbolischen Ort präsentieren, bei dem Tradition und Spiritualität eine Rolle spielen. Mich konnte diese erste Ausgabe durchaus für sich gewinnen. Ich schätze den Mix der verschiedenen Gattungen, vor allem Prosa, Lyrik und Essayistik finde ich gelungen, auch in der Auswahl der Texte. Weniger interessant sind für mich auf jeden Fall die Comic-Veröffentlichungen. In jeder Ausgabe gibt es zudem ein Interview mit einer Autor:In, und jene gibt zugleich mit einem Foto Einblick in ihr Arbeitszimmer, beziehungsweise ihre Schreibsituation.
In der ersten Ausgabe ist mein Highlight der Prosatext „Mardin Melancholie“ von Deniz Utlu, da dieser Text äußerst klug über Kultur und ihr Verhältnis zu Traditionen nachdenkt. In der zweiten Ausgabe stand „Fleisch“ als Motiv in jedwedem metaphorischen Sinne Pate. Die verschiedenen Texte widmen sich körperlichem Begehren oder anderen körperlichen Erfahrungen bis hin zu räumlichen Vorstellungen. Meine Highlights dieser Ausgabe waren die Lyrik von Athena Farrokhzad „Elegien eines Esels“ und der Prosatext „Unschädliche Lebewesen“ von Sayaka Murata. Schon diese ersten beiden Ausgaben haben mir Lyrik wieder näherbringen können. Ich schätze Gedichte, die äußerst pointiert und reduziert intensive Sprachbilder erschaffen. Die dritte Ausgabe widmet sich dem Motiv „Gift“ und schafft es, dieses Motiv thematisch, aber auch sprachspielerisch zu verarbeiten. Melanie Jame Wolf gelingt dies spannend in ihrem Prosatext „The Mean Well“. Grundsätzlich ist an der Zeitschrift zu loben, dass mit ihr kürzere Texte Aufmerksamkeit erlangen. In Deutschland haben Kurzgeschichten keine große Lobby in Verlagen. In dieser Literaturzeitschrift kann man immer wieder gut geschriebene Essays und kurze literarische Prosaspielereien genießen, die eine hohe Qualität aufweisen. Passend zu diesem experimentellen Gedanken wurde die vierte Ausgabe mit dem Motiv „Spiel“ versehen. Literatur ist in dieser Ausgabe Stifterin von Welt, kann diese aber auch spielerisch manipulieren. Zugleich werden Grenzen des Spiels ausgelotet. Die bisher für mich stärkste Ausgabe ist die im vergangenen Herbst erschienene Ausgabe fünf. Jene widmet sich dem Leitmotiv „Auto“ und perfekt wird dies sogleich im ersten Text „Auto-Biografie“ vielfältig von Jackie Thomae umgesetzt, der für mich sogar der stärkste bisher veröffentlichte Text in dieser Literaturzeitschrift ist. Ebenfalls hervorzuheben ist die tolle Lyrik von Lisa Tracy Michalik. In ihrem Gedicht „liebe x 4“ merkt man, wie eine Autorin auch typografisch Lesefluss und Fokus auf bestimmte Zeilen steuert.
Viele Prosatexte eint, dass sie sich mit Autofiktion auseinandersetzen, in der ersten Person verfasst sind und sie mit essayistischen Aspekten experimentieren. In den Essays wird sich auf einem hohen Reflektionsniveau mit kulturellen und politischen Themen auseinandergesetzt. Die Mischung international bekannter Stimmen wie z. B. Mohammed Mbougar Sarr oder neueren Autor:Innen, die gerade an ihrem ersten Roman schreiben, ist eine wunderbare Balance. Es überrascht, dass diese Zeitschrift zu unserer Zeit gegründet wurde und damit einem Trend des Marktes entgegenwirken möchte. Bewusst möchte die Zeitschrift eine Plattform für neue Autor:Innen und für Experimentelles sein, was auf jeden Fall in den bisherigen Ausgaben eingelöst wurde. Ich finde, dass man der Zeitschrift auch anmerkt, dass sie nicht nur literarische Avantgarde präsentieren, sondern eine breite Leserschaft ansprechen möchte. Ich denke, dass mit einer solchen Zeitschrift auch die ein oder andere Debatte angestoßen werden kann. Ich schätze diese Zeitschrift jedenfalls und freue mich auf die am 26. Februar erscheinende Ausgabe sechs, welche sich dem Leitmotiv „Hype“ widmet.
Mehr Informationen zur Zeitschrift und den bisher erschienenen Ausgaben unter: https://www.ullstein.de/
