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Allgemein

Dziuk, Artur: Das Ting – Rezension

Jede Software hat Fehler. Damals musste man sich mit ihnen aussöhnen, denn Updates gab es kaum. Heute muss man nicht mit Fehlern leben. Programme werden ständig verbessert. Deshalb sind sie nie fertig. Sie befinden sich immer im Test, immer in einer Beta-Phase. Genau das macht das „Ting“ aus uns.

Dziuk, Artur: Das Ting, S.275 dtv 2021.

Eine App, die uns Entscheidungen abnimmt, unsere Gesundheit optimiert und uns stetig zu Selbstverbesserung antreibt. Der Traum vom perfekten Menschen oder doch eher ein Alptraum? Mit dieser Idee eines Navigationssystems für unser Leben werden wir im Debütroman von Artur Dziuk konfrontiert. Beim Lesen sorgt so manche Passage für Gruseleffekte, wenn man realisiert wie tief die technische Hilfe das Leben der Protagonisten durchdringt. Die Geschichte wird aus der Perspektive eben jener Protagonisten erzählt und bringt uns unterschiedliche Charaktere näher. Jede der vier Hauptfiguren geht anders mit den Möglichkeiten der Technik um und so ergeben sich auch nachdenkliche Momente. Der Roman ist spannend zu lesen, bietet auch dramatische Beziehungsmomente und ist eine gelungene kluge Unterhaltungslektüre.

Um was geht es?

Vier junge Menschen aus der IT-Branche gründen gemeinsam ein Start-Up und entwickeln eine App- Diese App, „Ting“ genannt, sammelt körperbezogene Daten und leitet daraus Handlungsempfehlungen ab. Als Testfiguren fungieren die vier Gründer selbst und müssen ab diesem Zeitpunkt erkennen, was die App mit ihnen und ihrem Leben macht. Ist ihre Entwicklung anhand dieser Erfahrungen wirklich die Chance auf ein besseres Leben?

Mein Eindruck vom Buch

Dieses Buch hat mich schon in der Verlagsvorschau neugierig gemacht und auch das Cover finde ich sehr ansprechend. Somit war klar, dass dieses Buch eine meiner Lektüren werden würde. Mit Beginn des Lesens wird man in die Handlung hineingezogen und begleitet einen der Gründer durch ein Assessment Center. Schnell verbinden sich über diese Drucksituation auch die vier Protagonisten miteinander und sehen in ihrem gemeinsamen Wirken eine Chance. Dabei bringen sie unterschiedliche Erwartungen mit und ordnen auch die technischen Risiken different ein. Daraus nimmt die Handlung auch Antriebskräfte. Verstärkt wird dies durch die vier Erzählperspektiven, welche uns die jeweiligen Figuren näher bringen.

Die vier Hauptfiguren wollen den Erfolg ihrer App und verpflichten sich deshalb in ihrer Funktion als Testpersonen alle Empfehlungen des „Ting“ umzusetzen. Sie versuchen ihr Privatleben mit ihren beruflichen Zielen zu vereinbaren, müssen jedoch erkennen, dass es statt einer Vereinbarung mehr einer Verschränkung gleicht. Wir alle kennen Fitness-Apps aus unserem Alltag und müssen diese als Vorreiter, der im Roman präsentierten App betrachten.

Die Auffassung, dass das Glück des Menschen von gesellschaftlichen Strukturen abhängig ist, ist aus der Mode gekommen. Ich klinge pathetisch aber letztendlich bedeutet diese Ideologie die Entmündigung des politischen Subjekts und damit den Tod der Politik. Wieso für gesellschaftliche Veränderungen kämpfen, wenn man selbst der einzige Feind ist […]“

Dziuk, Artur: Das Ting, S.226 dtv 2021.

Diese Passage drückt aus, dass es bei der Akzeptanz des „Ting“ auch um die Akzeptanz einer Ideologie geht. Man muss Dinge aufgeben, wenn man sich diesem Weg stellt. Mit der Weiterentwicklung der App nimmt auch die Handlung an Tempo auf. Die Konflikte für die Protagonisten nehmen zu und es wird immer schwieriger zu entscheiden, ob das „Ting“ eine Empfehlung ausspricht, oder es sich um ein ureigenstes inneres Gefühl handelt. Man liest das Buch wirklich schnell durch, da man sich auf Figuren und Handlung schnell einlässt. Der Roman stellt die App mit ihren Auswirkungen dar und nimmt keine klare Stellung ein. Als Leser setzt man sich mit den Figuren und der App auseinander und kommt so zu eigenen Erkenntnissen. Der flüssige Schreibstil und die überraschenden Momente machen den Roman zu einem wunderschönen Leseereignis, das unterhält und spannend ist.

Werbung aus Liebe zum Buch

Artur Dziuk:

Das Ting

dtv

ISBN: 978-3-423-23025-4

Preis: 10,90€

Das Ting von Artur Dziuk | dtv