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Wunnicke, Christine: Die Dame mit der bemalten Hand – Rezension

„Der Reisende, den wir in den Orient schicken, ist unser Rennpferd. Der Springer auf unserem Schachbrett. Unser Werkzeug, unsere Angel, unsere Linse. Unser Fernrohr ist er! Ich will nicht sagen ‚nur‘ – Es ist ehrenvoll, das Fernrohr eines gut Denkenden, eines genau Studierenden, eines Göttinger Galileo zu sein. Nur hat es schön am Auge zu bleiben. Sie wollen meine Herren, kein Teleskop, das eigenmächtig über den Himmel schwirrt und weiß Gott nicht was anstellt und alles verzettelt. Das ist kein fliegender Teppich! Das ist kein Märchenland! [..]“

Wunnicke, Christine: Die Dame mit der bemalten Hand, S. 25 Berenberg 2020.

Christine Wunnicke gilt als Geheimtipp im deutschen Feuilleton und dieser Roman stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, weshalb er dann auch den Weg zu mir fand. Der Roman berichtet vom historisch realen Kartografen Carsten Niebuhr, der im Roman durch Indien reist und dabei einen persischen Astronomen trifft. Die Beiden tauschen kulturelle Geschichten ihrer Heimat aus, stellen fest wo Barrieren vorhanden sind und woran Verständigung scheitert. Dies geschieht mit einer Portion Humor und doch konnte mich dieser Roman nicht begeistern. Wunnicke traf nicht meinen Geschmack, weder im sprachlichen Ton, noch bei der Gestaltung seiner Geschichte. Für Fans von „Die Vermessung der Welt“ könnte der Roman aber interessant sein, wenn er jedoch aus meiner Sicht einem Vergleich nicht standhalten kann.

Um was geht es?

Der Kartograf Carsten Niebuhr begibt sich um 1764 auf eine Reise nach Arabien und gelangt dabei auch nach Indien. Hier trifft er auf den persischen Astrolabienbauer Meister Musa und gerät in ein Gespräch über Wissenschaft, Religion und Kunst. Es treten Differenzen auf, aber auch freundschaftliche Momente und die SterneNbilder sind Symbolbild so manchem Gesprächsinhaltes.

Mein Eindruck vom Buch

Jedes Jahr versuche ich so viele Bücher wie möglich von der Longlist des Deutschen Buchpreises zu lesen und natürlich bringt dies für mich nicht immer nur Highlights zutage. Christine Wunnicke und ihr Roman waren schon in der Ankündigung kein Werk, dass einen großen Reiz in mir auslöste, dies wurde dann im Leseprozess nochmals unterstrichen. Natürlich hat er ebenfalls gute Textmomente, gerade im humoristisch dargestellten Gelehrtengespräch, aber insgesamt war dies zu wenig, um mich zu begeistern.

Der Roman gibt einen Blick frei auf die Verständigung zwischen unterschiedlicher Kulturen. Wunnicke wählt mit Niebuhr hierfür eine historisch verbürgte Figurengrundlage, die sie dann im Roman fiktional verfremdet. Zwei Kulturen treffen in einem Gespräch aufeinander und dabei wird deutlich, dass man oftmals zu stark von der eigenen Sichtweise geprägt ist. Niebuhr muss zudem von Musa gepflegt werden, weshalb der Roman auch immer wieder mit der Möglichkeit spielt, dass sich alles nur in Fieberträumen Niebuhrs abspielt. Das Gespräch kann unterhalten, da die beiden Figuren sich mit einer Spur Gelassenheit begegnen und man deshalb auch automatisch über die ein oder andere Äußerung schmunzeln muss. Doch wenn die Botschaft des Textes sich auf die Schwierigkeiten kulturellen Austauschs beziehen soll, dann ist mir die Gestaltung zu oberflächlich. Niebuhrs Forschungsdrang sich auch den Bibelstellen wissenschaftlich zu nähern, wird zu wenig in den Vordergrund gerückt, denn hier hätten mehr Reizpunkte gesetzt werden können. Nur eines zeigt der Text klar und deutlich, es gibt weder den „einen Okzident“, noch den „einen Orient“.

Für Leser*Innen die einen schmalen Roman suchen, der an „Die Vermessung der Welt“ erinnert, dem sei dieses Buch empfohlen, wobei der Vergleich nicht standhalten kann.

Werbung aus Liebe zum Buch

Christine Wunnicke:

Die Dame mit der bemalten Hand

Berenberg

ISBN: 978-3-946334-76-7

Preis: 22,00€

Christine Wunnicke: Die Dame mit der bemalten Hand – Berenberg Verlag (berenberg-verlag.de)