Busse, Tanja: Das Sterben der anderen – Rezension

Das Artensterben ernst nehmen

Heute ist Weltumwelttag, ein Tag, an dem wir uns alle an die Schönheit der Natur erinnern sollten, ein Tag an dem wir unseren Lebensmitteln besonderen Respekt entgegen bringen sollten. Ein Tag an dem wir uns nochmals deutlich machen sollten, dass wir dankbar für das Leben auf diesem Planeten sein sollten, aber deshalb auch seine Grenzen respektieren müssen.

All das sind Dinge, die in meinem Leben lange Zeit keine Rolle gespielt haben. Aufgewachsen in einer Welt des Überflusses habe ich mir darüber wenig Gedanken gemacht. Erst durch Veranstaltungen, Kontakt zu Naturschützern und vor allem durchs Lesen habe ich begonnen mich für den Naturschutz zu interessieren. Ein besonderes Buch aus dem Jahr 2019 möchte ich heute auf meinem Blog vorstellen. Ein Buch, dass bei meinem zweiten Hobby dazu geführt hat, dass ich mich politisch nun im Umweltbereich engagiere. Geschrieben hat dieses Buch Tanja Busse, die in „Das Sterben der anderen“ eine eindrückliche Botschaft aussendet: Wir müssen etwas für den Artenschutz machen und so darf es nicht weitergehen. Anschaulich erklärt die Autorin, wie lange das Problem ignoriert wurde, wie bedrohlich die Situation ist und berichtet von erfolgreichen Projekten, aber auch den Problemen unserer politischen Rahmenbedingungen.

Mein Eindruck vom Buch:

Schon nach meinen einleitenden Worten wird jedem klar sein, dass mich dieses Buch beeindruckt hat. Ausgangspunkt der Arbeit ist die Frage „Mama, was ist das für ein Geräusch?“, von Tanja Busses Sohn, weil er noch nie eine Heuschrecke zirpen gehört hat. Es entsteht ein Alarmgefühl, da man den nachkommenden Generationen nicht erklären möchte, warum es so und so viele Tiere nicht mehr geben wird. Die Autorin beginnt zu recherchieren und berichtet davon, wie lange die Probleme der Biodiversität ignoriert wurden. Als Problem wird dabei vor allem unsere Art des Wirtschaftens identifiziert. Ebenfalls keine neue Erkenntnis, aber je öfter man über die Ignoranz der Wissenschaftler liest, desto erschreckender blickt man auf die Vergangenheit zurück.

Beeindruckt haben mich ihre Schilderungen über den Entomologischen Verein Krefeld, der mit Beobachtungen über das Insektensterben die Welt wachrüttelte, aber gegen viele Hindernisse antreten musste. Als „Hobbybeobachter“ verunglimpft, wollte ihre beeindruckende Studie über das Sterben der Arten nicht jeder ernst nehmen. Nur die „wahre Wissenschaft“ könne hier Antworten liefern und tat es dann im Anschluss auch. Der Anstoß waren jedoch die Entomologen aus Krefeld und mittlerweile sollte uns allen bewusst werden, dass wir Zeugen eines Massensterbens sind.

Reise durch die Herausforderungen

Busse bereist die Republik, führt Gespräche und sucht vor allem nicht irgendwelche Einzelschuldigen, sondern die Verantwortung in unserem Zusammenleben, unseren gesellschaftlichen Strukturen und unserem politischen System. Sie kritisiert Medien für ihre Berichterstattung, die lange Zeit das Problem nicht ernst genommen haben und auch keinen Raum für positive Beispiele für Maßnahmen für den Klimaschutz oder die Biodiversität bieten. Tanja Busse gibt Landwirten die Möglichkeit, sich in ihrem Buch zu erklären. Deutlich wird der Druck auf die Lebensmittelproduktion, da wir als Konsumenten uns auch nicht an regionale Verfügbarkeiten gewöhnen wollen und auch das Fleisch immer schön günstig sein soll. Zudem weist sie die Schwächen von Subventionssystemen nach, die vor allem große landwirtschaftliche Betriebe bevorzugen, den mangelnden Schutz für Biobauern und macht deutlich, dass Naturschutzverbände und Landwirtschaft gemeinsam agieren müssen, um etwas zu erreichen.  

Der Schutz, den unser Rechtssystem ihnen gewährt, muss so weit reichen wie die Gefährdung, die wir ihnen zumuten.

Busse, Tanja: Das Sterben der anderen, S.374 Blessing Verlag 1. Auflage 2019.

Dieses Zitat vom Ende des Buches geht darauf ein, dass wir in unserer Art des Lebens sehr wenig Rücksicht auf die Rechte anderer Arten nehmen. Tanja Busse plädiert dafür, dass wir endlich begreifen, dass durch das Sterben der „Anderen“ auch unser eigenes Biosystem bedroht ist. Wir können nicht weiter ohne Rücksicht auf dieses Massensterben leben und müssen uns vom Gedanken lösen, dass wir die Natur domestizieren und kontrollieren können. Wir stehen nicht über unserer Umwelt, sondern sind Teil eines gesamten Biosystems. Es braucht eine Gesellschaft die bereit ist, solidarisch die Herausforderungen der Zukunft zu gestalten und auch so zu finanzieren, dass wir nicht mehr auf Kosten anderer leben. Es geht um den Naturschutz weltweit und nicht nur hierzulande und dabei sollten wir niemanden abhängen. Die Lösungen sollten nicht genmanipulierte Ernährungsvorhaben sein, sondern eine Rückbesinnung darauf, dass wir auf eine funktionierende Natur angewiesen sind.

Mein Fazit dieses Buches ist, dass ich ein Sachbuch gelesen habe, dass verständlich und eindrucksvoll über das Sterben der Arten berichtet. Die Autorin hat gut recherchiert, umfassende Quellenangaben machen weitere Lektüren möglich. Stärke ist ganz klar, dass sie uns alle zur Verantwortung aufruft und nicht einzelne Schuldige sucht. Es ist zu simpel nur Landwirtschaft oder Politik für schuldig zu erklären, sondern wir alle müssen mit unserem Verhalten helfen. Eine Patentlösung bietet sie nicht an, räumt aber auch mit dem Urteil auf, nur hier vor Ort könne man nichts bewegen. Nein, genau in kommunalen Lösungen kann ein Zukunftsweg liegen. All dies wird anhand von Beispiel und eigenen Recherchen untermauert und so entsteht ein Sachbuch zum Mitdenken und Mitwirken und genau solche Bücher bereichern den Sachbuchmarkt.

Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

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Tanja Busse:

Das Sterben der anderen

Blessing Verlag

ISBN: 978-3-89667-592-7

Preis: 18,00€

Tanja Busse: Das Sterben der anderen. Blessing Verlag (Paperback ) (penguinrandomhouse.de)