Sustala, Lukas: Zu spät zur Party – Rezension

Und bei Partys wie im echten Leben gilt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Aus „Unsere Kinder sollen es einmal besser haben“ wurde „Unseren Kindern soll einmal etwas übrig bleiben“.

Sustala, Lukas: Zu spät zur Party, S.11 Ecowin 2020.

Mit diesem Zitat wird schnell deutlich, dass Lukas Sustala sich dem Thema Generationengerechtigkeit annimmt. Seine These ist, dass die jungen Geburtengene-rationen ab Mitte der 80er zu den Benachteiligten unserer Gesellschaft gehören. Sustala ist Ökonom und zeigt auf, wie diese Generationen schlechter dotierte Arbeitsverträge unterschreiben, während die Lebenshaltungskosten steigen. Für mich sind diese Ansätze nicht neu, aber trotzdem ist es kein großes gesellschaftspolitisches Thema. Dies wird wohl auch Sustalas Buch nicht ändern, da es zu wenig Resonanz erhielt, vielleicht auch wegen der Corona-Krise. Das Buch ist so geschrieben, dass es für eine breite Leserschaft verständlich ist, kratzt aber deshalb auch bei einigen Themen nur an der Oberfläche und bietet wenig Lösungsansätze. Wer sich allerdings in das Thema einlesen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen.

Um was geht es?

Der Ökonom Lukas Sustala arbeitet die These aus, dass die Generationen, die ab den 2000ern ins Berufsleben eingestiegen sind, die ökonomisch benachteiligten Generationen sind. Das Buch wurde vor der Corona-Krise fertiggestellt und geht deshalb von der letzten großen vorherigen ökonomischen Krise, der Finanzkrise aus. Anhand der Bereiche Arbeitsmarkt, Wohnraum, Klima und Bildung werden Hintergründe von Benachteiligungen gezeigt und das dies auch mit dem Handeln der Vorgängergenerationen in Verbindung steht. Nach Sustala ist es zwingend geboten, dass sich diesen Problemen politisch angenommen wird und die jüngeren Generationen ihre Bedürfnisse stärker in die Debatten einbringen.

Mein Eindruck vom Buch

Ich habe dieses Buch als Tipp aus dem Spiegel entnommen und das Thema interessiert mich sowieso schon seit Jahren. Die These von Sustala wird von diesem anschaulich anhand von Statistiken vorgestellt. Damit sind seine Ansätze nur schwer argumentativ auszuräumen. Aus meinem eigenen Berufsleben weiß ich um die Gehaltsentwicklung und natürlich auch die Situation auf dem Wohnungsmarkt. Sustala bestreitet nicht, dass wir in einer hochentwickelten Gesellschaft leben und es Fortschritte gegeben hat. Er möchte aber darauf hinweisen, dass all dies auf einer Fortschrittsnarration beruht, die sich nun ökonomisch für die Jüngeren nicht mehr einstellt. Zwar haben die Betroffenen einen besseren Bildungsabschluss, dies führt aber nicht mehr zwingend zum gesellschaftlichen Aufstieg. Familien zu gründen und Eigentum zu erwirtschaften, werden immer schwerer und darauf macht dieses Buch aufmerksam. Für den Autoren liegt der Grund in der demografischen Entwicklung unserer Gesellschaft. Der Großteil der Wählerschaft ist älter und die Parteien würden sich auf deren Bedürfnisse fokussieren. Sustala will dieses Problem dadurch beheben, dass er Familien mit Kindern einen höheren Stimmenanteil verschaffen will, diese also für ihre Kinder zusätzliche Stimmen erhalten. Für mich ist dieser Ansatz alleine etwas zu wenig, denn es braucht mehr um die dargelegten Probleme anzugehen. Um generationengerechtes Handeln zu gewährleisten, braucht es auch mehr Verständnis der Generationen untereinander. Das Buch ist wichtig, seine Thesen sollten stärker im Fokus politischer Entscheidungen stehen, aber mehr Lösungsansätze hätten es noch besser gemacht.

Folglich gebe ich auch keine uneingeschränkte Empfehlung aus, sondern empfehle es als Lektüre für alle, die sich erstmalig mit dem Thema beschäftigen wollen. Grundsätzlich wird dieses Thema uns nach der Corona-Pandemie sicherlich noch präsenter als Problem vor Augen treten.

Werbung aus Liebe zum Buch

Lukas Sustala:

Zu spät zur Party

Ecowin

ISBN: 9783711002358

Preis: 20,00€

Ecowin