Jestin, Victor: Hitze – Rezension

Victor Jestin erzählt in seinem Buch „Hitze“ von einem 17-Jährigen der Familienurlaub auf einem Campingplatz an der Atlantikküste verbringt. Ständig mit Erwartungen an ihn als Heranwachsenden konfrontiert, versucht der junge Mann diesen zu entgehen und seinen eigenen Weg zu finden. Die drückende Sommerhitze und ein tragisches Ereignis erschweren diese Suche deutlich.

Die Sommerhitze setzt uns allen sicherlich zu, zumal die Möglichkeiten sich im kalten Nass zu erholen aufgrund der Corona-Pandemie eingeschränkt sind. Der ideale Zeitpunkt um sich einem Roman mit dem Titel „Hitze“ zu widmen. Victor Jestin ist für seinen Roman in Frankreich gelobt worden und so gibt es einige Gründe für meinen Griff ins Regal.

Um was geht es?

Der 17-jährige Leonard verbringt den Sommerurlaub mit seiner Familie auf einem Campingplatz an der französischen Atlantikküste. Dabei wird er mit den Wünschen und Träumen von Gleichaltrigen konfrontiert und versucht seine Position zu finden. Am Abend vor der Abreise wird er Zeuge wie ein anderer Junge sich mit den Seilen einer Schaukel stranguliert. Doch statt sich als Zeuge zu erkennen zu geben, vergräbt er den Toten in den Dünen und schweigt. Dieses Geheimnis und die daraus resultierenden Gedanken lassen ihn unstetig über den Platz streifen und stellen ihn vor weitere Probleme beim Finden seiner Rolle.

Mein Eindruck vom Buch

Diese Erzählung nimmt die Hitze des geschilderten Handlungsortes auf und präsentiert uns die drückende Sonne mit der engen Gedankenwelt eines Teenagers. Leonard möchte diesen Urlaub nicht genießen, stört sich an den Plänen der Familie, bricht aber auch nicht in die Welt der anderen Teenager aus. Victor Jestin charakterisiert ihn als Außenstehenden, der nicht weiß wie er Mädchen begegnen möchte, aber auch statt Popmusik lieber Wagner hört. Es bleibt vollkommen unklar, was sich Leonard von sich und seinem Leben wünscht. Und vielleicht ist es genau diese Erkenntnis, die diesen Roman prägt und die Schwierigkeiten des Lebens von Heranwachsenden ausstellt. Immer von Erwartungen begleitet, scheint Leonard nicht der Raum zur Verfügung zu stehen sich selbst zu entfalten. Es ist sein Zeugendasein und seine nicht rationale Handlung, die ihn zum handelnden Charakter macht. Indem er sich selbst ein Geheimnis verschafft präsentiert er seine Eigenständigkeit. Dies ist durchaus gelungen dargestellt und hat auch meine Lesemotivation hochgehalten. Allerdings bleibt viel Interpretationsspielraum, denn die Figuren in „Hitze“ erfüllen entweder wie Leonards Eltern klare Rollen oder bleiben für mich als Leser*In nicht greifbar. Die Pubertät muss einem mit Abstand auf die eigene geblickt,, als belanglos vorkommen. Zumindest zeigt Jestin Pubertierende, die sich große Ereignisse vorstellen und dann doch nur das normale Leben kennenlernen. Ich empfinde dies als Erzählung aus der Sicht eines 17-Jährigen als zu wenig komplex und höre immer wieder die Stimme des doch deutlich älteren Autoren. Dies schmälert die Konzeption des Textes und enttäuscht dann auch die Erwartungen wenn man sich aus dem Selbstmord des anderen Jungen noch Impulse erwartet. Sprachlich schlicht und damit sich dem Inhalt anpassend, ist der Text trotzdem angenehm zu lesen. Außerdem sind es gerade meine geschilderten Erkenntnisse, die mich nun zum Nachdenken anregen und mich nochmal in die Zeit der Pubertät versetzen. Für drückende Sommertage ist es auf jeden Fall eine Lektüreidee.

Victor Jestin:

Hitze

Kein und Aber

ISBN: 978-3-0369-5828-6

Preis: 20,00€

https://keinundaber.ch/de/literary-work/hitze/