Winkler, Philipp: HOOL – Rezension

Ausgrenzungen mit Gewaltfantasien

Was für ein Debütroman, dass muss man ehrlich sagen, wenn man diese Geschichte über den Hooligan Heiko gelesen hat. Philipp Winkler hat mit seinem Erstling zurecht den Aspekte Literaturpreis gewonnen. Meine Begeisterung hat auch nichts damit zu tun, dass ich Fußballfan bin. Denn wer glaubt, es geht in diesem Buch um das runde Leder, ist an der falschen Adresse. Es geht gezielt um Hooligans und dies sind Personen, die bei öffentlichen Veranstaltungen durch Randale und gezielte gewaltbereite Übergriffe auffallen. Oft davon gehört und doch nie ernsthaft damit auseinandergesetzt, begegne ich dem Roman deshalb zunächst auch abweisend. Will ich wirklich von einer Welt lesen, die durch Gewalt geprägt ist? Doch der Roman versucht nicht zu bewerten, sondern auszustellen und in dieser Art der Darstellung liegt dann auch das Können des Autors.

Um was geht es ?

Heiko bewegt sich inmitten einer Hooligan-Gruppe und hat somit zum Hobby, dass man sich zum Prügeln verabredet. Man vereinbart Treffen und einem Wettkampf gleich wird sich miteinander gemessen. In verschiedenen Strängen bekommen wir dann noch seine Familiengeschichte erzählt.

Mein Eindruck vom Buch

Also sicherlich ist dies kein Roman für jedermann, zu hart und brutal erscheint die dargestellte Welt, die sich an einigen Stellen auch jeglicher Nachvollziehbarkeit entzieht. Mich hat dieses Buch aufgewühlt, aber auch gebannt. Hauptfigur Heiko ist aus der Zeit gefallen, nicht aus unserer, sondern der Zeit seiner Freunde. Während jeder sich um ihn weiterentwickelte, bleibt er in einer Gruppe verhaftet, die ihm Halt zu bieten scheint. Die gebrochene Familiengeschichte hat ihn schnell zum Außenseiter werden lassen. Zugehörigkeit entsteht durch die Identifikation mit seinem Fußballverein Hannover 96, der schlussendlich jedoch nur Vehikel dafür ist, sich mit einer Gruppe gegen andere zu behaupten, unabhängig von sportlichen Resultaten des Vereins. Man findet diese Figur nie sympathisch, aber man versucht sie zu ergründen und möchte sie nicht so einfach aufgeben. Nicht vielen Romanen gelingt es, bei mir einen solchen Eindruck zu hinterlassen. Die ungezügelte Brutalität bei den Prügeleien schreckt durchaus ab, auch wenn es einen ungeschriebenen Codex zu geben scheint. Referenzen an „Fight Club“ werden deutlich und doch ist dies nochmals eine ganz besondere andere Welt. Das Absurde und Abstoßende wird von Winkler durch den Roman getragen, bis zu einem Tiger der in einer Grube gehalten wird. Denn Heiko hat auch noch Kontakt zu Armin, der illegale Tierwettkämpfe organisiert. Dies alles begeistert mich in der Darstellung und ich kann mich an diesen Eigenartigkeiten erfreuen. Die Verknüpfung der unterschiedlichen Zeitebenen gelingt Winkler spielend und so stört nichts und man folgt dem Erzählten. Man möchte diesem sonderbaren Leben einfach gerne länger folgen.

Die Sprache zeigt sich als den Figuren angemessen und erweitert die Figuren in ihrer Tiefe, ein Talent, dass nicht allen Autoren gegeben ist. Winkler zögert nicht die hohe Sprache zu verweigern und sich auf seine Figuren einzulassen. Auch wenn Heiko an allem zweifelt, sind es die Worte der Figur und nicht jene des beobachtenden Autors. An diesen Stellen entsteht fast Zuneigung, die jedoch ganz schnell wieder eingerissen wird. Und so hält der Roman die Waage zwischen Verstehen und Entsetzen über das Geschilderte. Die kurze, aber doch deutliche Sprache gibt dem Roman zudem an den richtigen Stellen das gewisse Erzähltempo.

Zusammenfassend kann ich dieses Buch allen empfehlen, die gerne den etwas härteren Tonfall in der Literatur mögen und sich für Außenseitergeschichten interessieren. Dieser Roman fesselt einen auf eine ganz besondere Art und Weise und es ist ein wunderbares Debüt.

Wertung: 🐧🐧🐧🐧

Unbezahlte Werbung aus Liebe zum Buch

Philipp Winkler:

Hool

Aufbau Verlag

ISBN: 978-3-7466-3395-4

Preis: 12,00€

Hool (aufbau-verlag.de)