Kittlitz, Alard von: Sonder

Mit „Sonder“ führt Alard von Kittlitz die Popliteratur ins digitale Zeitalter. Produktdesigner Peter bewegt sich zwischen globaler Kreativbranche, Selbstoptimierung, künstlicher Intelligenz und der Suche nach Identität. Besonders spannend ist die Darstellung einer Arbeitswelt, in der Kreativität zur Ware wird. Sprachlich präzise und gedankenreich, bleibt mir der Roman emotional jedoch etwas zu distanziert.

Randt, Leif : Let’s talk about feelings

Mit „Let’s Talk About Feelings“ zeigt Leif Randt erneut, warum er zu den wichtigsten Autoren der deutschsprachigen Popliteratur zählt. Im Mittelpunkt stehen Identität, Beziehungen, Mode und die Suche nach emotionaler Authentizität. Sprachlich präzise und gesellschaftlich hochaktuell erzählt Randt von einer Generation zwischen Selbstoptimierung, Ästhetik und dem Wunsch nach echter Nähe.

Ehlert, Sascha: Palo Santo

Sascha Ehlerts Debütroman „Palo Santo“ verbindet Liebesgeschichte, Hollywood-Mythos und politische Gegenwartsanalyse. Zwischen Berlin und Los Angeles suchen die Figuren Golo und Hedi nach Orientierung in einer verunsichernden Zeit. Mit zahlreichen Film- und Popkulturreferenzen erzählt Ehlert von Sehnsucht, Freiheit und den Grenzen kultureller Träume. Ein spannender Beitrag zur aktuellen Popliteratur.

Pieper, Tim: Die Mündung

Mit „Die Mündung“ verbindet Tim Pieper einen Serienkillerthriller mit psychologischer Spannung und einer atmosphärischen Nordseekulisse. Die traumatisierte Ermittlerin Lena Funk gerät bei ihren Nachforschungen immer tiefer in ein Netz aus Erinnerungen, Geheimnissen und Zweifeln. Trotz einiger überladener Passagen und blasser Nebenfiguren überzeugt der Roman vor allem durch seine düstere Stimmung und die starke Hauptfigur.

van der Horst, Lutz: Konfetti-Blues

Mit „Konfetti-Blues“ legt Lutz van der Horst sein Romandebüt vor. Die Geschichte um den orientierungslosen Comedyautor Max behandelt Identität, Beziehungen und den Druck der Unterhaltungsbranche. Positiv hervorzuheben ist der selbstverständliche Umgang mit Queerness und Bisexualität. Insgesamt blieben mir Figuren, Handlung und Humor jedoch zu oberflächlich, um wirklich zu überzeugen.

Schröder, Steffen : Der ewige Tanz

Steffen Schröders „Der ewige Tanz“ erzählt das Leben der Tänzerin Anita Berber als poetisches Porträt einer schillernden und zugleich zerbrechlichen Künstlerin der Weimarer Republik. In fragmentarischen Rückblicken entsteht das Bild einer Frau zwischen Freiheit, Selbstinszenierung und Selbstzerstörung. Sprachlich eindrucksvoll, atmosphärisch dicht und mit großem Sog erzählt – für mich eine klare Leseempfehlung.

Meinecke, Thomas: Odenwald

„Odenwald“ verbindet Popkultur, Philosophie und wissenschaftliche Theorie zu einem literarischen Sampling aus Zitaten und Diskursen. Statt klassischer Handlung entstehen neue Bedeutungen durch Textmontagen und intertextuelle Verweise. Der Roman ist anspruchsvoll, sperrig und klar kein Mainstream, überzeugt aber als faszinierendes Denkexperiment zwischen Literatur, Theorie und Pop.

Brodesser-Akner, Taffy: Die Fletchers von Long Island

„Die Fletchers von Long Island“ erzählt von einer wohlhabenden jüdisch-amerikanischen Familie, deren Reichtum, Traumata und Selbsttäuschungen langsam auseinanderbrechen. Mit viel Ironie, pointiertem Humor und emotionaler Tiefe verbindet Taffy Brodesser-Akner Familiengeschichte und Gesellschaftskritik. Ein kluger, zeitdiagnostischer Roman über Angst, Identität und den brüchigen Traum vom sicheren Leben.

Schamoni, Rocko: Sternstunden der Bedeutungslosigkeit

„Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ erzählt weniger eine klassische Geschichte als den Zustand moderner Orientierungslosigkeit. Michael Sonntag bewegt sich zwischen Konsumwelt, Kneipen, Selbstzweifeln und Passivität. Mit Ironie, Humor und scharfer Gesellschaftskritik zeichnet Rocko Schamoni ein Bild innerer Leere – stark in seiner Zeitdiagnose, wenn auch nicht ohne erzählerische Schwächen.

Klupp, Thomas : Paradiso

Thomas Klupps „Paradiso“ verbindet Roadtrip, Erinnerungsreise und Popliteratur. Filmstudent Alex Böhm reist zurück in die Oberpfalz und wird mit seiner Vergangenheit, seinen Lügen und seiner Bindungsunfähigkeit konfrontiert. Der Roman überzeugt durch ironischen Ton, sprachliche Dynamik und einen ambivalenten Protagonisten, der zugleich fasziniert und abstößt.