Schimmelbusch, Alexander: Karma

In Karma von Alexander Schimmelbusch führt die Handlung ins Jahr 2033: Ein mächtiger Tech-Konzern prägt Gesellschaft und Alltag. Nach dem Ruhestand suchen ehemalige Manager nach Sinn und Identität in einer hochvernetzten Welt. Der Roman verbindet Zukunftsvision mit Gesellschaftskritik – sprachlich stark, in Struktur und Figuren jedoch nicht immer vollständig überzeugend.

Geiger, Arno: Reise nach Laredo

Auf der Frankfurter Buchmesse 2024 entdeckte ich Arno Geigers „Reise nach Laredo“. Der Roman zeigt Kaiser Karl V. nach seiner Abdankung als kranken, zweifelnden Menschen auf einer existenziellen Reise zu sich selbst. Sprachlich eindrucksvoll und philosophisch tiefgehend, aber sehr ruhig erzählt. Trotz literarischer Qualität konnte mich die Handlung nicht ganz fesseln – insgesamt eine durchschnittliche Leseerfahrung.

Müllensiefen, Domenico: Schnall dich an, es geht los

Schnall dich an, es geht los von Domenico Müllensiefen erzählt eindringlich vom Leben eines jungen Mannes in einem ostdeutschen Dorf zwischen Stillstand, Verlust und Hoffnung. Aus der Ich-Perspektive entsteht ein schonungsloses Bild von Perspektivlosigkeit und Heimatverbundenheit. Sprachlich stark, emotional nah und gesellschaftlich relevant – ein beeindruckender Roman über Gegenwart und Herkunft.

Nickel, Eckhart: Punk

Eckhart Nickels Roman „Punk“ (Piper Verlag, 2024) erzählt von einer Punkband als kulturellem Widerstand gegen den mysteriösen „weißen Lärm“. Satirisch, popkulturell und gesellschaftskritisch zeigt Nickel, wie Musik, Rebellion und kulturelle Tiefe bedroht werden. Ideenreich und ästhetisch spannend, bleibt die Figurenentwicklung jedoch etwas flach.

Hedman, Johanna: Das Trio

Drei Freund:innen, zwei Sommer, viele unausgesprochene Gefühle: „Das Trio“ erzählt feinfühlig von Nähe, Begehren, sozialer Herkunft und der Suche nach Identität. Stilistisch stark und emotional dicht, aber ohne großen erzählerischen Knall. Ein ruhiger Roman über Freundschaft und das Unvermögen, sich wirklich festzulegen.

Gräfe, Daniel: Wir waren Kometen

„Wir waren Kometen“ von Daniel Gräfe erzählt von einer großen Liebe und einer Reise in die Vergangenheit. Nach einem Anruf seiner früheren Partnerin Luba begibt sich Lukas auf einen Roadtrip nach Rumänien, der zur Suche nach Identität, Herkunft und Freiheit wird. Poetisch, intensiv und ambitioniert – ein beachtenswertes Debüt mit kleinen erzählerischen Schwächen.

Messner, Ricarda: Wo der Name wohnt

Ricarda Messners Debütroman Wo der Name wohnt (2025) bildet den Abschluss meines Büchertischs. Die Ich-Erzählerin erforscht nach dem Tod der Großmutter ihre Familiengeschichte und den verlorenen jüdischen Namen Levitanus. In einer dichten, autofiktionalen Sprache verknüpft der Roman Erinnerungen, Herkunft und Identität. Besonders überzeugend ist das Haus der Großeltern als Symbol für Heimat und Geschichte.

Aber, Aria: Good Girl

Aria Abers Debütroman Good Girl (2025) erzählt intensiv von der 19-jährigen Nila, Tochter afghanischer Geflüchteter in Berlin, die ihrer Herkunft entfliehen will. In einer rohen Ich-Perspektive schildert der Roman Identitätssuche, Wut, Drogenrausch und eine toxische Beziehung. Mit hohem Tempo und drastischer Sprache zeigt Aber die Schattenseiten von Zugehörigkeit und Selbstverleugnung.