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Berger, Wolfgang: Weisser Vater – Rezension

Die Vorgeschichte des großen Apatschen-Lehrmeisters

Wie immer wenn ich die Ankündigungen des Karl May Verlages durchsehe und ein neuer Roman angekündigt wird, geht es sofort auf den Bestellbutton. Wolfgang Berger schreibt mit „Weißer Vater“ die Vorgeschichte zu einer prägenden Figur aus dem Band „Winnetou I“, nämlich Klekih-Petra. Der berühmte Schulmeister der Apatschen, der einen nicht geringen Beitrag dazu leistet, dass Old Shatterhand und Winnetou Blutsbrüder werden. Ich finde grundsätzlich Nachfolgeromane anderer Autoren spannend, die sich Vorgeschichten zu schon bekannten Personen überlegen. Auf diese Weise erweitert sich der Kosmos eines Autoren, einer Autorin und setzt somit Werke miteinander in Dialog. Dies geschieht auch bei diesem Roman ähnlich zu den neuen Büchern von Reinhard Marheinecke, die ich sehr schätze.

Um was geht es?

Der Roman erzählt die Vorgeschichte von Klekih-Petra und wie dieser aus Deutschland nach Amerika kommt. Ausgangspunkt sind revolutionäre Zustände in der Deutschen Heimat, welche ihn vor polizeilicher Verfolgung auf einen Aussiedlerdampfer flüchten lassen. Dort scheint sich ein neues Leben als Hausangestellter anzubahnen, der sich um die Bildung von Kindern kümmert. Schnell nimmt die Erzählung Fahrt auf und lässt ihn die Gefahren des Westens kennenlernen. Parallel verläuft die Geschichte des Apachen-Häuptlings Intschu-Tschuna, dessen Frau entführt wird. Der Häuptling macht sich auf die Verfolgungsjagd. Es deutet sich an, dass die jeweiligen Abenteuer die Beiden zusammenführen könnten, doch wird daraus auch eine innige Freundschaft entstehen?

Mein Eindruck vom Buch

Wolfgang Berger hat sich eine tolle Handlung überlegt. Die wenigen Angaben zur möglichen Vorgeschichte von Klekih-Petra aus „Winnetou I“ werden von ihm aufgegriffen und in seine Erzählung eingearbeitet. Die Handlungselemente, die in Deutschland spielen, geben allerdings wenig Hintergründe zu den politischen Geschehnissen und so bleiben die Motive des jungen deutschen Revolutionärs etwas unklar.
Die anschließenden Geschehnisse auf dem Schiff sind allerdings sehr schön geschrieben und es wird deutlich, warum sich Menschen, die zuvor noch auf unterschiedlichen Seiten standen, schnell zu einer Gemeinschaft zusammenfinden. Die individuelle Möglichkeit der Entfaltung wird genutzt, um sich zu einer Gruppe zusammenzufinden, die sich neue Chancen erarbeiten wollen. Wolfgang Berger zeichnet seine Figuren durchaus im Sinne des Maysters. Ebenfalls werden Parallelen zur späteren Geschichte des Greenhorns „Old Shatterhand“ verarbeitet, die eine logische Grundlage aufbereiten, welche die starke und schnelle spätere Zuneigung vorbereiten. Mit der Ankunft in Amerika werden schon angelegte Handlungsstränge konsequent verwoben und so entsteht schnell eine spannende Reiseerzählung. Die Figuren entwickeln sich und aus dem jungen Revolutionär wird auf diesem Wege ein verantwortungsbewusster und mutiger Akteur. Die Parallelhandlung um Intschu-Tschuna setzt später im Buch ein. Hier fehlt mir etwas der May’sche Ton bei der Beschreibung des edlen Kriegers. Zudem werden die beiden parallel laufenden Handlungen gegen Ende hin deutlich kürzer geschildert, um sie zusammenzuführen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Autor den entscheidenden Handlungssequenzen etwas mehr Raum gegeben hätte. Wir lernen Winnetous Mutter kennen, die als starke und edle Frau in Gefangenschaft gerät. Die Handlung läuft darauf zu uns zu erklären, wie Klekih-Petra als Deutscher Aussiedler über diese Abenteuer zu den Apatschen kam. Allerdings wird nie deutlich, wie er zum Lehrmeister werden konnte. Es geht somit nur darum, dass aufgezeigt wird, wie er und Intschu-Tschuna sich kennenlernen. Die Geschichte ist aber spannend und gut überlegt. Somit bleibt man bis zum Schluss dabei.

Auch andere Figuren ähneln in ihrer Beschreibung jenen von Karl May. Allerdings fehlen Bergers Roman, die für die großen May-Klassiker bekannten Landschaftsbeschreibungen. Zudem sind an einigen Stellen durchaus auch kleinere Fehler zu finden, welche der Qualität des Romans natürlich etwas schaden. Als Leser der Marheinecke Romane vergleiche ich dieses Werk natürlich auch damit und muss durchaus einen qualitativen Unterschied zu Gunsten von Marheinecke feststellen. Man kann argumentieren, dass es einen anderen Ton braucht, da nicht Old Shatterhand als Erzähler fungiert und doch vermisst man bestimmte Elemente. Gerade humorvolle Elemente hätten die Geschichte an bestimmten Stellen weiter gestärkt.

Abschließend kann ich den Roman den großen May-Fans natürlich wieder nur als Lektüre empfehlen. Allerdings ist es kein Buch, für jemanden, der durchaus schon einmal Karl May gelesen hat und nun Lust auf etwas Neues hat.


Wertung: 🐧🐧🐧

Werbung aus Liebe zum Buch

Wolfgang Berger:

Weisser Vater

Karl May Verlag

ISBN: 978-3-7802-0134-8

Preis: 24,00€

Karl-May-Verlag – Weißer Vater