Bei meinen Ausflugsplanungen spielen Burgen eine besondere Rolle. Schon als Kind konnten mich diese steinernen Relikte aus der Vergangenheit begeistern. Dies hat sich dann über mein Geschichtsstudium hinaus bis heute gehalten. Burg Hornberg wird in vielen Berichten als gelungener Reisetipp angesehen, da die Anlage noch sehr gut erhalten und malerisch gelegen ist. Erst bei der näheren Beschäftigung mit diesem Reiseziel bin ich auf den berühmten Burgbewohner Götz von Berlichingen gestoßen. Mit dieser Kombination war dann auch der Kulturausflug für den Blog geplant.

Schon von weitem ist die Burganlage zu bestaunen

Die Burganlage liegt in der Nähe von Neckarzimmern und ist etwa 70m breit und 170m lang.  Eine bewegte Geschichte prägt die Burg, verschiedenste Bewohner trugen Konflikte um die Burg herum aus und doch ist die Anlage sehr gut erhalten. Die Türme mit den roten Dächern sind schon von weitem zu erkennen. Unterhalb der Burganlage kann heute Weinanbau betrachtet und das Ergebnis dann sogleich im Museumsshop erworben werden. Von den Türmen herab genießt man eine tolle Aussicht auf das Neckargebiet.

Der Burgturm bietet einen wunderbaren Ausblick

Die Bauabschnitte der Burgherren Schott und von Berlichingen sind bei der Begehung der Burg klar zu erkennen. Die beiden Wohnabschnitte sind markiert und wenn man sich die fehlenden Gebäudeteile hinzu denkt, kann man sich die damaligen Lebensumstände gut vorstellen. Die verschiedenen Teile zu entdecken macht viel Spaß und bieten sicherlich auch Kindern die nötige Action.

Blick auf die Burganlage

Götz von Berlichingen kaufte die Burg für 6.500 Gulden 1517 von Konrad Schott. Auch im Jahre 1525 soll sich der berühmte Ritter auf der Burg befunden haben. Damals suchten ihn aufständische Bauern auf, die einen kriegserfahrenen Anführer wünschten. Von Berlichingen behauptete im Nachgang sich auf diesen Vorschlag nur eingelassen zu haben, damit er seine Familie beschützen konnte. Dieser historische Hintergrund findet sich dann auch im berühmten Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe.

Die erhaltene Rüstung des berühmten Burgbewohners

Das Schauspiel zählt zu den bedeutendsten Werken des Sturm und Drang. Goethe überschritt mit der Gestaltung klassische Grenzen, löste Einheit von Ort, Zeit und Handlung auf. Dies ließ er mit seiner Heldenfigur korrespondieren. Götz von Berlichingen versucht durch sein Fehderecht Unabhängigkeit zu erlangen und versucht alte ritterliche Ehrenkodexe zu retten. Als Bauernführer verlangt er auf unnötige Gewalt zu verzichten. Daran wird sich jedoch nicht gehalten und der Ritter muss erkennen, dass sein Streben nur zu Enttäuschungen führt. Die alten Werte verlieren gegenüber neuen aufziehenden Machtstrukturen und so stirbt von Berlichingen zum Ende des Stücks auch mit der Erkenntnis, dass seine gewohnte Freiheit nicht zu erreichen war. Die Gestaltung des Titelhelden weist auch auf die Machtverhältnisse der Entstehungszeit. Goethe kommentiert damit auch diese Veränderungen. Sich gegen solche Veränderungen zu erwehren, bringt aber auch die Schwierigkeit mit sich, dass man bestimmte Tugenden nicht retten kann, solange sie nicht von einer gesellschaftlichen Mehrheit getragen werden können.

Mit der Lektüre im Kopf erhält der berühmte Burgbewohner klare Umrisse und man sieht ihn förmlich auf der Festungsanlage stehen und auf die vor den Burgtoren stehenden Feinde blicken. Natürlich ist die Burganlage aber auch ohne diese Lektüre einen Familienbesuch wert. Schnell wird bei diesem Besuch Geschichte lebendig.

Johan Wolfgang von Goethe:

Götz von Berlichingen

Reclam Verlag

ISBN: 978-3-15-000071-7

Preis: 2,60€

https://www.reclam.de/detail/978-3-15-000071-7/Goethe__Johann_Wolfgang/Goetz_von_Berlichingen_mit_der_eisernen_Hand

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