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Veranstaltung Literaturm 01.07.2022: Senthuran Varatharajah – Hunger

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Diese Veranstaltung landete vor allem wegen des ursprünglich geplanten Moderators Christian Metz auf meiner Veranstaltungsliste. Kurzfristig musste dieser noch ersetzt werden und so übernahm der Lektor von Senthuran Varatharajah Albert Henrichs die Moderation. In einem solchen Gespräch besteht immer die Gefahr, dass die beiden Protagonisten sich zu gut kennen und somit kein richtiges Gespräch aufkommt. Diese Gefahr umschiffen die Beiden aber an diesem Abend gekonnt. Für mich war der Abend ungemein wichtig, denn ich erhoffte mir Klarheiten zum Buch, dessen Lektüre mich doch etwas ratlos zurück ließ. Ich nehme vorweg, dass dieser Abend durchaus das ein oder andere Fragezeichen beantwortete. Allerdings hat der Abend auch neue Herausforderungen gebracht. Der Roman beginnt mit Zeilen über das Vergessen, denn es soll eine Trennung verarbeitet werden. Doch das Erzählen der Geschehnisse, die man vergessen soll, ist dann Kernstück des Romans. Der Autor präsentiert sich an diesem Abend als eine Person, die über den Dingen zu stehen scheint. Sein innigster Wunsch ist es, Literatur jenseits des Erzählten zu präsentieren. Der Roman sucht in seiner Struktur die Grenzen der Gattung aufzubrechen, er bricht in Handlung oder Satztechnik den eigenen Text auf. Damit ist er prädestiniert für ein Literaturfestival, welches sich dem Motto „Risse“ verschrieben hat. Varatharajah gibt spannende Gedanken preis, wenn er erläutert, dass der Mensch den man liebt eigentlich immer zu weit entfernt bleiben muss, da man nie miteinander verschmelzen kann. Die körperliche Hülle fungiert somit als Grenze und genau dies erzeugt Spannung zur Sprache des Begehrens, die durchaus kannibalistische Züge trägt. Diese Gedanken leuchten ein, auch die Einsamkeit die sich in mancher Situation der Begierde ausdrückt. Aus dieser Einsamkeit heraus kann sich natürlich eine Überinterpretation ergeben, wie man sie vielleicht beim Kannibalen von Rothenburg findet.

Verwirrend wird der Abend als der Autor anfängt religiöse Verknüpfungen zum eigenen Werk in Form seines Aufbaus und in Parallelen zum Gebet sucht. Danach äußert der Autor, dass Drogenkonsum Notwendigkeit bei seiner literarischen Produktion gewesen ist. Von nun an präsentiert sich der Autor als eigene Kunstfigur, die in ihren Äußerungen allerlei Vorbilder aufgreift. In der Wahl seiner sprachlichen Mittel drückt sich der Wunsch nach Unmittelbarkeit aus. Zudem soll es sein letzter Roman gewesen sein. Zukünftig stehe die Lyrik im Mittelpunkt seines Schaffens, weil diese sich besser eignet. Das Poetische soll in seinem Werk das Prophetische treffen erläutert Varatharajah und diese Mystifikation des eigenen Werkes empfinde ich als störend. Im Gesagten drückt sich für mich keine Konsistenz aus, weder im Auftreten, noch erkenne ich ein Funktionieren innerhalb des gelesenen Werkes. Man soll mich nicht falsch verstehen. Ich habe einen spannenden Abend verbracht, aber dem Autor ist es nicht gelungen, sich bei mir als konsistenter Werkproduzent zu präsentieren. Ich empfehle den Roman jedem, der sich an diesem Sprachspiel und all seinen Finessen erfreuen kann, alle anderen werden wenig Spaß an diesem Buch haben.

Rezension zum Buch findet sich unter:

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