Clavadetscher, Martina: Die Erfindung des Ungehorsams – Rezension

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„Die Erfindung des Ungehorsams“ von Martina Clavadetscher im Unionsverlag, verbindet drei Frauengeschichten und umkreist die Konstruktion des eigenen Daseins. In New York erzählt uns Iris von ihrer Halbschwester Ling, die in einer Sexpuppenfabrik arbeitet und dort die Qualitätskontrolle übernimmt. Und dann erfahren wir von Ada, einer begabten Mathematikerin, die dies aber als Frau nicht öffentlich ausleben darf. Diese Geschichten im Roman markieren in ihrer Konstruktion das eigene Gemacht-Sein und verbinden dies mit den produzierten Sexpuppen. Dieser Roman spielt mit seiner Bedeutungsvielfalt und findet dafür einen lyrischen Sprachstil.

Alles andere wird zur Nebensache.

Clavadetscher, Martina: Die Erfindung des Ungehorsams, 2021, Unionsverlag, S.10.

Kann die Suche nach einem Selbst jemals enden? Und sind uns historische Personen in ihren korrekten Rollen übermittelt worden? In einer verschachtelten Geschichte entführt uns Martina Clavadetscher in eine Sexpuppenfabrik. Die Qualitätskontrolleurin Ling prüft dort die produzierten weiblichen Körper auf ihre Korrektheit, bis sie für ein Projekt befördert wird und dabei helfen soll die künstliche Intelligenz der Puppen weiterzuentwickeln. Hier macht der Roman das Spielfeld auf zwischen Kontrollierbarkeit von Algorithmen und eigenem Lernen, verbunden auch mit der Hoffnung übermenschliche Hilfe erhalten zu können. Doch das Scheitern dringt immer ein und versetzt Ling in Einsamkeit. Um sich dieser zu entziehen hat sie sich ebenfalls eine Puppe besorgt, jedoch ohne Kopf und so bleibt dieser Körper immer künstlich. Über allem schwebt die Geschichte der Urmutter und dies ist Ada Lovelace. Sie, die Tochter des Dichters Lord Byron, gilt als erste Programmiererin der Weltgeschichte und musste nur aufgrund ihres Geschlechtes lange unerwähnt bleiben. Und doch sind es die Handlungen, welche Folgen erbringen und nicht das Erfüllen vorgeschriebener Rollen. All dies bündelt der Roman in einer Geschichte, die keine Gewissheiten zulässt, Fragen stellt, aber das Handeln in den Vordergrund rückt. Das Ungehorsame ist das Handeln, das Abstreifen von Erwartungen. Hierfür findet Clavadetscher eine intensive Sprache, die in Teilen lyrische Stilistik präsentiert und pointierte Bilder findet, die man vorher so noch nicht gelesen hat.

Nie ist der Roman deutlich bei den vorgestellten drei Frauen und ihren Rollen. Haben wir es mit künstlicher Intelligenz zu tun, sind diese Frauen revolutionär, oder verweigert nur der Text ihnen ihre Rolle? Clavadetscher gelingt dies in einer Sammlung von Sprachbildern, die treffende Bilder findet und auch ekelhaft erscheinendes in eine ästhetisch erfahrbare Schönheit packt. Dies ist ein Roman, der uns den Fortschrittsgedanken präsentiert und dabei Risiken streift, ohne je eine abschließende Entscheidung zu treffen.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧

Martina Clavadetscher:

Die Erfindung des Ungehorsams

ISBN: 978-3293005655

Preis: 22,00€

http://www.unionsverlag.com/info/title.asp?title_id=8391

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