Franzobel: Das Floss der Medusa – Rezension

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„Das Floss der Medusa“ von Franzobel aus dem Paul Zsolnay Verlag, erzählt uns die grausame Geschichte einer Schiffskatastrophe von 1816. Ein französischer Schiffskonvoi befindet sich auf dem Weg nach Westafrika, ein Teil davon die Fregatte Méduse. Doch das Schiff wird nie ankommen, sondern auf einer Sandbank landen. Da nicht genügend Boote zur Rettung vorhanden sind, trifft der Kapitän die Entscheidung ein Floss bauen zu lassen. Auf dem zurückgelassenen Floss beginnt ein knallharter Kampf ums Überleben. Nur 15 Menschen werden diese Reise überleben. Der Roman erzählt die Grausamkeit, die sich in dieser Notsituation unter den Reisenden zeigt. Franzobel schildert dies mit Hilfe eines auktorialen Erzählers und spart nicht an Brutalität bei seiner Erzählung. Ein Roman, der einem keine angenehmen und erheiternden Lesemomente beschert, sondern in die Abgründe des Kampfes ums Überleben führt.

Dreimal nein ist Donnerstag, und der 18. Juli des Jahres 1816 war ein herrlicher Donnerstag.

Franzobel: Das Floss der Medusa, 2017, Paul Zsolnay Verlag, S.7.

Bei dieser Lektüre kann sich einem der Magen durchaus an der ein oder anderen Stelle umdrehen. Franzobel spart in seinen Schilderungen nichts aus. Es ist eine menschliche Katastrophe, die sich hier 1816 abgespielt hat. Ein überforderter Kapitän sorgt dafür, dass die Fregatte auf einer Sandbank landet und entscheidet dann einen Teil der Passagiere auf einem Floss zurückzulassen. 10 Tage treibt dieses manövrierunfähig auf offener See, die Lebensmittelknappheit führt zu Kannibalismus und nur 15 Menschen überleben. Ein historisches Ereignis, welches vor Augen führt, zu was Menschen in der Lage sind. Die Katastrophe sorgte in ganz Europa für Aufmerksamkeit und wurde schon von anderen Künstlern und Literaten verarbeitet. Franzobel entscheidet sich dies in auktorialer Erzählweise zu präsentieren. So sprechen nicht die Figuren zu uns, sondern die Erzählstimme möchte die Geschehnisse rückblickend einordnen und spart nicht an Kommentaren. Für mich glückt dieses Konstrukt nicht ganz. Die Figuren werden von Anfang an, durch die erzählende Stimme in eine bestimmte Rolle gedrückt. Der Kapitän erhält ein vernichtendes Urteil, wird zur Karikatur eines Offiziers. Die anwesenden Familien werden nach klassischen „alten Rollenmustern“ präsentiert und die kleineren zwischenmenschlichen Episode sind auf Grausamkeiten verbaler und physischer Art ausgerichtet. Natürlich ist das historische Ereignis der Hohn menschlicher Solidarität, aber die Art und Weise wirkt doch äußerst plakativ. Die Schilderungen lassen Ekel aufsteigen, die Vergangenheit als dreckiges Moloch sichtbar werden. An manchen Stellen ausschweifend, aber immer auch so bildgewaltig, dass man sich all dies bildlich vorstellen kann.

Ein historischer Roman über ein grausames Ereignis erfordert viel Recherchearbeit. Die auktoriale Erzählweise könnte das Geschehene aus seinem historischen Rahmen reißen, doch das geschieht nicht. Stattdessen wird das Vergangene abgesondert und zum  dreckigen Blick zurück. So verliert die Geschichte leider an zeitloser Dramatik und die ausschweifenden Schilderungen über die Passagiere schaffen unnötige Längen. Ich denke, dass in dieser Thematik durchaus mehr Potential gesteckt hätte.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧1/2🐧

Franzobel:

Das Floss der Medusa

ISBN: 978- 3552058163

Preis: 26,00€

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/das-floss-der-medusa/978-3-552-05816-3/

Oder als Taschenbuch

ISBN: 978-3442717194

Preis: 12,00€

https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Das-Floss-der-Medusa/Franzobel/btb/e530792.rhd

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