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Marheinecke, Reinhard: Skorpion und Klapperschlange – Rezension

„Skorpion und Klapperschlange“ überzeugt mich bei der Weiterführung des Karl May Kosmos. Das neue Abenteuer mit meinen Kindheitshelden lässt den Wilden Westen mit all seinen Gefahren sofort wieder lebendig werden.

Für einen Karl May Verrückten wie mich ist die Ankündigung eines neuen Winnetou-Abenteuers per se ein Highlight. Reinhard Marheinecke war mir als Autor aus meinen Jugendtagen ein Begriff und so stand für mich fest, dass dieses neue Abenteuer zur Startphase meines Blogs gehören muss.

Um was geht es?

Jeff Robinson reist durch den Wilden Westen und verfolgt den Mörder seines Bruders, bis er in die Fängen der feindlichen Kiowas landet. Aus dieser Gefangenschaft befreien ihn die Blutsbrüder Winnetou und Old Shatterhand. Die Beiden bieten dem jungen Mann an, ihm bei seiner Suche zu helfen und haben auch schnell eine ernsthafte Spur. Die Suche bringt gefährliche Herausforderungen und auch die Begegnungen alter Bekannter. Werden die Blutsbrüder der Gerechtigkeit erneut zum Sieg verhelfen?

Meine Einschätzung zum Buch

Reinhard Marheinecke war mir von seinen Fortsetzungsromanen der Roten Reihe bekannt, auf die man mich bei einem Besuch der Karl May Festspiele in Bad Segeberg aufmerksam gemacht hatte. Die Ankündigung das der neue Roman im Karl May Verlag im Stil der grünen Reihe erscheinen würde, sorgte bei mir für große Freude. Endlich wieder mit bekannten Helden in die eigene Kindheit reisen und das mit einem neuen Abenteuer – der Roman weckte Erwartungen.

Marheinecke orientiert sich in seinem Werk an Figuren und Mustern, welche aus dem Karl May Kosmos bekannt sind. Er übernimmt die Erzählperspektive und neue Figuren orientieren sich am Stil des Erfinders der Blutsbrüder. Reiseerzählung und Abenteuer verbinden sich zu einem klassischen Abenteuerroman und die Erwartungen werden erfüllt. Zudem setzt Marheinecke eigene Akzente und gibt fundiert recherchierte Erläuterungen zum historischen Hintergrund oder den Ureinwohnern Nordamerikas. Ansonsten gelingt es ihm den Ton des „Maysters“ zu integrieren und auch Motive wie den Kampf auf Leben und Tod als Handlungsmotor zu nutzen.

Für mich hätte dieses Buch gerne noch etwas länger sein dürfen, zumal dann der Auftritt von „Bloody-Fox“ als Jäger im Llano Estacado größer ausfallen hätte können. Reinhard Marheinecke ist wieder eine tolle Fortführung der Abenteuer von Winnetou und Old Shatterhand gelungen. Auf diese Wiese wird der klassische Abenteurroman aktualisiert und der Roman ist ein Muss für alle Karl May Fans.

Coververwendung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Reinhard Marheinecke:

Skorpion und Klapperschlange

Karl May Verlag

ISBN: 978-3-7802-0132-4

Preis: 22,00€

https://www.karl-may.de/Buecher/Sonderb%C3%A4nde_Skorpion-und-Klapperschlange

Autoreninterview Reinhard Marheinecke

Aufgrund der Absage der Leipziger Buchmesse konnte ich nicht an der Lesung von Marheinecke teilnehmen. Reinhard Marheinecke war jedoch so nett, mir einige Fragen per Mail zu beantworten.

Herr Marheinecke, für viele May Fans war es immer ein Traum die Geschichten Ihrer Helden weiterzuführen. Sie haben sich diesen Traum erfüllt. Wie beschreiben Sie denn Ihre Verbindung zu Karl May und wie sind Sie auf die Idee gekommen den Kosmos fortzuführen?

Ich bin zweigleisig fast gleichzeitig zu Karl May gekommen. Unser Kaplan war glühender Karl-May-Fan, so bekamen wir Messdiener zu Weihnachten jeder ein karl May Buch geschenkt. Das war erst ein Flop, denn ich bekam „Der Mahdi“. Ich kam in die Geschichte nicht rein, wusste ja als kleiner Steppke nicht, dass es Teil 2 einer Trilogie war. Dann bekam ich „Winnetou I“ in die Hände und dann war es um mich geschehen. Als 9-Jähriger durfte ich dann endlich im Kino auch „Winnetou II“ und „Unter Geiern“ sehen, was meine Begeisterung noch anfachte.

Ich war 28 Jahre als Kabarettist beim „Kabarett Die Kneifer“ aktiv, damit war ich jedes 2. Wochenende in deutschen Landen unterwegs, was meine beiden Kinder oft nicht erfreute, liebten sie doch, wenn ich abends im Bett Geschichten erzählte. Als kleinen Ersatz las ich dann ausgedachte Geschichten in meinem 8-Spur Tonstudio auf Kassetten ein. Bei einem Gespräch mit einem Buchhändler diskutierten wir darüber, warum es bei allen großen Figuren der Belletristik Weiterschreiber gäbe, siehe Sherlock  Holmes, James Bond, Star Wars etc. Nur bei Deutschlands berühmtesten Schriftsteller gab es so etwas nicht. So habe ich „Die Jagd des Old Shatterhand“ geschrieben und dann für meine Kinder auf 7 Kassetten aufgenommen, sodass bei jedem meiner Tour-Abwesenheiten meine Frau eine Kassette zücken konnte. Da die Arbeit nun mal gemacht war, ließ ich 150 Bücher drucken, die ich zu den Karl-May-Spielen  in Bad Segeberg einem Buchhändler anbot. Die Bücher waren nach kurzer Zeit vergriffen, das erforderte einen Nachdruck und spornte mich an weiterzumachen.

Ihr neuer Roman ist nun im Karl May Verlag erschienen, wie kam es zu dieser Verbindung?

Die Verbindung gibt es schon seit fast 25 Jahren. Im Karl-May-Verlag wurde auch mein Buch „Karl May am Kalkberg“, das ich mit Nicolas Finke geschrieben habe, 199 veröffentlicht. Es folgten dann 2001 und 2004 Ergänzungsbroschüren. Außerdem vertreibt der Karl-May-Verlag in seinem Shop meine Pastiche Romane und andere Bücher, die den „Wilden Westen“ zum Thema haben. Zum 25. Jährigen Fan-Fiction-Jubiläum fragte ich dann Bernhard Schmid an, ob der Karl-May-Verlag meinen 47. Roman mit den Helden Karl Mays nicht veröffentlichen wolle.

Der Karl May Kosmos umfasst neben Büchern noch viele weitere Medien wie u.a. Hörspiele oder Verfilmungen. Waren Sie auch in diesem Bereich schon tätig oder könnten Sie sich fortstellen, dass ihre Geschichten weitere Verbreitung finden?

Natürlich gibt es alle meine Bücher auch als ebook und eine ganze Reihe auch als Hörbuch, alle von mir selbst eingelesen. Zu Hörspielen oder Verfilmungen ist es noch nicht gekommen. Nach dem Flop von RTL vor 4 Jahren wird sich wohl so schnell auch keiner mehr filmisch an Karl May herantrauen, weil das finanzielle Risiko wohl einfach zu groß ist. 

Abschließend würde ich gerne noch wissen, was Karl May Fans in naher Zukunft von Ihnen erwarten dürfen?

Der Erfolg von „Skorpion und Klapperschlange“ war so groß, dass mein neuer Roman „Die Tramps vom Kansas River“ in gleicher Ausstattung dieses Jahr noch im Karl-May-Verlag erscheinen wird. Außerdem schreibe ich mit Nicolas Finke ein dreibändiges Werk „Karl May auf der Bühne“. Es geht um alle Inszenierungen weltweit, der erste Band erscheint im Herbst.

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