Der Traum einer Ruhe in Abgeschiedenheit als Illusion – Stricker, Sven: Sörensen hat Angst

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Im Restart meines Blogs habe ich deutlich gemacht, dass sich im Hinblick auf Präsentation und Auswahl einiges ändern wird. Eine der Neuerungen ist, dass ich auch Reihen als solche präsentieren möchte. Dies wird nicht immer innerhalb eines Posts erfolgen, aber insgesamt werdet ihr die Reihen gebündelt finden. Zudem möchte ich Euch daran teilhaben lassen, wie ich zu meiner Buchauswahl komme. Im heutigen Post stelle ich Euch den Autor Sven Stricker mit seiner Krimireihe um den Ermittler Sörensen vor. Einigen ist die Reihe sicherlich durch die Verfilmung mit Bjarne Mädel ein Begriff. Mich hat Sven Stricker allerdings mit seinem sympathischen Auftritt bei den diesjährigen Krimitagen in Darmstadt begeistert und auf diesem Weg dafür gesorgt, dass seine Reihe komplett den Weg in mein Bücherregal gefunden hat. Überhaupt waren die Krimitage für mich ein tolles Erlebnis und so sind sie ab jetzt fest in meinem Terminplan verankert.

„Die Luft war schlecht. Geben Sie mir ein Tatmotiv, und der Deal gilt“, sagte Sörensen und ekelte sich vor sich selbst. Aber was hatte er auch erwartet? Das Spiel des Lebens hörte ja nicht auf, nur weil er auf dem Spielbrett das Feld wechselte.

Sven Stricker: Sörensen hat Angst, 2022, Rowohlt Verlag, S.230.

Flucht aufs Land vor Vergangenheit und Stress

Der Roman zieht einen mit den ersten Seiten direkt in die Handlung ein, da wir aus der Opferperspektive mitten in eine Verfolgungsjagd hineingezogen werden. Insgesamt wählt Antonia Fehrenbach gerne das Mittel der internen Fokalisierung, die Kapitel geben an, welcher Figur wir nun folgen. Eine kleine Schwäche ist, dass es über das gesamte Buch hinweg etwas zu viele Figurenperspektiven werden. Fehrenbach schickt jedoch tolle Ermittlerfiguren ins Rennen, denen sie durch die verschiedenen Perspektiven eine gute psychologische Tiefe gibt. Mit viel Mühe wird die Polizeiarbeit äußerst plastisch dargestellt. Dies alles bindet sich wunderbar in den Spannungsaufbau der Handlung ein. Die Ermittler suchen nach Nele Peters, einem Mädchen das nach einer Party nicht nach Hause zurückgekehrt ist. Kriminalkommissar Steffen Hinrichs befürchtet, dass in Bad Segeberg ein Serienmörder erneut zugeschlagen hat. Schließlich verschwanden in den vergangenen Jahren immer wieder junge Mädchen aus  dem Umfeld von Karl May Festspielen in Deutschland. Er bindet die Kollegen des LKA aus Kiel ein, denn die Ermittlungen sind alles andere als einfach.

Die Hauptfigur der Reihe ist Kriminalhauptkommissar Sörensen, welcher sich nach Trennung von Frau und Kind aus Hamburg in das ostfriesische Dorf Katenbüll versetzen lässt. Verbunden ist dieser Wechsel mit der Hoffnung Ruhe zu finden, denn Sörensen leidet unter einer Angststörung, die seine Arbeit durchaus belastet. Zunächst wirkt Katenbüll wie ein trauriger und trister Ort. Kurz nach seiner Ankunft ist es um die Ruhe jedoch geschehen, denn der Bürgermeister wird tot in einem Pferdestall gefunden. Alle Indizien zeigen schnell, dass es sich um einen Mord handelt. Schnell wird aus dem Dorf ein von Geheimnissen durchzogener Ort. Die enge Dorfgemeinschaft entpuppt sich nicht nur als Hort von Vertrauen, sondern erschwert auch die Ermittlungen.

Sven Stricker ist mit der Figur Sörensen ein ganz besonderer Typ gelungen. Am Lesungsabend verriet Stricker, dass er bei der Gestaltung der Hauptfigur an den mit ihm befreundeten Schauspieler Bjarne Mädel gedacht hat. Die beiden haben schon erfolgreich im Hörbuchbereich zusammengearbeitet. Ich muss gestehen, wenn man um diese Idee weiß, dann passt Bjarne Mädel perfekt zur Hauptfigur. Das eingangs präsentierte Zitat charakterisiert für mich Sörensen passend. Immer wieder trifft er Entscheidungen, die sich durchaus mit der eigenen Moral streiten. Zugleich werden die eigenen Zweifel immer wieder in Bezug zu Ironie gesetzt. Ich schätze die Figur über den Roman hinweg immer mehr, nicht unterschätzen darf man im Ensemble die liebevollen Polizist:Innen aus Katenbüll. Der teilweise lakonisch daherkommende Tonfall unterstützt die Bilder, die man sich im Kopf von diesem erfundenen ostfriesischen Ort macht. Die Grundatmosphäre des Romans lässt einen nicht los, man ist gespannt, wie die Figuren ihre Beziehungen gestalten werden und ebenso steigert Stricker kontinuierlich die Spannung der Ermittlungsgeschichte. An einigen Stellen musste ich auch lachen, da Sörensen bestimmte Dinge immer wieder passend, mit einer Spur Humor pointiert kommentiert. Die Handlungsstränge verbinden sich zu einer gelungenen Struktur und offenbaren eine Dorfstruktur, durchdrungen von politischer Korruption, zeugen aber auch von einer Verschwiegenheit über Geschehnisse, die nicht sein dürfen. Der flüssige Schreibstil und der starke Fokus auf Sörensen lassen einen den Text entspannt lesen und zum Ende hin, habe ich das Buch, ohne dass die Spannung mich bis ins Höchste kitzelte, nicht mehr weglegen können.

Fazit

Mit diesem ersten Band der Reihe führt Sven Stricker eine ganz spezielle Ermittlerfigur in die deutsche Krimilandschaft ein. Sörensen ist ein Antiheld, in den man sich verlieben muss und gerne der lakonischen Stimmung des Romans folgt. Spannend offenbart sich zudem eine friesische Dorfstruktur, die Abgründe offenbart, die erst durch den Neuling offengelegt werden können. Dieser Reihenauftakt ist gelungen und macht einen mit liebevoll gestalteten Figuren bekannt, ohne dabei Spannungsmomente zu verlieren.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧🐧

Sven Stricker: Sörensen hat Angst

ISBN: 978-3-499-271188-2

https://www.rowohlt.de/buch/sven-stricker-soerensen-hat-angst-9783499271182

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