Engberg, Katrine: Das Nest – Rezension

Beschließen möchte ich das Jahr 2021 nochmals mit meiner Krimi-Entdeckung dieses Jahres und dem neuesten Teil der Kopenhagen-Reihe um das Ermittlerteam Korner/Werner. Schon die ersten drei Teile hatten mir so gut gefallen, dass ich darauf hoffte, dass es noch weitere Fälle geben würde. Meine Wünsche wurden erhört und so darf ich das Jahr mit diesem Buchtipp beenden. Im neuen Teil geht es um einen verschwundenen Teenager. Das Ermittlerteam muss herausfinden, ob der Junge wirklich entführt wurde, oder ob er nur von zu Hause weggelaufen ist. Auch für letzteres gibt es Hinweise. Doch dann wird eine Leiche in der Kopenhagener Müllverbrennungsanlage entdeckt und die gesamte Geschichte nimmt nochmals einen anderen Verlauf. „Das Nest“ von Katrine Engberg ist wieder im Diogenes Verlag erschienen.

Ermittlerteam mit Tiefgang

Die beiden Ermittlerfiguren sind mir über die ersten drei Teile schon ans Herz gewachsen. Sie sind in ihrer Art unterschiedlich, ergänzen sich aber passend. Auch in diesem Buch erfahren wir wieder einiges über ihr Privatleben und die damit verbundenen Herausforderungen und Engberg bleibt sich treu, ihnen keine großen Probleme anzudichten, sondern sie den Herausforderungen des Alltags auszusetzen. Dadurch erhalten die Figuren Tiefgang und entwickeln sich über die verschiedenen Fälle hinweg weiter. Aktuell versuchen beide Figuren ihre Elternrolle zu finden und dies stellt sich als nicht ganz so einfach dar. Der Kriminalfall ist wieder gut komponiert und man weiß bis zum Schluss weder das genaue Motiv, noch kann man sich sicher sein, dass man die Täterhinweise korrekt gedeutet hat. Die Familie des vermeintlichen Opfers birgt schnell Geheimnisse, die erst durch Ermittlungen offenbart werden müssen. Gepaart wird dies wieder mit der Integration von Kopenhagener Orten in die Kriminalgeschichte. Diesmal ist es ein Fort an einem See, dessen Düsternis gut in den Plot passt.

„Nein. Keine Zeugen, niemand weiß wo er ist.“

Engberg, Katrine: Das Nest, S.77, Diogenes Verlag 2021.

Engberg gelingt es auch in diesem Roman uns wieder in die Abgründe des menschlichen Zusammenlebens zu entführen, die oftmals nur schwach hinter einer Fassade verborgen sind. Engberg schreibt kluge Kriminalromane, die sich auch gesellschaftlichen Themen annehmen. Keine der Figuren wird von oben herab behandelt, sondern sie dringt in alle Charaktere ein und stellt sie uns als Leserschaft zur Beurteilung zur Verfügung. Die Dialoge sind pointiert und gerade deshalb so klug geschrieben. Der detailreiche Erzählstil stört mich in dieser Krimireihe nie, sondern ich werde in einen Sog gezogen, der Lust auf einen Besuch von Kopenhagen macht, obwohl man gerade eine Kriminalhandlung liest. Diese ist zudem über den Romanverlauf immer komplexer werdend, leichte Nebenstränge werden bis zum Ende zu einem gelungenen Ganzen zusammengefügt. Auch dies ist eine Stärke der Engberg-Romane.

Klug, unterhaltsam und eine absolute Empfehlung

Erneut erstklassige Krimiunterhaltung und ich wünsche dieser Reihe richtig viele Leser*Innen und vor allem freue ich mich, dass der fünfte Teil nun schon auf Dänisch vorliegt. Ich werde diese tolle Kopenhagen-Reihe auf jeden Fall weiterlesen. Somit möchte ich gar nicht mehr viele Worte machen und einfach nur eine Kauf- und Leseempfehlung aussprechen und damit das Jahr 2021 beenden.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

Katrine Engberg:

Das Nest

ISBN: 978-3257071733

Preis: 20,00€

Diogenes Verlag – Das Nest

Besprechung restliche Reihe unter: Engberg, Katrine: Korner/Werner Reihe – Rezension – erzaehlwas.de

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