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Göpel, Maja: Unsere Welt neu denken – Rezension

Der eigene innere Antrieb für eine Sache ist ein zuverlässigerer Motor als die Bestätigung und der Zuspruch von außen.

Göpel, Maja: Unsere Welt neu denken, S.190 Ullstein Verlag 2020.

Die Nachhaltigkeitsökonomin Maja Göpel hat mit „Unsere Welt neu denken“ ein Buch geschrieben, dem man nicht genügend Leser*Innen wünschen kann. In kurzen und prägnant geschriebenen Kapiteln fasst sie das drohende Folgenszenario unseres Wirtschaftens zusammen. Doch Göpel will keine ausweglosen Szenarien aufzeigen, sondern betont die Bereiche des Möglichen und spricht der Leserschaft Mut zu. Ein passenderes Buch für den Start ins neue Jahr könnte ich mir nicht vorstellen.

Um was geht es?

„Unsere Welt neu denken“ ist kein Buch, das in die uns allen schon bekannten Klimawandel Diskussionen verfällt. Stattdessen konzentriert sie sich auf unsere Form des Wirtschaftens und die daraus resultierenden Folgen für das menschliche Zusammenleben. In ihrer Argumentation lädt sie die Leserschaft dazu ein sich für die Gründe wirtschaftlicher Produktion sowie dem Sinn von Produkten zu interessieren. Danach richten sich auch mögliche Zukunftsszenarien aus. Das Buch ist ein Plädoyer für wirtschaftliches Umdenken.

Mein Eindruck vom Buch

Ich habe lange gezögert mir dieses Buch zuzulegen, doch nachdem ich Maja Göpel in einer Talkshow gesehen habe, musste das Buch auf meinem Einkaufszettel landen. Selten hat mich ein Sachbuch so schnell in seinen Bann gezogen. Der Autorin gelingt es klar, verständlich und in nachvollziehbaren Beispielen die Grundzüge unseres Wirtschaftens darzustellen. Die Lektüre hat keine großen neuen Erkenntnisse geliefert, aber ich habe noch keine so gute Zusammenfassung gelesen. Erschreckend nimmt man zur Kenntnis, dass die Folgen unseres wirtschaftlichen Handelns schon über 30 Jahre bekannt sind, sich aber keine nachhaltigen Veränderungen ergeben haben. Das Wirtschaftssystem ist darauf ausgelegt, seine Konsumenten auf den eigenen Vorteil hinzuweisen. Das Bild des homo oeconomicus zeichnet uns als egoistisches Wesen, wobei viele soziologische Experimente genau diesem Bild entgegenstehen. Das Bild des egoistisch handelnden Menschen ist nicht per se in uns angelegt.

Ein wirtschaftliches Denken, welches den Ressourcenverbrauch ignoriert und gleichzeitig permanentes Wachstum propagiert, muss sich als irrational erweisen. Gefangen in 200 Jahre alten Wirtschaftstheorien, müssen wir genau diese Denkmuster aufbrechen. Stattdessen braucht es ein Denken, welches bereit ist die Grenzen des Planeten zu akzeptieren.

Ein Umdenken ist notwendig

Um dies zu erreichen müssen wir Bewertungsskalen verändern, sodass in diesen eine treffende Definition enthalten ist, welche das Handeln auf den Zweck zum Allgemeinwohl ausrichtet. Maja Göpel liefert einleuchtende Denkbeispiele, die darstellen, dass unser aktuelles System nur auf kurzfristige Bedürfnisbefriedigung und weniger auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Ebenso werden Aspekte der Gerechtigkeit nicht berücksichtigt.

Gerade weil sie dies nicht mit dem belehrenden Zeigefinger herausarbeitet, sondern ihr Buch tatsächlich als Einladung zum Denken versteht, folgt man ihren Gedanken gerne. Göpel plädiert für ein Umdenken und erklärt, dass jedem diese Notwendigkeit deutlich werden sollte. Nach ihr braucht es keinen radikalen revolutionären Schritt, aber schrittweise Veränderungen. Beziehen wir uns auf das eingangs erwähnte Zitat so ist es wichtig, dass dies bei uns anfängt. Es geht nicht darum auf Andere zu blicken, sondern man muss Eigeninitiative zeigen.

Mich hat das Buch daran erinnert, dass jeder sein Handeln betrachten muss. Auch ich persönlich muss mein Handeln nach den Ausführungen von Göpel als zu gering einstufen. Eine passende Lektüre für den Start ins neue Jahr.

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Maja Göpel:

Unsere Welt neu denken

Ullstein Verlag

ISBN: 978-3-550-20079-3

Preis: 17,99€

https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/unsere-welt-neu-denken-9783550200793.html

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