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Groschupf, Johannes: Berlin Prepper – Rezension

Ein Kriminalroman, der die Grenzen der Wahrnehmung und ihrer Einordnung verschwimmen lässt.

„Berlin Prepper“ ist der Gewinner des Deutschen Krimipreises aus dem Jahr 2019. Den Roman zeichnet aus, dass er tief in die Wahrnehmung seiner Hauptfigur eindringt. Dabei driftet die Figur immer tiefer in einen verstörenden Umgang mit der Welt ab. Die Geschichte nimmt den Handlungsort Berlin intensiv auf und kombiniert dies mit lebendigen und prägnanten Dialogen. Johannes Groschupf ist ein Gegenwartskrimi gelungen, der uns die Prepper Welt ohne eine abwertende Grundhaltung zeigt. Auf diese Weise erfährt man vieles über diese Welt, die so nah an all den Verschwörungstheoretikern liegt.

Um was geht es?

Online-Redakteur Walter Noack hat die Aufgabe Hasskommentare einer Zeitung zu entfernen. Das stetige Lesen belastet ihn, als er dann auch noch zusammengeschlagen wird, verliert er sich immer tiefer in den Untiefen der digitalen Welt. Als Anhänger der Prepper-Szene möchte er auf alles vorbereitet sein und muss nun mit dem Gefühl der Machtlosigkeit umgehen. Daraus entsteht die Faszination für die Welt der Hasskommentatoren und der Drang sich privat besser zu schützen.

Mein Eindruck vom Buch

Ich habe mir das Buch gekauft, da ich mich mit der Prepper-Szene auseinandersetzen wollte. Nicht weil ich daran selbst Faszination empfinde, sondern weil ich verstehen möchte wie diese Szene funktioniert. Schnell hat mich der Krimi in seinen Bann gezogen, da schon der Job der Hauptfigur faszinierend ist. Walter Noack muss Hasskommentare löschen, wie wir sie alle aus den verschiedensten sozialen Netzwerken kennen. Zu Beginn verspürt er beim Löschen noch eine Abneigung gegenüber den politischen Grundeinstellungen, doch dies ändert sich über den Handlungsverlauf hinweg.

Die Leidenschaft für die Prepper-Szene dient der Zielsetzung sich unabhängig zu machen und auf eine Katastrophe vorbereitet zu sein. Durch den Überfall nach Schichtende erlebt er einen Kontrollverlust. Er beginnt sich in Recherchen über die eigene Sicherheit zu verlieren und lässt sich dabei in die Welt von Reichsbürgern und ähnlichem hineinziehen.

Berlin ist als Ort wichtiger Partner der Handlung

Der Kontrollverlust passiert in einem Berlin, das von Multikulti geprägt ist, aber auch damit verbunden von einem gewissen Aspekt des Fremdenhasses. Die dunkle Seite der Deutschen Hauptstadt verbindet sich mit dem Kampf der Figur um die Kontrolle des eigenen Lebens. Es entwickelt sich eine Eskalationsspirale, die aus der Sicht von Noack nachvollziehbar erscheint. Johannes Groschupf hat einen Krimi geschrieben, der nah bei seinen Figuren verbleibt und ihnen präzise Dialoge in den Mund legt. Die Prepper-Szene wird aus sich heraus dargestellt und legt so die Auswüchse offen. Die Machtlosigkeit der Polizei treibt die Hauptfigur in die Community der Selbstjustiz. Noack beginnt zu recherchieren, bewaffnet sich und prüft Halbwahrheiten und Andeutungen. Mit dieser Entwicklung gelingt es dem Roman einen Blick auf die Ränder der Gesellschaft zu werfen, deren Realitäten oftmals wegdiskutiert werden. In diesem Aspekt ist der Roman ein Gesellschaftskrimi und zieht gleichzeitig Spannung für die Handlung aus den privaten Ermittlungen seiner Hauptfigur. In dieser Verzahnung wird deutlich wie Wahrnehmung und Verschwörungstheorien ineinander verschwimmen. Dies macht die Lektüre absolut lesenswert.

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Johannes Groschupf:

Berlin Prepper

Suhrkamp Verlag

ISBN: 978-3-518-46961-3

Preis: 14,95€

https://www.suhrkamp.de/buecher/berlin_prepper-johannes_groschupf_46961.html

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