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Grohl, Dave: Storyteller – Rezension

Die Drums von „Smells like Teen Spirit“ von Nirvana durchdringen meine Kopfhörer und lassen mich sofort gute Laune kriegen, während ich diese Zeilen schreibe. Musikalisch bin ich durch meinen Vater mit dem ein oder anderen Rockklassiker, von John Fogerty, über The Who, bis hin zu den Stones, groß geworden. So verwundert es auch nicht, dass ich diese Musik bis heute schätze. Dieser Drumeinstieg von Nirvanas Megahit hat auf jeden Fall Musikgeschichte geschrieben und mit ihm der Mann hinter dem Schlagzeug, Dave Grohl.

Und genau wegen diesem sitze ich nun an diesen Zeilen, denn ich habe seine Biographie „Storyteller„, erschienen im Ullstein Verlag, gelesen. Warum mich seine Lebensgeschichte gereizt hat liegt natürlich daran, dass ich ein großer Fan seiner Band „Foo Fighters“ bin. Auf diese hat mich allerdings nicht mein Vater aufmerksam gemacht. Hier war Schulkamerad Marvin ausschlaggebend, der wie ich den Rock schätzte und immer wusste, was der coolste Kram war und dazu zählten natürlich auch die „Foo Fighters“.

In seiner Biographie erzählt Grohl von seiner Liebe zur Musik und die daraus entstandene Karriere. Über das Erzählen von Anekdoten wirkt dies alles erfrischend und ihm gelingt das Kunststück sich nicht selbst zur Hauptfigur zu machen. Stattdessen ist Hauptfigur schlicht und ergreifend die Musik und ihr Effekt Menschen zusammenzubringen.

Der Weg zu den Foo Fighters

Grohl beginnt seine Lebensgeschichte durchaus chronologisch und wählt entscheidende Punkte seiner Musikerkarriere als Fixpunkte seiner Erzählung aus. Beginnend in seiner Kindheit kann ich kaum glauben, dass er das Schlagzeugspielen mit Kissen in seinem Zimmer erlernt hat. Schon bei seinem Vorspiel bei der Band „Scream“ wird deutlich, dass er die Drums wohl ganz besonders spielen muss. Nicht ausgespart wird das schwierige Verhältnis zu seinem Vater, welches aber durch den zeitlichen Abstand gut reflektiert wird.

Grohl macht nie den Fehler, dass Emotionen seine Darstellungen einseitig überlagern, sondern versucht das Erlebte mit Nachsicht einzuordnen. Exemplarisch wird dies bei seinem Erzählen aus der Nirvana Zeit. 1991 war Grohl Drummer bei der legendären Nevermind-Aufnahme und seine Karriere schien Fahrt aufzunehmen. Für mich ist es bis heute eines der besten Alben und ich kann es immer wieder hören. Grohl gibt einen kurzen Einblick in das WG Leben mit dem Nirvana-Sänger Kurt Cobain und dies hat mir beim Lesen gut gefallen. Ich empfinde es als wohltuend, mit welcher Distanz Grohl die Drogenprobleme seines Bandkollegen schildert. Er ist nicht an einer Trauerrede interessiert oder daran psychologische Hintergründe zu erläutern, ihm geht es um den leider viel zu früh verstorbenen Musiker Cobain. Dessen Tod und das daraus folgende Nirvana-Aus sind durchaus ein Wendepunkt in seinem Leben. Grohl nimmt ganz alleine ein Demo-Tape auf und dies wird zur Geburtsstunde des eigenen Bandprojektes „Foo Fighters“.

„Ich bewege mich durch dieses verrückte Musikerleben wie ein kleiner Junge, der im Kunstmuseum plötzlich vor Werken steht, die er sein Leben lang studiert hat.“

Grohl, Dave: Storyteller, S.377, Ullstein Verlag 2021.

Mit diesem Bandprojekt startet er dann wiederum richtig durch. Das Zitat aus dem Buch zeigt aber, dass keine Beweihräucherung der eigenen Karriere dieses Buch kennzeichnet. Grohl erzählt von Begegnungen aus seinem Leben mit den unterschiedlichsten Musikern. Geschichten wie eine „Joan Jett- Barbie“ für seine Töchter und dann das spätere Auftauchen der realen Rocklegende werden mit Herzblut beschrieben. Er reiht Geschichten aneinander, schreibt mit so viel Zurückhaltung von der Nervosität bei eigenen besonderen Auftritten, dass man ihm dies alles abnimmt. Berührend ist auch, wie Grohl über seine eigene Familie schreibt, immer im Bewusstsein natürlich viel unterwegs zu sein. Mein persönliches Highlight ist jedoch die besondere Beziehung zu Paul McCartney und die für mich vollkommen neue Beatles-Verehrung. Das ihm bekannte Netzwerk aus Musikerpersönlichkeiten lässt er vor dem geistigen Auge seiner Leserschaft lebendig werden und so fehlt nicht viel, dass ich mich ebenfalls wie ein kleiner Junge fühle.

Eine Geschichtensammlung, die man gerne liest

Die verschiedenen Geschichten bauen keine Karrierelogik auf und deshalb wirkt alles Erzählte frei und ehrlich. Sein sprachlicher Stil ist durchaus von einer gewissen Ästhetik gekennzeichnet, aber keiner, die sich vor das Erzählte drängelt. Grohl schreibt deutlich was er denkt und somit passt sein Stil zum Erzählten. Mit dieser Stilistik unterstützt Grohl auch eine Botschaft seiner Geschichten: Ihm geht es um die Musik und ihre Kraft. Jeder Zeile merkt man an, wie sehr er das Musikmachen liebt und auch vor seinen Fans aufzutreten. Genau für diese ist natürlich auch dieses Buch geschrieben, wobei ich dieses schöne Buch allen Rockmusikliebhabern empfehlen würde und auch Menschen, die gerne Lebensgeschichten von Prominenten lesen. Ihr werdet viel lachen, euch wundern, aber vor allem dieses Buch gerne lesen.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧1/2🐧

Dave Grohl:

Storyteller

ISBN: 978-3550202032

Preis: 22,99€

Ullstein Buchverlage: Der Storyteller

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