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Mommsen, Janne – Das Inselweihnachtswunder – Rezension

Ein Blick auf das Cover wird sicherlich den ein oder anderen rätseln lassen wie denn ein solcher Titel auf meine Leseliste gekommen ist. Ich habe mir allerdings für meinen Neustart im Dezember vorgenommen, dass ich auch Titel bespreche, die nicht klassisch meinem Leseprofil entsprechen, immerhin schreibt hier ja ein ehemaliger Buchhändler. Zudem wollte ich unbedingt einige Weihnachtstipps besprechen. Natürlich hinke ich wieder einmal meinem Zeitplan hinterher. Aber das kennt ihr ja von mir. Heute zum vierten Advent also wieder ein Weihnachtstipp und zwar das neue Buch von Janne Mommsen „Das Inselweihnachtswunder“, erschienen bei Rowohlt.

Mommsen hat schon mehrere Inselromane geschrieben und die Figuren werden denjenigen bekannt vorkommen, die schon andere Romane gelesen haben. Der Vorteil an seinen Büchern: Man kann sie unabhängig voneinander lesen. In dieser Weihnachtsgeschichte befindet sich die Inselpastorin Carola in den Vorbereitungen für das Weihnachtsfest. Doch ein Problem besteht wie jedes Jahr: Mit wem wird sie, die einsame Pastorin, den Weihnachtsabend verbringen? Zudem bittet sie der Organist Torin noch um einen Gefallen. Dessen Oma scheint kurz vor dem Lebensende zu stehen und man ist sich nicht sicher, ob sie es bis zum Weihnachtsabend schaffen kann. So kommt die Idee auf, dass Weihnachtsfest nach vorne zu legen. Carola könnte hier helfen, sieht aber gleichzeitig noch weitere Probleme in ihrer Kirchengemeinde. Es wird also Hilfe benötigt, aber wie? Kann die Sagengestalt Nis Puk hier Abhilfe schaffen und was geschieht mit dem vermeintlich herrenlosen Koffer voller Geld?

Eine Insel sucht den Geist der Weihnacht

Das isr Cover schön gestaltet und kommt vor allem ohne Glitzerkitsch aus, wie man ihn bei vielen anderen Buchdeckeln sieht. Vor uns liegt ein schmaler Band, der eine Geschichte mit Witz und einer Portion Romantik erzählt. Für mich ist dabei wichtig, dass die Liebesgeschichte nicht das Zentrum des Plots ist. Stattdessen sucht die Pastorin den Geist der Weihnacht und möchte dabei helfen, dass Menschen zusammenkommen. Die Insel Föhr wird wunderbar, in ihrem Wechsel aus Reetdächern und malerischem Ausblick auf die Nordsee, sowie dem stürmischen Wind der Insel, beschrieben.  Zunächst werden verschiedene Figuren vorgestellt, da ist zum einen die Putzfrau, die davon bedroht ist ihr Haus zu verlassen, der Tafel-Chef, dem Kühltruhen für das Weihnachtsessen fehlen und natürlich die Inselbuchhändlerin. Alle mit ihrem Blick auf das Weihnachtsfest und teilweise mit Herausforderungen, die zu lösen sind. Knapp und klar zeigen sich die möglichen Aufgaben für die Pastorin. Mommsen gelingt es diese Probleme zu schildern, ohne dass sie der Pastorin oder der Leserschaft als zu belastend aufgedrückt werden. So verstärkt Mommsen das Gefühl, dass man sich Gedanken darüber machen sollte, was es eigentlich für ein gelungenes Weihnachtsfest braucht. Als Gegenfigur fungiert ein Immobilienmakler, der auch schnell moralisch verurteilt wird, doch der Text arbeitet heraus, dass auch er eine Hintergrundgeschichte hat.

„Nis stammte aus heidnischen Zeiten, lange vor dem Christentum. Er wirkte ausgleichend auf die Bewohnerinnen und Bewohner eines Hauses und passte auf sie auf. Einmal im Jahr, zu Weihnachten, musste ihm etwas zu Essen hingestellt werden.“

Mommsen, Janne: Das Inselweihnachtswunder, S.13, Rowohlt Verlag 2021.

Das Weihnachtsfest mit Torin und seiner Familie zeigt der Pastorin nochmals, wie sehr ihr dies fehlt und so deutet sich mit dem Organisten eine kleine Liebesgeschichte an. Hervorheben möchte ich, dass Mommsen für die Gedankenwelt Carolas wunderbare Vergleiche findet. Die Pastorin erweist sich als gewitzte Persönlichkeit und macht sich schnell Gedanken, wie sie den ganzen stockenden Weihnachtsvorbereitungen neuen Schwung verleihen kann. Mommsen gelingt es dies, unterhaltsam zu gestalten und gleichzeitig auch allen Figuren eine gewisse Herzlichkeit einzuverleiben. Die Spannung des Textes ergibt sich nicht aus seinem Drang nach Happy-End, sondern daraus, wie sich die Figuren schlussendlich entwickeln. Pastorin Carola ist die stärkste Figur im Text und Handlungstreiberin. Die Kürze des Textes hat zur Folge, dass natürlich nicht jede Figur in die Tiefe ausgearbeitet wird.  Da es aber um den Grundgedanken des Weihnachtsfestes gehen soll, hilft diese knappe Darstellung die Botschaft in den Fokus zu rücken, eine typische Stilistik für Weihnachtsgeschichten. Ebenfalls positiv möchte ich die Rolle der Buchhandlung als sozialem Treffpunkt hervorheben.

Unterhaltsame Weihnachtslektüre

Dieser Roman richtet sich an Menschen, die eine schöne Geschichte für Weihnachten suchen, die mich als Leser*In nicht zu sehr beansprucht. Dies sind nicht meine typischen Romane, aber das hindert mich nicht daran, dieses Buch objektiv zu bewerten. Eine Weihnachtslektüre sollte nicht zu anspruchsvoll sein, sondern deutlich den Unterhaltungscharakter in den Vordergrund rücken und dies ist Mommsen gelungen. Föhr wird zum lebendigen Handlungsort und erinnert mich an Urlaube an der See. Die Geschichte wird zielgerichtet erzählt, mixt Witz und moralisierende Weihnachtsgedanken zu einer gelungenen Geschichte. Wer eine schöne Weihnachtsgeschichte sucht, die sich leicht lesen ist, der sollte bei Mommsen zugreifen.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧

Janne Mommsen:

Das Inselweihnachtswunder

ISBN: 978-3499005732

Preis: 18,00€

Das Inselweihnachtswunder – Janne Mommsen | Rowohlt

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