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Boie, Kerstin: Heul doch nicht, du lebst ja noch – Rezension

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„Heul doch nicht, du lebst ja noch“ von Kirsten Boie, erschienen im Oetinger Verlag, nimmt uns mit in das Hamburg 1945 und damit in die ersten Monate nach dem Kriegsende. Die Bevölkerung lebt innerhalb der zerbombten Stadt, muss sich um Essensmarken bemühen und das richtige Verhältnis zu den Besatzungsmächten finden. Innmitten dieser Lebensumstände sind drei Jugendliche, deren Geschichte der Roman erzählt. Jakob überlebt alleine in den Trümmern als Sohn eines Deutschen und einer Jüdin und traut sich nicht, sich ins Offene zu wagen. Hermann trägt immer noch die HJ-Uniform und muss zu Hause damit umgehen, dass er sich um seinen beinamputierten Vater kümmern muss. Und dann ist da noch Traute, die sich einsam fühlt und im Wunsch mit den Jungs zu spielen, diese mit gestohlenem Brot bestechen will. Kirsten Boie erzählt exemplarisch von diesen Schicksalen und lässt uns auf diesem Wege an Kriegserfahrungen teilhaben.

Jakob wartet.

Boie, Kerstin: Heul doch nicht, du lebst ja noch, 2022, Oetinger Verlag, S.6.

Wir leben in einer Zeit, in der man durchaus verspürt, an die Vergangenheit des Nationalsozialismus zu erinnern und sicherlich ist dies auch ein Eindruck gewesen, der einer der Gründe für den vorliegenden Roman von Kirsten Boie ist. Alle drei Jugendliche versuchen auf ihre ganz eigene Art die Geschehnisse zu verarbeiten. Jakob weiß nicht, dass der Krieg zu Ende gegangen ist, doch der Hunger treibt ihn hinaus und lässt ihn auf die anderen Jugendlichen treffen. Er muss sich zunächst als Deutscher ausgeben, da er Hermann nicht trauen kann. Dieser macht die spannendste Entwicklung durch, da er durch seine Erziehung viel stärker in der nationalsozialistischen Ideologie verwachsen ist. Erst die zunehmend dramatische Situation zu Hause, lässt ihn die grausamen Auswirkungen des Krieges spüren und daraus sein Verhalten zumindest in Teilen ändern. Boie stellt diese dramatische Situation jener von Jakob gegenüber und markiert deutlich, dass viele der Deutschen sich als Mitläufer sehen, aber dabei alle Gräueltaten gegen die Juden in Kauf genommen haben. Es ist dieser jugendliche Blick, welcher die von Erwachsenen vorgelebten Einstellungen entlarvt. Traute repräsentiert einen emotionalen Blick, der schnell erkennt, dass man schnell zum Opfer werden kann. Boie wechselt die Perspektiven und lässt so die verschiedenen Einstellungen einander immer näher werden und gleichzeitig die Figuren aufeinander treffen. Passend ist der Gegensatz zu den Erwachsenen, die in ihrer neuen Lage nach Kriegsende nicht reflektieren wollen, sondern in der Krisensituation so handeln, dass sie für sich das Beste erzielen. Es mutet nüchtern an, da das Erzählte uns in wenigen Szenen die gesamte Grausamkeit des Krieges vor Augen führt, aber die Emotionen entstehen bei mir als Leser aufgrund dieser Stilistik. Durch die jugendlichen Blickwinkel schafft dieses Buch darzustellen, dass bei diesem Krieg die Kinder komplett zu den Verlorenen gehören, unabhängig von ihrer Erziehung. In Zeiten in denen immer weniger Zeugen zur Verfügung stehen, sind es solche Romane, denen es gelingt Emotionen zu transportieren und Situationen nachvollziehbar zu machen.

Der Roman wählt drei Charaktere aus, mit denen es gelingt, die Auswirkungen des Krieges sichtbar zu machen. Jakobs Unsicherheit über die eigene Familie und der trotzdem vorhandene Lebensmut zeigen aber auch, dass es sich zu kämpfen lohnt. Die Perspektiven von Traute und Hermann offenbaren, dass Jugendliche nicht die handelnden Personen dieses Regimes waren, sondern nun ebenfalls die Auswirkungen verarbeiten müssen. Die Stilistik des Romans stützt den Effekt, hier Eindrücke zu transportieren, die uns Situationen einordnen lassen, keine Emotionen vorschreiben, sondern uns auffordern, diese Emotionen selbst zu verspüren. Ein gelungenes Jugendbuch ab 14 Jahren, zu einem Thema, welches nie vergessen werden darf.

Mit diesem Post werden die Lesezeichen nun wieder die Verbindung zu den Pinguinen herstellen, welche den Blog seit Beginn begleiten.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧

Kirsten Boie:

Heul doch nicht, du lebst ja noch

ISBN: 978-3751201636

Preis: 14,00€

https://www.oetinger.de/buch/heul-doch-nicht-du-lebst-ja-noch/9783751201636

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