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Serienkritik: Borgen

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Vor einigen Jahren brachte ARTE die dänische Politserie „Borgen“ auf die deutschen Bildschirme und für mich als Politikinteressierten war die Serie ein absolutes Muss. House of Cards und zudem The West Wing sind andere Serien, die mich zu diesem Thema begeistern konnten. Borgen wählt jedoch noch eine ganz andere Darstellungsweise und hat mir schon deshalb äußerst gut gefallen. Warum ich diese Serie jetzt bespreche? Netflix hat sich die Rechte für eine vierte Staffel gesichert und diese war natürlich für mich ein Muss. Die Hauptfigur Brigitte Nyborg (gespielt von Sidse Babett Knudsen) kehrt in dieser vierten Staffel als Politikerin in der Regierung auf die Bildschirme zurück, doch um dieses Comeback in all seinen Facetten zu fassen, sollte man sich zunächst mit den drei vorherigen Staffeln beschäftigen. In der ersten Staffel wird die zweifache Mutter die erste Premierministerin Dänemarks und das vor allem, weil sie mit einer ehrlichen Rede, volksnah in der letzten TV-Debatte punkten konnte. Wir erleben eine weibliche Regierungschefinnen, die sich erst an die Macht im dänischen Regierungssitz Christiansborg gewöhnen muss. Schnell muss sie die Machtspielchen und den Kampf um politische Koalitionen lernen und so werden wir als Zuschauer*Innen Zeugen des Verlustes von Idealismus. Die Serie schafft es dabei gekonnt die politische Machtzentrale auszustellen und stellt auch neben der frisch gewählten Premierministerin weitere Politiker*Innen über drei Staffeln hinweg als Personen vor. Wir sehen, wie sich das Leben dieser Menschen unter medialem Druck, Stresssituationen, sowie belastet von Entscheidungen, die nie nur richtig sein können, verändert. Was die Serie außerdem beherrscht, ist es zu verdeutlichen, wie schwer die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in diesen Machtsphären ist.

Die Stärke der Serie ist es, dass sie noch weitere Hauptfiguren etabliert, die zwar Teil des politischen Betriebes sind, aber aus einer anderen Richtung heraus auf die Geschehnisse blicken. Zu nennen ist hier der Spin Doktor Kasper Juul (Pilou Asbaek), der sich als ein politischer Akteur ohne Idealismus zeigt, sondern immer mit der Zielsetzung einen politischen Prozess auf den Erfolg in der öffentlichen Darstellung auszurichten. Die Figur verbirgt ein familiäres Geheimnis und mit fortlaufender Dauer wird Juul einem menschlich näher gebracht. Zwischen ihm und der Premierministerin gibt es immer wieder Diskussionen darüber, welche Mittel für den Machterhalt gewählt werden sollen. Mit Juul verbunden ist zudem noch die Starjournalistin Katrine Fonsmark (Birgitte Hjort Sorensen), da die Beiden eine wechselhafte Liebesgeschichte verbindet. Fonsmark kämpft für einen investigativen Journalismus, wird dabei aber natürlich auch von eigenen Moralvorstellungen angetrieben. Diese Nebenstränge geben somit Einblick in den internen Prozess berichtender Medien und geben zugleich den Blick auf Wechselwirkungen mit der Politik frei. Die schauspielerische Leistung zeigt ihre Qualität in kleinen Gesichtsreaktionen, die wunderbar von der Kamera eingefangen, sofort Gefühle greifbar machen. In der dritten Staffel wechselt Fonsmark dann in die Rolle einer Spin Doktorin und muss mit ihrer Mutterrolle klarkommen. Auch dies ist eine Stärke der Serie, dass bestimmte Probleme über die Staffeln hinweg an verschiedenen Figuren deutlich werden und damit eine tolle Vielfalt generieren.

Staffel eins und zwei zeigen den Weg der Premierministerin, die Schwierigkeiten Mehrheitsverhältnisse zu schaffen und gleichzeitig das eigene Familienleben zu organisieren. Kritisch wird auch die Rolle der Medien betrachtet. In Staffel drei wagt Nyborg dann ein politisches Comeback und daraus generiert die Serie nochmals ganz neue Elemente. Die vierte Staffel bei Netflix wählt dann einen anderen Weg. Nyborg ist mittlerweile eine erfahrene Politikerin und Außenministerin in Dänemark. Doch schnell macht die Serie klar, dass wir es nicht mehr mit der Brigitte Nyborg zu tun haben, die wir noch aus den vorherigen Staffeln kennen. Nyborg hat eine längere Karriere hinter sich und wird, wie schon in einer vorherigen Staffel mit einer Herausforderung in Grönland konfrontiert. Hier agiert sie nun deutlich machtbewusst, bedacht auf ihre eigene Position in der Außendarstellung. In einigen Szenen wirkt sie absolut kalt und Ideale werden schnell verworfen, ebenso wie politische Versprechungen. Auch im Verhältnis zu ihrem Sohn zeigen sich andere Umgangsformen bei politischen Diskussionen, als dies in den vorherigen Staffeln der Fall war. Ebenfalls als Hauptfigur dabei ist wieder die Journalistin Katrine Fonsmark. Sie ist nun in der Vorgesetztenrolle bei ihrem Haussender und auch sie hat sich geändert. Die vierte Staffel zeigt, dass auch sie älter geworden ist und vielleicht nicht mehr alle Erwartungen ihrer Mitarbeiter*Innen korrekt erfasst. Allgemein ist diese vierte Staffel für mich als Fan der Serie eine gewisse Enttäuschung. Highlight der ersten drei Staffeln war, dass eine politische Welt vorgestellt wurde, in der nicht alles rein auf Machtzirkulationen reduziert wurde, sondern auch dem menschlichen Rahmen Raum eingeräumt wird. Dies schwindet in dieser Staffel, allerdings wird auf diesem Wege eine andere Ebene offensichtlich, nämlich die Veränderung der Figuren im Alter und damit verbunden auch in ihrem Charakter. Die Hauptfiguren verlassen deshalb auch ihren Status der Sympathieträger*Innen. Für mich kratzt Staffel vier an einigen Stellen zu sehr an der Oberfläche, verlässt die von mir geschätzte Tiefe der ersten drei Staffeln. Hier wird leider auch Potential verschenkt und bestimmte politische Prozesse sind äußerst plakativ in ihrer Darstellung. Die Darsteller*Innen haben allerdings nichts von ihrer Qualität eingebüßt und tragen somit auch diese inhaltlich etwas schwächere Staffel.

Borgen ist für mich eines der Serienhighlights der vergangenen Jahre und hat auch viele Menschen gepackt, denen ich die Serie empfohlen habe. In dieser popkulturellen Ebene aufgezeigte Politikerdarstellungen können sicherlich auch Einfluss auf das reale politische Geschehen haben. Die Spannung zieht die Serie aus der Suche nach dem politischen Kompromiss und der Vereinbarkeit mit dem Privatleben. Zudem wird die Rolle der Medien in der Serie reflektiert gezeigt. Auch wenn mich die Staffel auf Netflix nicht mehr so stark beeindruckt hat, ist die Serie insgesamt ein echter  Kracher und von mir gibt es eine absolute Empfehlung reinzuschauen.

Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

Alle Staffeln der Serie sind auf Netflix verfügbar.

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