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Serienkritik: Young Wallander

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Die nun veröffentlichte zweite Staffel der Serie „Young Wallander“ bei Netflix nehme ich zum Anlass, um sie auf diesem Blog zu besprechen. Die Serie erhielt einige Kritik, da sie als Prequel angekündigt wurde, aber in der heutigen Zeit spielt. Natürlich ist dabei jedem  Fan der Henning Mankell Reihe klar, dass Kommissar Wallander seine Karriere in den 90er Jahren begonnen haben muss. Wer also bei dieser Serie auf eine klare Anknüpfung an die altbekannten Wallander-Verfilmungen hofft, der dürfte tatsächlich enttäuscht werden. Natürlich hat die Ankündigung der ersten Staffel auch den Wallander-Fan in mir geweckt, aber in meiner Besprechung möchte ich mich von dieser konkreten Erwartungshaltung lösen.

Die Serie macht nämlich unabhängig von dieser Erwartungshaltung ziemlich viel richtig und knüpft aus meiner Sicht in der Figurenzeichnung des jungen Kommissars Wallander durchaus an die Romanvorlage des älteren Kurt Wallander an. Adam Palsson wirkt in seiner Darstellung des jungen Wallander äußerlich wie ein Babyface, legt die Rolle aber als Eigenbrötler an, der von Gerechtigkeitssinn besessen immer wieder mit dem eigenen Verhalten hadert und zu unkontrollierten Ausbrüchen neigt. Ebenfalls zeigt sich schon in diesen jungen Jahren der Griff zum Alkohol. Ermittelt wird nicht wie später in den Romanen in Ystad, sondern in Malmö. In der ersten Staffel wird ein junger Fußballspieler inszeniert in die Luft gesprengt. Schnell liegen die Themen auf dem Tisch, es geht um Rassismus, Armut und die herrschenden gesellschaftlichen Unterschiede. Zu Beginn noch kein Mitglied der Kriminalkommission rückt Wallander statt des vorgesehenen Reza Al-Rahman (gespielt von Yasen Atour) ins Ermittlerteam. Begründung ist, dass er sich besser als dieser im vermutlichen Tätermilieu auskennt. Mit Reza verbindet ihn eine Freundschaft, die in Staffel 1 angelegt, sich auch in die zweite Staffel hinein entwickelt. In dieser zweiten Staffel geht es um einen ersten Fall der Kollegin Frida Rasks (Leanne Best) bei der zwei Jugendliche ihren Schwimmtrainer umgebracht haben sollen. Nun wird einer der beiden vermeintlichen Täter von einem Auto überfahren. Wallander muss ermitteln, ob es mit der alten Geschichte in Verbindung steht, denn es deuten sich auch Bezüge in kriminelles Milieu an.

Mich haben beide Staffeln schnell in ihren Bann gezogen. Die Kommissaren-Darstellung verleiht der Figur Wallander einen modernen Look und präsentiert zwei äußerst spannende Kriminalfälle. Die Serie greift skandinavische Krimitraditionen auf und verbindet sie in Teilen mit einem düsteren Look, welcher auch die Zerrissenheit der Hauptfigur aufzeigt. Adam Palsson zeigt in seiner Mimik Entschlossenheit und Zweifel im Wechsel und zwar in einer Art und Weise, die dem jungen Kommissar auch eine Coolness verleiht. Somit gelingt es der Serie die Romanvorlagen, sowie die schon bestehenden Wallander-Serien für eine neue Zielgruppe zu erschließen. Spannung kommt weniger durch die Täterjagd auf, sondern durch die vielfältigen Verstrickungen der jeweiligen Milieus und durch die Entwicklung der Figurenbeziehungen untereinander. Die Serie lädt auch deshalb zum Binge Watching ein. Bei mir hat es auf jeden Fall geklappt und somit gibt es von mir eine klare Empfehlung für diese Serie.

Wertung: 🐧🐧🐧🐧

Beide Staffeln sind bei Netflix verfügbar.

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