Das Trauma einer ganzen Region – Weeda, Lisa: Aleksandra

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Ich habe zwei Bücher angekündigt, die ich in der Buchhandlung in Meldorf empfohlen bekommen habe und stelle Euch heute den zweiten Titel vor. Um uns herum toben mit dem Konflikt im Gaza-Streifen und jenem in der Ukraine zwei Ereignisse, die uns vor Augen führen, dass wir von einer friedlichen Welt noch weit entfernt sind. Zugleich versuche ich die Geschehnisse zu verstehen, um nachzuvollziehen, was die Menschen in den beiden Gebieten bewegt.

Passend dazu wurde mir in Meldorf der Roman „Aleksandra“ von Lisa Weeda aus dem Kanon Verlag empfohlen. In diesem Roman erzählt die in den Niederlanden lebende Autorin ihre Familiengeschichte großmütterlicherseits und gibt dabei einen Einblick in die Historie der Donbass Region.

In der durchaus autofiktional angelegten Geschichte erhält die Erzählerin Lisa von ihrer Großmutter den Auftrag in die Donbass Region zu reisen, um ihrem Cousin ein Tuch zu bringen. Auf diesem Tuch wird der Stammbaum der Familie abgebildet. Es werden jedoch nicht nur die Mitglieder aufgeführt, sondern diese auch mit farbigen Linien aufgeführt, rot für das Leben und schwarz für die Trauer. Das Buch lässt diese Familiengeschichte lebendig werden, auch wenn über die Erzählung hinweg deutlich die schwarzen Linien zunehmen. Lisa Weeda wählt eine besondere Form der Binnenerzählung, denn in einem Fiebertraum erscheint ihr der Großvater. Gemeinsam mit ihm durchwandert sie einen Palast, den Stalin als Zentrale der Weltrevolution hat bauen lassen. In Meldorf war mir der Roman mit den Worten empfohlen worden, dass er sich Elementen bedient, die man aus dem Magischen Realismus kennt und der Roman damit südamerikanischer Literatur ähnelt. Ich schätze solche Bücher und Lisa Weeda braucht mit ihrer Konstruktion keinen Vergleich zu scheuen. Wir erleben die Geschichte dieser Region seit der kommunistischen Revolution 1917 und dadurch, dass der Roman neben dem Fiebertraum zugleich in der aktuellen Realität verhaftet ist, wird die Geschichte der Region intensiv spürbar. Historische Ereignisse sind nicht nur Vergangenes, sondern führen mit ihren Spuren immer bis ins Jetzt.

„Unser Blut fließt immer weiter auseinander, wie der Donez, der uns immer stärker trennt, nicht nur auf der Landkarte. Eine Grenze verläuft zwischen uns, mehr denn je. Ich weiß nicht, ob wir uns am Ende wieder zusammenraufen können.“

Weeda, Lisa: Aleksandra, 2023, Kanon Verlag, S.198.

Der Palast ist als Raum zugleich Erinnerungsgeber und Symbol der Macht aus Moskau, die dramatische Einflüsse auf die Region hat. Wir erfahren, wie die Bauern nach der Oktoberrevolution zum Beitritt zu Kolchosen gezwungen werden und wie Stalin Erntediebstahl betrieb. Der Zweite Weltkrieg bringt dann die Nationalsozialisten und mir wird erstmals deutlich, wie diese Region durch Gewaltverbrechen verschiedener Machtfaktoren geprägt ist. Aus diesen Erfahrungen heraus wird die heutige Geschichte und der entschlossene Kampf der Ukraine gegen eine neuerliche Besatzung durch Russland eindringlich nachvollziehbar. Der Roman schafft es, eine Familiengeschichte greifbar zu machen und zugleich Sätze in den Text zu integrieren, die mit einer nüchternen Wucht geschichtliche Parallelen feststellen. Ich schätze an diesem Buch, die gute Idee der Romankonstruktion und dass der Roman nur selten abschweift und damit alles Wesentliche in den Fokus rückt, was der Thematik einen passenden Rahmen gibt. Die gestorbenen Familienmitglieder haben zudem noch in kulturelle Mythen Eingang gefunden, da sich die verstorbenen Mitglieder in weiße Hirsche verwandeln, wie es der Legende nach mit Donkosaken geschieht. 

„Gute Menschen nehmen allerlei Formen an.“

Weeda, Lisa: Aleksandra, 2023, Kanon Verlag, S.157.

Fazit

Lisa Weedas Roman beeindruckt damit, dass er all dies verarbeitet, ohne mit Emotionen den Blick zu trüben und als Erzählerin immer alle Fäden in der Hand zu halten. Mir hat dieses Buch neue Blickwinkel eröffnet und dabei geholfen, weitere Aspekte dieses so schlimmen Krieges in unserer Nachbarschaft zu erfassen. Der Buchhandlung Peter Panter kann ich für diese Empfehlung nur meinen Dank aussprechen und ich hoffe, dass dieses Buch noch viele weitere Leser:Innen findet.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧🐧

Lisa Weeda: Aleksandra

ISBN: 978-3-98568-058-0

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