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Düffel, John von: Die Wütenden und die Schuldigen – Rezension

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„Die Wütenden und die Schuldigen“ von John von Düffel, erschienen im Dumont Verlag, erzählt Begebenheiten einer Familie aus dem März 2020 und damit dem Beginn der Pandemie. Der Großvater Richard lebt als schwer erkrankter evangelischer Priester in der Uckermark, seine Schwiegertochter Maria ist Anästhesistin in der Charité und befindet sich in Quarantäne und dann wären da noch die beiden Enkel Selma und Jakob, die sich irgendwie zurechtfinden müssen. Sie suchen ihren Platz im Leben, ihre Rolle in der eigenen Familie und haben zwei unterschiedliche Zugangswege mit der Erkrankung des Großvaters umzugehen. Abwesend ist der Sohn von Richard und doch immer präsent. Er scheint in einer psychiatrischen Klinik zu leben, seitdem er versucht hat sich umzubringen. Von Düffel erzählt dies aus den verschiedenen Blickwinkeln seiner Charaktere und montiert einzelne Erlebnisse aneinander.

SELMA… versuchte wegzuhören.

Düffel, John von: Die Wütenden und die Schuldigen, 2021, Dumont Verlag, S.9.

Die Corona-Pandemie bietet das Setting dieses Romans und wirft anfangs der Pandemie, aufkommende Fragen mit in den Roman hinein. Gestellt hätte man sich diese Fragen, angesichts der Lebenssituation von Richard, aber auch ohne den pandemischen Hintergrund. Es geht darum, ob es uns in jedem Zeitpunkt gelingen kann, das eigene Leben zu kontrollieren? Müssen wir diese Kontrolle überhaupt haben, oder wäre es vielleicht besser auch gewisse Machtlosigkeiten zu akzeptieren? Bei diesen aufkommenden Fragen zeigt der Roman seine Stärken, indem er sprachlich verdichtet pointierte Aussagen gegeneinander stellt und für sich in der Leserschaft verhallen lässt. Die dargestellten Geschichten wirken wie eine Collage, die nur durch die Familienbande verknüpft wird. Mir wird leider nicht klar, warum es dieses Band braucht, ob diese Figuren eine Familie darstellen müssen, man ihre eigenen Erlebnisse überhaupt in ein Gesamtkonstrukt packen kann? Mehr zufällig wirken diese Erlebnisse nebeneinander und bilden leider für mich in der Konstruktion kein Ganzes. Die Dorfjugend in der Uckermark muss für eine plastische Darstellung herhalten und die damit verbundenen Geschehnisse führen mich dann doch wieder zu keinem nachvollziehbaren Ergebnis. Die Beobachtungsgabe des Autors ist stark, sprachlich zeigt der Text an vielen Stellen wunderbare Passagen. Leider wird dies jedoch alles von der, aus meiner Sicht, nicht gelungenen Gesamtkonstruktion überdeckt. Der Roman gerät deshalb schnell in den Verdacht ein Corona-Schnellschuss zu sein. Überhaupt nicht unter bekommen habe ich zudem die Geschichte um die Schwiegertochter, die ihr Gesprächsglück während der Quarantäne mit einem Rabbi findet. Sofern es hier nur um die Kombination von Religionen gegangen wäre, hätte es einer jüdischen Familienvergangenheit nicht gebraucht. Mir ist dies dann zu dick aufgetragen.

Ich finde es absolut schade, dass der Roman seinen guten Beginn, durch die schlechte Gesamtkonstruktion zunichtemacht. Ich empfinde die gestellten Fragen, die durchaus Potential für einen Roman zum Lebensende bieten, durch die Corona-Verbindung und die nicht funktionierende Familiengeschichte wird dieses aber nicht geweckt. Dies war auch einer der Sommer Tipps aus einer Buchhandel-Tour, leider ohne mich nach dem Lesen zu überzeugen. Einige starke sprachlich intensive Passagen reichen nicht aus.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧1/2🐧

John von Düffel:

Die Wütenden und die Schuldigen

ISBN: 978-3832171087

Preis: 22,00€

https://www.dumont-buchverlag.de/buch/dueffel-die-wuetenden-9783832171087/

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