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Heckler, Bernhard: Das Liebesleben der Pinguine – Rezension

In der Fiktion findet sie oft mehr Wahrheit über sich als in ihrem echten Leben. Schreiben ist für Nura die absolute Gegenwart. An den schönsten Tagen erreicht sie einen sogartigen Zustand, in dem die Sorgen, die Wut und die Rückenschmerzen sich in Luft auflösen.

Heckler, Bernhard: Das Liebesleben der Pinguine, S.83 Tropen 2021.

Bernhard Hecker blickt in seinem Debütroman auf eine Dreiecksbeziehung und darauf wie schwer es ist sich der Liebe zu bekennen. Nura, Sascha und Niko stecken in einer solchen Beziehung seit ihren Teenagerjahren fest. Nura arbeitet mittlerweile als Ghostwriterin für Online-Dating und kommt dabei mit dem Süditaliener Franco in Kontakt, der ebenfalls unter der Liebe leidet und Hilfe benötigt. Das Buch ist natürlich aufgrund seines Titels auf meinem Lesestapel gelandet. Heckler lässt Sachbuchinformationen über Pinguine in den Text einfließen, ohne diesen jedoch eine zu große Relevanz zuzusprechen. Die Story zeigt, wie Liebesbeziehungen sich auch den Bedingungen des digitalen Kommunikationszeitalters anpassen und die daraus resultierende Selbstoptimierung uns auch im Wege steht. Heckler ist ein kurzweiliger Roman gelungen, der uns deutlich macht, dass menschliche Beziehungen auch immer eine gewisse Spur Einsatz erfordern.

Um was geht es?

Der Roman beginnt in den Teenagerjahren von Nura, Sascha und Niko und erbringt einen Vertrauensbruch. Sascha ist davon so schockiert, dass er den Kontakt erst einmal abbricht. Zwanzig Jahre später treffen die Drei wieder aufeinander, mit ihren Lebenserfahrungen und der Feststellung, dass sie immer noch aneinander hängen. Doch wie soll man sich seiner Gefühle bekennen, wie zeigt man seine Liebe, auch in der digitalen Öffentlichkeit? Kann man auch zu einer nicht perfekten Liebe stehen?

Mein Eindruck vom Buch

Der Titel des Buches hat für mich als Pinguinfan kein Vorbeigehen möglich gemacht. Und ich finde zu meinem Bloggeburtstag ist es ein passender Titel, den ich schnell gelesen habe. Der Beginn der Dreiecksbeziehung lässt mich an meine eigene Teenagerzeit zurückdenken und man weiß sofort wieder, wie man mit Freunden über Gefühle sprach und wie unbeholfen man auch mit dem Wort Liebe umging. Zu Beginn der Geschichte ist Nura mit Sascha liiert, als dieser nicht vor Ort ist, küsst sie seinen besten Freund Niko und die Beziehung zerbricht. Zwischenzeitlich führt sie eine längere Beziehung mit Niko, bis sich alle aus den Augen verlieren. Nun treffen alle Drei in unterschiedlichen Konstellationen nach Jahren wieder aufeinander. Schnell wird deutlich, dass sie irgendwie alle drei ineinander verliebt sind, sich nicht lösen können. Allerdings weiß keiner so genau, was man vom jeweiligen Anderen erwartet. Niko muss seine homosexuellen Neigungen einordnen und Sascha möchte herausfinden, was ihn zurück zu Nura zieht. Ist es der Drang etwas wiedergutzumachen oder ist die Liebe zu stark?

Wenn sie das jetzt aufschreiben würde, was würde das werden? Ganz sicher keine Literatur. Es würde eine beschissene Seifenoper werden.

Heckler, Bernhard: Das Liebesleben der Pinguine, S.166 Tropen 2021.

Nura möchte schreiben und versucht ihre Erlebnisse mit Sascha einzuordnen. In einer von sozialen Medien geprägten Welt, sind auch die Darstellungen in den sozialen Medien ein wichtiger Fakt für die Liebesbeziehungen. Die drei jungen Protagonisten bewegen sich wie selbstverständlich in diesen Netzwerken und so reflektiert der Roman auch, dass diese Darstellungen das eigene Leben fiktionalisieren. Auch daraus resultieren Unsicherheiten. In einer weiteren Ebene des Textes durch Nuras Job als Ghostwriterin für Online-Dating wird dies nochmals reflektiert. Vorformulierte Texte sorgen dafür, dass andere Menschen ihr Glück finden. Franco findet eine Gefährtin unter der Voraussetzung einer Scheinauthentizität. Die Textabschnitte sind nach Figurenperspektiven sortiert. Mit Franco wird auch nochmals eine ganz andere Biografie eingebracht. Die Sachtexteinflüsse verweisen auf die Liebesbeziehungen von Pinguinen und stellen eine Sehnsucht nach lang anhaltenden Partnerschaften aus, unabhängig der Probleme die sich darstellen. Die Figuren kämpfen währenddessen mit ihrer eigenen Realität und suchen den Kern ihrer Beziehungen. Dies alles wird in einer Stilistik geschildert, die aus der Popliteratur bekannt ist. Gekonnt wird so die Oberflächlichkeit unserer Zeit, auch in menschlichen Beziehungen, ausgestellt und gleichzeitig durchbrochen.

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Bernhard Heckler:

Das Liebesleben der Pinguine

Tropen

ISBN: 978-3-608-50482-8

Preis: 20,00€

Klett-Cotta :: Das Liebesleben der Pinguine – Bernhard Heckler (klett-cotta.de)

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