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Kulturtour Dritte Station Bonn

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Die dritte Station meiner Kulturtour hat mich dann nach Bonn geführt. Ich war vorher noch nie am ehemaligen Regierungssitz, wenngleich mich meine Reise vor allem wegen eines Theaterbesuches nach Bonn führte, aber hierzu gibt es einen eigenen Beitrag. Start meiner Stadtbesichtigung war ein erster Gang zum Rhein, wobei mir das Rheinufer im Vergleich zu Köln weniger gut gefallen. Danach stand der Münster auf dem Programm, inklusive seines wunderbaren Innenhofes. Leider musste ich feststellen, dass leider fast alle Gebäude, die ich mir gerne angesehen hätte, mit Renovierungsarbeiten überzogen waren. Der Gang in den Münster hat sich jedoch wirklich gelohnt. Der rund 900 Jahre alte Kreuzgang zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Kreuzgängen nördlich der Alpen. Das Mittelschiff hat schöne Spitzbögen und die Kirche verfügt im Inneren über wunderbare Fensterkunst. Für mich war der Besuch auf jeden Fall eines der Highlights meiner Kirchenbesichtigungen.

Ebenfalls nicht vor Ort, aufgrund Renovierung, war das Beethoven Denkmal und so habe ich dann erst einmal den Marktplatz mit dem tollen Markt genossen, abgerundet durch das spätbarocke Alte Rathaus. Über das Kurfürstliche Schloss bin ich dann in Richtung Poppelsdorfer Allee gelaufen und steuerte auf das nicht zu verfehlende Schloss zu. Dort bin ich dann durch den Botanischen Garten geschlendert und hatte auch Glück, dass der Wettergott mitspielte. Dies sollte sich in den folgenden Tagen dann aber ändern. Wie gesagt durch die vielen Renovierungsarbeiten in der Stadt konnten nicht allzu viele Gebäude von mir im Inneren besichtigt werden. Abgeschlossen habe ich den Tag dann mit dem Bonner Weg der Demokratie. Auf diesem Weg verfolgt man die Spuren der Regierungszeit. Man kommt an der Villa Hammerschmidt vorbei, die noch heute als Bonner Regierungssitz des Bundespräsidenten dient. Der Palais Schaumburg war Dienstsitz des Bundeskanzlers. Auf dem Weg befinden sich an jeder Station Schilder, bei denen kurz informiert wird und auch historische Bilder den Geist der Vergangenheit aufrufen. Nach Bundeskanzleramt und Kanzlerbungalow, dem Amtssitz des Bundeskanzlers von 1976 bis 1999, bin ich dann zu Bundesrat und Bundestag gekommen. Die Gebäude sind allerdings aus meiner Sicht von außen keine optischen Highlights und beeindrucken weniger als die Regierungsgebäude in Berlin. Heute wird ein Teil der Gebäude durch die UN genutzt und damit einer sinnvollen Nachnutzung zugeführt. In der Stadtmitte hat Bonn auch kulinarisch einiges geboten, etwas enttäuschender verlief aus meiner Sicht unser Besuch in der Altstadt. Hier ist allerdings auch zu vermerken, dass ich natürlich den direkten Reisevergleich mit Münster und Köln hatte. Insgesamt ist Bonn als Stadt für mich das schlechteste Reiseziel auf meiner Tour gewesen.

Die Bonner Museumsmeile bietet einem die Möglichkeit viele Museumsbesuche miteinander zu verbinden, da die Einrichtungen wegetechnisch nicht zu weit auseinander liegen. Ich hatte mir drei Museen vorgenommen und möchte zunächst auf die erste Station eingehen, die zudem Teil des Weges der Demokratie ist. Ich spreche vom Haus der Geschichte. In diesem Museum wird die deutsche Zeitgeschichte seit 1945, wobei die politischen Entwicklungen die Leitlinie bildet, ausgestellt. Toll finde ich, dass man diese Einrichtung kostenlos besuchen kann und ich auch auf viele Schulklassen getroffen bin. In einer Sonderausstellung wurde das Thema Heimat vielschichtig dargestellt, wobei ich noch mehr Potential bei diesem Thema sehen würde. Die Dauerausstellung beginnt mit den Nachkriegsjahren. Sie zeigt auf wie sich die deutschen Besatzungszonen entwickelten und was sich daraus für Unterschiede für die Menschen in unserem Land ergaben. Dargestellt wird dies mit kurzen Erläuterungen und Ausstellungsstücken, welche den Alltag der Menschen abbilden, das kulturelle Leben oder die wirtschaftliche Entwicklung. Man blickt in das Innere eines Rosinenbombers, oder kann ein Kino der 50er Jahre besuchen. Es werden Geschichten von Menschen erzählt, die dann in der Ausgestaltung mit den politischen Ereignissen verknüpft werden. Spannend fand ich die Erläuterungen zum Kalten Krieg und ich muss ehrlich sagen, dies ist in der aktuellen politischen Situation nochmals ein ganz anderes Gefühl. Geschichte wiederholt sich dann doch leider in bestimmten Aspekten und dies muss traurig stimmen. Gleichzeitig wird mir dadurch erneut bewusst, wie wichtig es ist, dass wir uns mit unserer Geschichte auseinandersetzen. Alle Wahlergebnisse der Nachkriegszeit und die damit verbundenen Regierungskoalitionen werden vorgestellt und auf die entscheidenden Wahlkampfthemen eingegangen. Für mich als politisch Aktiver war daran spannend sich anhand der ausgestellten Plakate auch die Unterschiede  in der Kommunikation anzusehen. Zudem zeigt die Ausstellung, dass durch die Teilung der Bundesrepublik natürlich auch unterschiedliche Einflüsse auf unsere bundesrepublikanische Gesellschaft einwirkten. Man spürt, wie wichtig die Wiedervereinigung für unser Land gewesen ist, ein Gefühl, dass man wirklich immer wieder hervorheben sollte. In Erinnerung bleibt mir an dieser Ausstellung ein kleiner nachgebauter Plenarsaal, bei dem ich selbst Teil einer historischen Bundestagsdebatte sein konnte und auch abstimmen durfte. Hier fand ich den interaktiven Teik gut umgesetzt. Für mich als Geschichts- und Politikinteressierten war dieser Museumsbesuch wirklich ein schöner Ausflug.

Mehr Infos unter: https://www.hdg.de/haus-der-geschichte/

Öffnungszeiten sind Dienstags bis Freitags 9-19h

Wochenends/Feiertags 10-18h

Ebenfalls Teil meines Besuches der Museumsmeile waren das Kunstmuseum Bonn und die Bundeskunsthalle. Deren Besuch war dann mein Ausflug in die Kunst in Bonn. Das Kunstmuseum Bonn schließt mit seiner Sammlung gut an meinen Besuch in Münster an, da dieses Museum neben dem Landesmuseum Münster über die größte Sammlung an Bildern von August Macke verfügt. So konnte ich dann auch nochmals auf das Bild “Seiltänzer” einen Blick werfen. Hier finde ich die Perspektive gut dargestellt, da man selbst mit der Blickrichtung der dargestellten Beobachter*Innen auf die Seiltänzerin blickt. Man bekommt einen guten Einblick in die beginnende Kusnt der Moderne, wobei ich bei diesem Museumsbesuch nicht nochmals wiederholen möchte, was sich schon an meinen anderen Besuchen von Kunstmuseen gezeigt hat. Kritisch möchte ich anmerken, dass es durchaus etwas mehr Erläuterungen im Rahmen der Ausstellung hätte geben können. In Bonn wird noch der Übergang zur Deutschen Kunst nach 1945 in der Sammlung abgebildet. Zudem gab es noch eine Ausstellung mit dem Titel “Welt in der Schwebe”, die sich mit Luft als künstlerisches Material auseinandersetzt. Es geht darum, dass wir Luft in unserem Alltag als selbstverständlich erleben und sie bei den Exponaten durch die Nutzung für Kunst sichtbarer wird. Hier bleiben einem die Langen Stars von Otto Piene in Erinnerung, die mich mit ihrer Form auch daran erinnern, dass man in durch Luft gefüllte Objekte hineinstechen kann und Luft, dann auch beim Verlassen eines Objektes sichtbar wird. Allerdings kann ich nicht mit allen Umsetzungen der Gegenwartskunst etwas anfangen. Eine weitere Ausstellung bot mir das Kunstmuseum mit einer Werkschau von Maria Lassnig. Wie die Leser*Innen meines Blogs wissen, bin ich noch nicht so bewandert in Kunst und muss deshalb eingestehen, dass ich von dieser Künstlerin zuvor noch nie etwas gehört hatte. Etwa 40 Arbeiten sollten die Charakteristik von Lassnigs Gesamtwerk aufzeigen. Lassnig hat sich intensiv mit Körperwahrnehmungen auseinandergesetzt und setzte auch ihren eigenen Körper in Differenz zum gefühlten Anderen. Meine Begleitung hat mich gut durch diese Ausstellung geführt und so habe ich mich mit dem Gesehenen im Gespräch auseinandergesetzt. In Erinnerung geblieben ist mir das Ehepaar, das mit Schleier in der Badewanne abgebildet wurde und das Lassnig auch in ihrer farblichen Gestaltung, die Wahrnehmung des Körpers durch helle Farben und Kontrastsetzungen abbildet. Auch technische Entwicklungen sind in die Kunstwerke aufgenommen und ich finde die Stilistik der Bilder interessant, da aus ihnen trotz der beobachtenden Perspektive immer eine Dynamik spricht. Mir hat dieser Einblick in das Werk der verstorbenen österreichischen Künstlerin gefallen und ich werde mich auf jeden Fall mit ihrem Werk nochmals beschäftigen.

Mehr Infos für den Besuch mit Verweis auf die aktuellen Ausstellungen: https://www.kunstmuseum-bonn.de/de/

Dienstags bis Sonntags 11-18h, Mittwochs bis 21h

Erwachsene 7,00€ – Ermäßigt 3,50€

Anschließend habe ich mir dann noch die Ausstellungen in der Bundeskunsthalle in Bonn angesehen. Hier wurde zum einen Simone de Beauvoir  mit ihrem Werk “Das andere Geschlecht vorgestellt”, dieser Part hat mir nicht aufgrund seines Themas weniger gefallen, sondern wegen der Auseinandersetzung damit. Ich habe ihr Werk gelesen und habe in meinen bisherigen Studienzeiten immer wieder Kontakt mit diesem Buch gehabt. Konzentration der Ausstellung lag auf einem Videoporträt und Zitationen aus dem Werk. Ich hätte mir erhofft, dass noch etwas stärker über die Einflüsse des Werkes gesprochen wird und an welchen Stellen gesellschaftliche Entwicklung noch Potential haben sollten. Der Ausstellung gelingt es allerdings das man sich in das Paris der Nachkriegszeit einfühlen kann und versteht, wie die Ideen des Existenzialismus neue Impulse setzte. Die zweite Ausstellung trägt den Titel “Das Gehirn in Kunst und Wissenschaft” und verknüpft medizinische, vor allem neurologische Aspekte mit Kunst. Es handelt sich um ein spannendes Thema, da sich seit Jahrhunderten mit dem Verhältnis unseres Körpers zu unserem Denken beschäftigt wird. Hirnforschung liefert uns durchgehend neue Erkenntnisse und gleichzeitig beschäftigen wir uns technisch damit, ob wir neurologische Prozesse auch in der Robotik, Stichwort Künstliche Intelligenz, abbilden können. Es werden Kunstwerke neben Darstellungen medizinischer Art unseres Gehirns gestellt Man erfährt Einblicke in neurologische Krankheitsbilder und lernt Künstler*Innen kennen, die sich auch mit neurologischen Problemen auseinandergesetzt haben. Dies alles funktioniert in der Kuratierung über das Stellen von Leitfragen, mit denen man sich selbst und dann in Bezug zum Gesehenen auseinandersetzt. Werke u.a. von Willi Baumeister, Max Ernst oder sehr im Gedächtnis bleibend Thomas Zipp zeigen die Vielfältigkeit der thematischen Beschäftigung in der Kunst. Ich will hier gar nicht auf einzelne Werke eingehen, sondern möchte herausgestellt sehen, dass hier die Kuratierung der entscheidende Aspekt für das Funktionieren der Ausstellung ist und dies bei mir auf jeden Fall gut geklappt hat.

Mehr Infos für den Besuch mit Verweis auf die aktuellen Ausstellungen:

https://www.bundeskunsthalle.de/

Dienstags bis Sonntags 10-19h, Mittwochs bis 21h

Erwachsene 7,00€ – Ermäßigt 3,50€

Nicht Teil der Museumsmeile ist das Landesmuseum Bonn. Dieses habe ich ebenfalls besucht, auch wenn bei meinem Ausflug nicht die gesamte Ausstellungsfläche angesehen werden konnte, da es ebenfalls Renovierungsarbeiten gab. Ansehen konnte ich mir eine Fotoausstellung zu den 80er Jahren von sieben verschiedenen Fotografen. Zu sehen waren Porträtfotos bekannter Persönlichkeiten, aber auch Schnapschüsse historischer Ereignisse, sowie der wirtschaftliche Alltag der Menschen. Spannender war für mich dann die Landesausstellung mit dem Titel „Roms fliessende Grenze“, in der das Aufeinandertreffen von Germanen und Römern zum Thema gemacht wird und wie sich das Leben der beiden Kulturen gegenseitig beeinflusst hat. Begonnen wird das Ganze mit einem kleinen Einführungsfilm, der deutlich macht, wie beeindruckend der Grenzbau Limes für die damalige Zeit war und wie es den Römern gelungen ist, diese Grenze zu überwachen und ihr Reich zu vergrößern. Insgesamt wird auch bei dieser Ausstellung sinnvoll mit unterschiedlichem Medieneinsatz gearbeitet. Dies können Zeichnungen an den Wänden sein, die uns direkt an einen Weg oder in eine historische Szenerie versetzen, aber auch gelungene Karten, die pointiert das Wichtigste herausstellen. In jedem der Räume wird man durch kleine Erläuterungen über das Ausgestellte informiert. Wir lernen Roms Adler am Rhein kennen, bekommen einen Einblick in das Leben im Militärlager, hier ist unter anderem ein wirklich gut erhaltener Reiterhelm zu sehen. Neben dem militärischen Leben geht es aber auch um das Leben der römischen Bevölkerung, die als Händler durch das große Römische Reich reisen. Hier fand ich die Erläuterung zu den Handelswegen gut, sodass man sich ein Bild von deren Leben und dem dahinter stehenden Aufwand machen kann. Durch diese differenzierte Darstellung wird dann deutlich, wie sich römische Kultur mit germanischer Kultur mischte und was dies für das Zusammenleben bedeutete. Letzteres ist für mich das Gelungene an dieser Ausstellung. Insgesamt hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Das gesamte Museum kann ich aufgrund der Renovierungsarbeiten nur eingeschränkt bewerten und so soll sich jeder selbst einen Eindruck vor Ort machen.

Mehr Infos unter: https://landesmuseum-bonn.lvr.de/de/startseite.html

Dienstags bis Sonntags 11-18h

Kombiticket (Sonder- und Dauerausstellung) 10 € / ermäßigt 7,50 €

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