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Meyer, Kai: Fürimmerhaus – Rezension

Zunächst muss ich gestehen, dass dies erst mein zweiter Roman von Kai Meyer ist. Ich habe also durchaus Nachholbedarf und bin kein großer Kenner eines unserer bekanntesten Fantasy-Autoren. Bei einem Hugendubel Besuch wurde mir das Buch durch eine Kollegin empfohlen und nun habe ich dies von meinem SuB gegriffen und präsentiere damit mal wieder ein Jugendbuch.

Der Fantasyroman „Fürimmerhaus“ von Kai Meyer ist im Sauerländer Verlag erschienen. Häuser sind in unserem Verständnis geschützte Bereiche unserer Heimat. In ihnen bestimmen wir die Regeln und genau dies stellt Meyer mit seinem neuen Roman infrage. Hauptfigur Carter landet aus einem Brunnen heraus in einer großen Halle. Ohne Erinnerungen an das vorherige Leben, außer seinem Namen, wird er von einem Mädchen in Empfang genommen. Er befindet sich im „Fürimmerhaus“ und eine Gruppe Jugendlicher versucht ihm die Struktur des Hauses zu erklären und einen Plan zur Flucht zu entwickeln. Dabei stellt sich heraus, dass Carter auf ungewöhnlichem Wege im Haus gelandet und sich als Einziger an seinen Namen erinnern kann. Deshalb ist das Vertrauen der Anderen nicht besonders ausgeprägt. Carter und die neu gewonnen Gefährten starten nun in eine Reise durch das Haus, wo sie sich gegen Verfolger wehren müssen und gleichzeitig viel über die eigene Geschichte erfahren …

Eine Reise durch ein Labyrinth

Kai Meyer wirft uns wie seine Figuren direkt ins Geschehen. Wir wissen nicht mehr als Carter und lernen gemeinsam mit ihm die Strukturen und Eigenheiten des „Fürimmerhauses“ kennen. Die Figurenkonstellation bietet mutige und zurückhaltende Figuren, männliche und weibliche und auf diesem Weg bietet der Roman Identifikationspotenzial für seine jugendliche Leserschaft. Die Auseinandersetzung der Figuren bietet spannende Dialoge und die Figurenbeziehungen wandeln sich auch über den Roman hinweg. Da Meyer nicht auf einen erklärenden Handlungsaufbau setzt, ist die Bedeutung der Dialoge noch höher einzuschätzen. Es gibt keinen auktorialen Erzähler der uns an die Hand nimmt, sondern wir sind inmitten der Gruppe der agierenden Jugendlichen und erfahren alle Neuigkeiten durch sie, oder durch neue Figuren denen sie begegnen. Der Roman gleicht einem Labyrinth auch symbolisiert in den zahlreichen Gängen des Hauses. Wir versuchen uns gemeinsam mit den Figuren einen Weg zu bahnen und das Erlebte, beziehungsweise Gelesene einzuordnen. Dieser Kunstgriff wirkt gekonnt und sorgt vor allem dafür, dass ich nach dem wirren Einstieg an der Geschichte dran bleibe, eben weil ich den Protagonisten so nahe bin und auch wissen möchte, warum sie an diesem Ort gelandet sind.

„>> Das Haus ist ein Organismus<<, widersprach Galileus,.“

Meyer, Kai: Fürimmerhaus, S.187, Sauerländer Verlag 2021.

Über die Handlung hinweg erfahren wir immer mehr über das Haus und seine Funktionsweise. Das Zitat ist für mich der Satz des Romans schlechthin, denn nach der Lektüre muss ich den von Meyer gewählten Handlungsort als Organismus begreifen. Carter und seine Gefährten sind in diesem Haus gelandet, da sie ehemalige Helden sind. Somit haben sie in ihrer Lebensgeschichte schon einmal Außergewöhnliches geschafft. Es ist nicht klar, was genau die jeweiligen Personen vorher geleistet haben, auch wenn wir ab und an weitere Hinweise erhalten. Auch dies belastet die Gruppe. Es sind vielfältige Charaktere, deren Vertrauensbasis sich ebenfalls wandelt.

Dadurch das wir auch einen Hasen als Gefährten haben und die gegnerischen Figuren mit Märchen-, aber auch leichten Horrorelementen aufgeladen sind, hat dieser Roman Aspekte vieler Fantasywelten. Dies sorgt dafür, dass es auch eine Geschichte ist, die Funktionsweisen wie den Kampf zwischen Gut und Böse auf den Handlungsort überträgt und diesen zugleich zu einer Art Grundort vieler Geschichten macht. Der Spannungsaufbau erfolgt durch das Geben von Hinweisen zum Haus, aber vor allem auch zur Figur Carter. Das Haus verändert sich immer wieder, was die Theorie des Organismus verdeutlicht, gleichzeitig aber auch die Geschichte vorantreibt. Keine Figur kann sich jemals irgendeiner Sache sicher sein und dies habe ich auf diese Weise wirklich selten so intensiv gelesen. Wir wissen auch nicht, welche Figuren im Haus noch auftauchen können und ob wir sie zunächst der guten oder bösen Seite zuordnen können.

Ein Roman der seine Leserschaft fordert

Ich habe länger gehadert mit diesem Roman. Die ersten hundert Seiten wusste ich nicht so recht in welchem Buch ich hier gelandet bin. Unklar um was es in diesem Roman geht, fühlte ich mich zunächst verloren. Wenn man dieses Momentum als Herausforderung betrachtet und in den Text einsteigt, dann erkennt man die Stärke dieses Fantasyromans. Für diese Herausforderung braucht es allerdings eine erprobte Leserschaft, bei allen anderen sehe ich die Gefahr des Abbruchs. Somit muss man klar festhalten, dass dieser Roman mich herausgefordert hat. Kai Meyer wählt eine besondere Erzählstruktur die, nachdem man sich auf sie eingelassen hat, absoluter Spannungsmotor der Geschichte ist. Ich wollte irgendwann wissen, was es mit Carter auf sich hat und so stieg die Leselust. Ebenfalls gelungen ist die dann irgendwann zu Tage tretende Grundstruktur des Hauses, die durchaus philosophische Elemente hat. Dieses Buch empfehle ich neben Meyer-Fans, einer Leserschaft, die anspruchsvolle Jugendfantasy ab 12 Jahren schätzt.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧1/2 🐧

Kai Meyer:

Fürimmerhaus

ISBN: 978-3-7373-5828-6

Preis: 18,00€

Fürimmerhaus – Kai Meyer | S. Fischer Verlage

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