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Hofmann, Patrick: Nagel im Himmel – Rezension

„Nagel im Himmel“ verknüpft anhand des Mathematikgenies Oliver das Lösen eines mathematischen Rätsels mit der Suche nach der eigenen Identität. Der Roman bietet eine interessante Familiengeschichte, einen faszinierenden Protagonisten und eine nicht alltägliche Liebesgeschichte. Dieser gelungene Mix macht den Roman zu einem tollen Lesevergnügen.

Notiert hatte ich mir den Roman „Nagel im Himmel“ schon bei der Durchsicht der Verlagsvorschauen. Nachdem ich weitere gute Besprechungen gelesen hatte, habe ich mir das Buch gekauft. Der Roman ist die Geschichte eines Wissenschaftlers auf der Suche nach sich selbst. Romane über Identitätsfindung begleiten mich seit dem Studium, da dies Thema meiner Abschlussarbeit war. Doch nicht deshalb hat mir der Roman gut gefallen.

Um was geht es?

Das junge Mathematikgenie Oliver wächst in schwierigen Familienverhältnissen auf, schafft es aber dank seines Talents bis an die Universität. Schon früh begeistern ihn Primzahlen und so nimmt er sich mathematisch vor, das Geheimnis der Primzahlen in Verbindung zur Riemannschen Vermutung zu lüften. Die Suche nach diesem Geheimnis lässt ihn auch die eigene Identität ergründen und dabei auch existenzielle Erlebnisse erfahren. Immer wieder muss er an persönliche Grenzen gehen und erst durch die Physikerin Ina scheint es ihm zu gelingen aus, seinem beengten Lebensraum und der damit verbundenen Einsamkeit zu flüchten.

Mein Eindruck vom Buch

Patrick Hofmann findet die richtige Sprachmischung, um mich als Leser*In in die Welt eines mathematischen Genies zu entführen. Die Hauptfigur Oliver erscheint an einigen Stellen sozial nicht in der Lage sich der eigenen Identität zu stellen. Trotzdem sind seine Handlungen immer nachvollziehbar und man hat Verständnis für die erzählte Lebensgeschichte. Seine Kindheit ist geprägt von einer abwesenden Mutter und von einer zuneigungsfrei daherkommenden Vater-Sohn-Beziehung. Nie stellt sich Hofmann auf die Seite einer der Figuren, sondern lässt seine Figuren interagieren. Älter werdend gerät Oliver immer wieder in Situationen, wo er das Kümmern anderer Personen einordnen muss. Widmen sich diese Personen ihm, weil sie ihm mögen oder sind sie nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht?

Überfordert mit solchen Situationen, bricht Oliver aus und flüchtet in die Welt der Zahlen und die Einsamkeit. Nur Mathematik und die Liebe zur Musik sind durchgängiger Begleiter seines Lebens. Als Charakter ist Oliver gut greifbar, da die komplette Geschichte auf ihn fokussiert ist und seine Perspektive stärkt. Über die gesamten 300 Seiten ist er mir ein gern zu betrachtender Charakter geworden und so hätte ich gerne auch noch etwas mehr gelesen. Immer wieder werden tolle Sätze eingestreut, die treffend Olivers Leben und die damit verbundenen Beziehungen reflektieren.

Die Liebesbeziehung zur Physikerin Ina baut sich dem Charakter von Oliver angemessen langsam auf. Dieser gekonnte Aufbau ist eine der Stärken, neben der toll konstruierten Verbindung von Mathematik zu Identitätssuche. Das Lösen der Riemannschen Vermutung gilt als eines der größten mathematischen Rätsel und hat schon viele Wissenschaftler zum Verzweifeln gebracht. Oliver scheint die Lösung vor Augen zu haben, doch dies gefährdet zunehmend seine Existenz. Die Art der Beweisführung erinnert dabei an eine stetige Annäherung an eine Wand, die man nie direkt erreichen kann. Ähnlich versucht sich Oliver der Akzeptanz seiner eigenen Identität anzunähern. Entscheidender Impuls für den Roman ist allerdings die Figur Ina, die schlussendlich die nötige Schlussdynamik bringt.

Insgesamt bleibt ein positives Urteil und auch wenn es nicht nur fröhliche Szenen sind durch die man Oliver begleitet, habe ich den Roman gerne zu Ende gelesen. Sprachlich sind mir viele Sätze direkt in den Kopf gestiegen und haben dem Leseerlebnis eine für mich spezielle Note gegeben.

Patrick Hofmann:

Nagel im Himmel

Penguin

ISBN: 978-3328601289

Preis: 22,00€

https://www.randomhouse.de/Buch/Nagel-im-Himmel/Patrick-Hofmann/Penguin/e565350.rhd

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