Allgemein

Glanz, Berit: Automaton – Rezension

#germanbookstagram #literatur #bücherwurm #berlinverlag #piperverlag #buchblogger #büchersucht #leseempfehlung #beritglanz #lesenlust #rezensionen #wirlesenfrauen #digitallife #monotonie #automaton #lesenswert #lesenlesen #büchernerd #bookaholic #instabook #romanfabrik #frauenschreiben #lieberlesen #erzaehlwas #kulturblog #kulturtour

„Automaton“ von Berit Glanz aus dem Berlin Verlag, erzählt uns die Geschichte von der alleinerziehenden Mutter Tiff, die versucht mit einem schlecht bezahlten Online-Job durchzukommen. Ihre Aufgabe ist es Videos zu sichten und Auffallendes zu markieren. Es sind Moderationsjobs, welche dabei helfen sollen Algorithmen zu verbessern. Die Arbeit ist eintönig, doch ihr kommt sie aufgrund einer Angststörung entgegen, dass sie das Haus hierfür nicht verlassen muss. Alles geht seinen Gang, bis sie auf einen alten Mann mit seinem Hund stößt, der urplötzlich aus den Videos verschwindet. Wurde Tiff somit zufällig Zeugin eines Verbrechens?

Diese Rezension  ist nochmals Teil meines Aufenthaltes zu Hause in Frankfurt am Main. Ich war nämlich nicht nur im Mousonturm bei einer Lesung zu Gast, sondern habe mir auch Berit Glanz mit ihrem zweiten Buch in der Romanfabrik angesehen. Nachdem mich ihr Debüt so überzeugt hatte, war ich gespannt, ob sie auch im neuen Roman wieder Digitalisierungsprozesse überzeugend verarbeitet. Der Titel bezeichnet den Job, welchen die Hauptfigur, wie ein Automat erledigt.

„Einmal träumte sie, dass sie eine schwimmende Jägerin sei“.

Glanz, Berit: Automaton, 2022, Berlin Verlag S.7.

Grundsätzlich finde ich auch beim zweiten Roman von Berit Glanz, dass sie wieder ein richtig spannendes Thema gewählt hat. Uns allen ist selten bekannt, welch stumpfsinnige und prekäre Arbeitsplätze einhergehend mit der Digitalisierung entstehen und so hilft dieser Roman hierauf einen Blick zu werfen. Die Auswirkungen der monotonen Moderationsarbeit und der prekären Klickarbeit zeigen sich durch Chats mit weiteren Kolleg*Innen. Verschränkt wird dies bei Tiff noch mit einer Angststörung, welche das Leben der alleinerziehenden Mutter zusätzlich beschwert. Die Charakterstudie von Tiff ist psychologisch gut herausgearbeitet und man kann ihren Gedankengängen aufgrund der internen Fokalisierung sehr gut folgen. Die Figur wird einem über den Roman hinweg nahe und aufgrund ihres Handelns auch sympathisch. Ihr Job lässt sie eine Lagerhalle beobachten. Die Jobs sind darauf ausgelegt, dass keine Beziehung zu dem Gesehenen aufgebaut wird. Niemand soll erfahren, dass hinter den programmierten Algorithmen menschliche Arbeit steht. Als immer wieder ein alter Mann mit Hund auftaucht, beginnt Tiff sich für diesen zu interessieren und ist umso schockierter, als dieser spurlos verschwindet. Glanz kombiniert über den Verschwundenen das Leben von Tiff, mit jenem von Stella, die in einer Suppenküche in den USA arbeitet. Diese Verbindung empfinde ich insgesamt als nicht gelungen. Schlussendlich führen aber alle Stränge zum Ende hin wieder zusammen. Trotzdem ist mir diese Konzeption zu sehr gewollt, da die Geschichte um Stella aus meiner Sicht zu geringen eigenen Raum entfaltet. Somit schwächt dies aus meiner Sicht den Roman in seinem Lesefluss, da man an diesem Teil der Geschichte überhaupt nur spät größeres Interesse entwickelt. Tiffs Geschichte und der präsentierte Blick auf ihren Job sind wirklich gut dargestellt. Glanz zeigt auf, dass sie sich intensiv mit der prekären Arbeit auseinandergesetzt hat. Damit liefert Glanz auch in ihrem zweiten Roman den Einblick in eine uns unbekannte Welt ohne, dass sie diese Geschehnisse nur wertend schildert, sondern sie lässt sie für sich sprechen und zeigt im Rahmen der Handlung mögliche Gefahren auf.

Ich empfand den zweiten Roman von Berit Glanz als nicht ganz so gut wie ihr Debüt. Ihre Stärke bleibt die Schilderung einer digitalen Arbeitswelt und auch die Figur der Alleinerziehenden Tiff ist ihr gelungen. Man kann sich gut in ihre Gedankenwelt einfühlen und liest  den Roman auch wegen der Suche nach dem alten Mann zum Schluss mit erhöhter Spannung. Durch die Integration dieses kriminalistischen Handlungsaspektes wird die Kritik an der Arbeitswelt nochmals verdeutlicht und gleichzeitig die Tradition der „Fenster-zum-Hof-Geschichten“ aufgegriffen. Inwieweit sich dies auch nochmals in der Lesung in der Romanfabrik wiederspiegelte, wird in einem weiteren Artikel behandelt. Zunächst empfehle ich die Lektüre von Berit Glanz, für alle, die eine spannende Geschichte mit Gesellschaftskritik und psychologischer Figurenanalyse mögen.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧1/2🐧

Berit Glanz:

Automaton

ISBN: 978-3827014382

Preis: 22,00€

https://www.piper.de/buecher/automaton-isbn-978-3-8270-1438-2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.