Serienkritik – In 80 Tagen um die Welt

An Heiligabend soll Phileas Fogg wieder in London sein, wenn er seine Wette gewinnen will und es geschafft hat, in 80 Tagen um die Welt zu reisen. In der Hauptrolle der Neuverfilmung sehen wir den, aus vielen Serien bekannten, David Tennant, welcher dem reichen Engländer die passende Mischung aus Exzentrik, Abenteurermut und Herzenswärme gibt. Es handelt sich um ein europäisches Gemeinschaftsprojekt und so konnte auch ein gewisses Budget bereitgestellt werden. Regie führt Steve Barron. Die achtteilige Miniserie muss freizügig mit der Romanvorlage umgehen, sonst kann sie diese Zeitspanne nicht ausfüllen. Auch die Figurenkonstellation ändert sich. Die Story um Inspektor Fix entfällt, stattdessen wird die junge Journalistin Abigail Fix Reisebegleiterin. Diese mutige und für die Rechte der Frauen kämpfende Chronistin wird von der Hamburger Schauspielerin Leonie Benesch gespielt. Ihr obliegt auch ein Part einer Liebesgeschichte mit dem Diener Passepartout, der als überzeugter Franzose von Ibrahim Koma dargestellt wird. Letzterer ist ein Schlitzohr, dass eine nicht ganz so reine Vergangenheit zu haben scheint, aber einem über die Serie hinweg immer mehr ans Herz wächst. Phileas Foggs Motivation wird in dieser Serie mit einer Hintergrundgeschichte belegt. Es geht darum, dass er einmal zu feige war, um sich der Liebe seines Lebens und ihren Träumen zu stellen. Diese Geschichte überlagert die Neuadaption jedoch nicht, stärkt aber den Charakter Fogg.

Viele Abenteuer und klassische Episodenschnitte

Ich sage es gleich vorweg, bei dieser Serie muss man die ersten beiden Folgen, mit jeweils einer Länge von 45 Minuten, durchstehen. Viel zu langatmig mutet mir der Start dieser Neuverfilmung an und vielleicht hätte eine Verkürzung auf 6 Episoden hier schon Wunder wirken können. Doch dann packt mich die Serie. Die neu zusammengestellten Abenteuer verleihen dem alten Werk neuen Schwung und man findet Anleihen aus der Tradition uns bekannter Abenteuerfilme. Mich begeistert diese Zitiervielfalt und wie es gelingt, die verschiedenen Abenteuer zu einem Ganzen zusammenzufügen. Auch die darin auftretenden Figuren werden schauspielerisch gut getroffen und schaffen die richtige Intensität, auch wenn sie teilweise nur eine der Episoden begleiten. Das Budget ist gut angelegt, auch wenn an der ein oder anderen Stelle an Statisten gespart wurde. Gelungen ist auch, dass man jede der Episoden für sich gut ansehen kann, da immer wieder mit einer Zwischenlösung gearbeitet wird und man deshalb auch nicht alles am Stück schauen muss. Wir reisen durch die Wüste, beobachten einen Zug, der eine beschädigte Brücke überqueren muss, müssen in einer Westernstadt Verbrechern entkommen und vieles mehr. Ich finde, dass die Serie konsequent Themen wie Rassismus in diese neue Adaption integriert. Es stört überhaupt nicht, dass man dem Buch etwas entflieht. Die Spannung ergibt sich zum einen aus dem unklaren Erreichen des Wettziels und zum anderen aus der kleinen Hintergrundgeschichte des Phileas Fogg. Ab Folge vier wollte ich wirklich nur ungern Pause machen, zu spannend war die Reise der drei Abenteurer.

Unterhaltsames für die freien Tage

Ich finde diese Miniserie kommt zur passenden Zeit, denn zwischen den Jahren findet man mit der Familie durchaus auch zum gemeinsamen Fernsehen zusammen und dies ist gelungene Familienunterhaltung. Es gibt eine gute Portion Spannung und zwar durch neue Abenteuer, sodass man diese erneute Adaption des Klassikers genießen kann. Die Schauspieler*Innen sind allesamt passend und geben ihrem Spiel die richtige Mischung aus Humor, Herzenswärme, Mut und Entschlossenheit. Ich wünsche Euch auf jeden Fall spannende und schöne Momente mit dieser Reihe, die ihr weiterhin bequem in der Mediathek des ZDF anschauen könnt.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧

In 80 Tagen um die Welt

Mini-Serie nach Jules Verne

In 80 Tagen um die Welt – ZDFmediathek

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