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Theaterkritik: Gott von Ferdinand von Schirach – Schauspielhaus Düsseldorf. Inszenierung von Robert Gerloff

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Der zweite Theaterbesuch meiner Kulturreise führte mich zur Inszenierung von „Gott“, verfasst von Ferdinand von Schirach, ins Düsseldorfer Schauspielhaus. Man betritt den Theatersaal und wird mit einem Zitat von Albert Camus empfangen: „Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord.“ Damit ist der Raum für diesen Theaterabend eröffnet. Kurzfristig komme ich bei meinem Besuch im Düsseldorfer Schauspielhaus in den Genuss, dieses Stück im Großen Haus zu verfolgen. Vorweg bekommen wir noch die Info, dass Wolfgang Reinbacher an Corona erkrankt ist. Dies hindert das Ensemble aber nicht an der Aufführung, sondern Reinbacher wird per Video ins Stück eingebunden und was einen zunächst etwas skeptisch macht, funktioniert wunderbar. Wir sind Live-Zeugen einer Sitzung des Ethikrates, welcher den Wunsch von Richard Gärtner (gespielt von eben jenem Wolfgang Reinbacher) nach Sterbehilfe behandelt. Schon in der Inszenierung ist eine Videozuschaltung vorgesehen, sodass sich das eingangs erwähnte Problem nur im Ort der Zuschaltung zeigt. Richard Gärtner ist ein gesunder 78-jähriger Mann, der seinen Sterbewunsch äußert, da er nach dem Tod seiner Frau keinen Sinn mehr in seinem Dasein sieht. Gärtner ist somit Ausgangspunkt. Seine emotionale Argumentation wird in der Inszenierung treffend mit Videoeinspielungen unterstützt, in denen Gärtner beim Spazieren seine Einsamkeit erläutert. Reinbacher gibt Gärtner eine nüchtern, aber auch trostlos erscheinende Mimik, lässt an der ein oder anderen Stelle durch Stimmlautstärke aufscheinen, dass man ihn und seinen Wunsch ernst nehmen sollte. Die Vorsitzende des Ethikrates (Judith Bohle) führt uns dann durch die Sitzung, an der wir live teilnehmen dürfen. Bohle gibt ihrem Amt die nötige Autorität in der Sitzungsführung, bleibt emotionslos und damit Herrin der Lage. Wir beginnen mit dem Arzt von Herrn Gärtner, seinem Augenarzt (Florian Lange). Dieser erläutert, dass Herr Gärtner nicht an einer psychischen Krankheit leidet. Wir fahren mit der Rechtssachverständigen Litten (Hanna Werth) fort, die deutlich macht, dass die Rechtslage den Wunsch von Herrn Gärtner nicht verbietet. Befragt wird sie von einem Mitglied des Ehtikrates (Michaela Steiger) und der Rechtsanwältin von Gärtner (Cathleen Baumann). Steiger zeigt in ihrem Spiel, dass ihre Figur Erfahrungen und Erlebnisse als Grundlage ihrer Fragen sieht. Baumann provoziert, wie in der Figur angelehnt, durch pointierte Fragetechnik und somit erleben wir ein wunderbares Dialogspiel. Diese Spielweise entspricht der Anlage des Stückes und ist bewusst frei von großem emotionalem Spiel. Der medizinische Sachverständige (Andreas Grothgar) sticht in der Darstellung heraus, da Grothgar ihm eine gewisse Arroganz verleiht und gleichzeitig zum Symbol der Ärzteschaft stilisiert. Grothgar reagiert auf die provozierenden Fragen durchaus barsch, versucht die Fragen so auszulegen, dass der eigene ärztliche Ethos nicht verletzt wird. Dieser Part des Stücks lässt trotz des ernsten Themas auch Raum zum Schmunzeln. Ich begrüße diese Darstellung, da es den Theaterabend im Gesamten reicher macht. Letzter Sachverständiger ist der Theologe Thiel (Thomas Wittmann), der nochmals die religiösen Aspekte einbringt und sich durch eine besonnene Darstellung auszeichnet. Die Bühne ist der Gerichtssaal, die Sachverständigen sitzen die gesamte Sitzungsdauer im Hintergrund. Es gibt keine dramatische Auseinandersetzung, sondern durch das Dialogspiel einen sachlich argumentativen Austausch.

Zum Schluss wird das Publikum aufgefordert eine Entscheidung abzugeben. Zum zweiten Mal, nach dem Lesen, setze ich mich mit diesem Thema auseinander. Nochmals verhallen die dargebotenen Sätze in meinem Kopf und nach dieser Inszenierung verhärtet sich meine Entscheidung. Sicherlich auch durch die Spielweise und die Videoeinspielungen beeinflusst, möchte ich Richard Gärtner das Recht auf ein selbstbestimmtes Lebensende nicht verweigern. Dies sieht auch eine Mehrheit des Publikums so, wenn auch Gegenstimmen zu finden sind. Das Publikum applaudiert dem Ensemble aus meiner Sicht zurecht, denn dies war ein ganz toller Theaterabend. Die technischen Möglichkeiten wurden am Schauspielhaus blendend genutzt und ins Stück eingebaut. Mir gefällt dieses Schauspielhaus, in seiner Architektur, der Gestaltung des Saales so sehr, dass ich die kommende Spielzeit mindestens einmal nach Düsseldorf reisen möchte.

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Wertung: 🐧🐧🐧🐧🐧

Mehr Informationen zum Schauspielhaus Düsseldorf, auch mit Ausblick auf die neue anstehende Spielzeit unter:

https://www.dhaus.de/

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