Natürlich suche ich das das ganze Jahr über nach guten Büchern, die ich gerne empfehlen würde. Doch jedes Jahr vor Weihnachten steigt mein Engagement, denn ich suche Weihnachtsgeschenke. Aber in diesem Jahr war vieles anders, so richtig auf Weihnachten kann ich mich bis heute noch nicht fokussieren.

Das hat mich aber nicht davon abgehalten mir trotzdem Gedanken zu machen. Mit Unterstützung ehemaliger Kolleg*Innen habe ich einige Tipps zusammengestellt. Und auch wenn Heiligabend schon sehr nahe gerückt ist, möchte ich meine Tipps noch teilen.

In kurzer und knapper Form stelle ich Bücher aus den verschiedensten Genres vor und hoffe, dass für jeden etwas dabei ist.

Und wer in diesem Jahr keine Geschenke mehr braucht, der nächste Anlass kommt bestimmt.

Starten wir heute mit vier Romanen, die nicht frisch in diesem Jahr erschienen sind, aber die mich sehr beeindruckt haben und die ich deshalb immer wieder gerne verschenke.

Matthias Brandt: Blackbird

https://www.kiwi-verlag.de/buch/matthias-brandt-blackbird-9783462053135

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Schauspieler Matthias Brandt hatte mit seinem Erzählungsband „Raumpatrouille“ das Feuilleton und auch mich begeistern können. Schon allein deshalb musste ich auch zu Blackbird greifen, dem ersten Roman von Brandt. Er entführt uns in die 70er und zum 15-Jährigen Motte, der sich mit den Problemen eines Heranwachsenden beschäftigen muss. Der Kampf in der Schule oder die erste Liebe, dazu sich trennende Eltern und der Krebstod eines Freundes sorgen für eine Mischung aus Tragik und Humor. Dies schildert Matthias Brandt in einer kurzweiligen Sprache, die Witz und Charme hat, was einen schön zu lesenden Roman hervorbringt.
Ein tolles Buch zum Verschenken mit einer Spur Nostalgie der 70er.


Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Alles-Licht-das-wir-nicht-sehen/Anthony-Doerr/btb/e474319.rhd

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Dieser Roman ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher und ich kann nur jedem empfehlen zu diesem wunderbaren Buch zu greifen. Schon die erste Lektüre des Romans hat mich emotional stark mitgenommen. 1944 flüchtet die Blinde Marie mit ihrem Vater vor den Nazis. Sie kommt bei ihrem Onkel in einer Stadt am Meer unter und wird Zeuge der Resistance Bemühungen. Mit ihrer Geschichte verbindet sich jene des Waisenjungen Werner, der wegen seiner technischen Begabung in der Wehrmacht gefördert wird. Das Vordringen des deutschen Militärs sorgt für eine örtliche Annäherung. In der Verschränkung der beiden Geschichten wird die Dramatik des Krieges greifbar. Gleichzeitig tritt dieses Grauen in den Hintergrund und der Roman bietet viele Stellen, die so einfach auf die Liebe verweisen,  dass dies im Kontrast zum Krieg fast unmöglich erscheinen mag. Micht hat dieses Buch nie losgelassen und es kann nicht genügend Leser*Innen finden.


Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken

https://keinundaber.ch/de/regal/romane-erzaehlungen/loewen-wecken/

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Dieser Roman stellt seinen Leser*Innen Fragen in einer Form, wie sie selten gelungener in der Interaktion mit der Leserschaft auftreten. Ein Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Der Unfall geschieht ohne Zeugen. Der Mann wird sterben, lohnt es dafür die eigene Karriere zu riskieren?

Doch am nächsten Tag steht die Frau des Opfers vor der Tür und erpresst ihn. Daraufhin wird in der Garage eine ambulante Hilfe eingerichtet. Durch Perspektivwechsel behandelt der Roman die Grenzen zwischen Liebe, Hass, sowie Schuld und Verantwortung. Fast fließend gehen die Themen ineinander über und macht dabei auch die Probleme deutlich. Ich konnte den Roman nur schwer aus der Hand legen und er wird nie an Aktualität verlieren.

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

https://www.diogenes.ch/leser/titel/benedict-wells/vom-ende-der-einsamkeit-9783257069587.html

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Benedict Wells ist wohl einer der Shootingstars des Buchhandels der letzten Jahren  und „Vom Ende der Einsamkeit“ ist eines der Lieblingsbücher. Ich kann mich dieser Einschätzung nur anschließen und auch wenn dieses Buch viele traurige Momente hat, sollte man es doch gerne verschenken.

In knappem, aber mit allem Nötigen aufwartenden Stil erzählt Wells von drei Geschwistern, die sich immer wieder aufrappeln. Dabei geht es auch darum Verlust zu verarbeiten, was machen diese Geschehnisse mit einem, wie verändert man sich, wenn man etwas nie abschütteln wird.

Man liest das Buch trotz des belastenden Themas mit einer Leichtigkeit, die aufgrund des jungen Alters des Autos noch unglaublicher erscheint. Man darf sich nicht vom Thema abschrecken lassen, sondern sollte dieses Buch trotzdem verschenken. 

Ein weihnachtlicher Tipp und zwei tierische Vorleseabenteuer für die Kleinsten haben es ebenfalls auf den Geschenktisch geschafft.


Gehrmann/Spengler: Seepferdchen sind ausverkauft

https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Seepferdchen-sind-ausverkauft.html

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Dieses tolle Bilderbuch passt vielleicht ganz gut in unsere aktuelle Zeit. Der kleine Mika braucht jemanden zum Spielen, doch der Vater hat keine Zeit. Hätte Mika doch nur ein Haustier, mit dem er sich beschäftigen könnte. Als er seinem Vater von dieser Idee berichtet und in der Tierhandlung aufruft ist der Vater so abgelenkt, dass er erklärt sein Sohn könne alles kaufen.

Das Buch liefert uns eine tolle Geschichte über die Betreuung der Kleinsten, vielleicht auch gerade in den Herausforderungen des Lockdowns. Mit viel Humor erleben wir wie der kleine Mika sich an vielen neuen Freunden erfreut.


Gerlinde Jänicke: Die Geschichte vom traurigen Weihnachtsbaum

https://www.droemer-knaur.de/buch/gerlinde-jaenicke-sebastian-fitzek-die-geschichte-vom-traurigen-weihnachtsbaum-9783629142573

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Jedes Jahr suche ich nach tollen Weihnachtstiteln und so habe ich mich über diesen Tipp einer Kollegin gefreut. Es geht um einen Weihnachtsbaum, der so wie viele andere zu dieser Zeit darauf wartet eine Heimat für die Feiertage zu finden. Doch leider ist dieser Weihnachtsbaum kein Prachtexemplar seiner Art und dies lassen ihn die anderen Weihnachtsbäume auch spüren. Es geht für ihn darum endlich eine Familie zu finden. In einem warmherzigen Schreibstil betont Jänicke die Werte des Weihnachtsfestes. Lustig und berührend, mit tollen Zeichnungen sorgt dieses Buch für Vorlesefreude ab 4 Jahren und stimmt für die Feiertage ein.


Fee Krämer: Rille – Die Dschungelfreunde sind los

https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/die-dschungelfreunde-sind-los-isbn-978-3-480-23570-4

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Rille, der kleine Gorilla erlebt mit seinen Freunden Gürteltier Tatu und Papagei Pepe die tollsten Abenteuer. Acht schöne Vorlesegeschichten laden kleine Zuhörer*Innen ein mit den Dschungelfreunden die Abenteuer des Dschungel durchzustehen. Es geht um Mut, Wut unter Freunden, das Teilen oder das gemeinsame Lachen. Die Zeichnungen sind farbenfroh und beim Vorlesen kann man die Figuren und ihre Charakterstärke herausstellen. Mir hat das Vorlesen viel Spaß gemacht und so ist auch dies ein Tipp für unter den Weihnachtsbaum.

Ich lese gerne und auch viel und tatsächlich in den letzten Jahren auch immer mehr Sachbücher. Es ist wichtig Debatten zu verfolgen und ich liebe es mich in historischen Begebenheiten zu verlieren. So sollen auch Sachbücher zu meinen Weihnachtstipps gehören.

Rutger Bregman: Utopien für Realisten

https://www.rowohlt.de/buch/rutger-bregman-utopien-fuer-realisten-9783499633003

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Offene Grenzen, eine 15-Stunden-Woche und das Bedingungslose Grundeinkommen- Der niederländische Historiker Rutger Bregman bietet viele mutige Diskussionsvorschläge. Als Kernproblem macht er aus, dass wir in einer Welt (zumindest in der westlichen Welt) leben, in der wir uns keine bessere vorstellen können. Utopien scheinen aus unserer Welt verbannt zu sein, weil Utopien natürlich auch Risiken bergen. Die Geschichte zeigt das es auch zu schlimmen Entwicklungen kommen, doch deshalb sollte man sich keine Denkgrenzen setzen. Bregmans Buch ist eine Ermutigung und lässt sich schön und entspannt lesen. Wer also mit neuen Ideen ins neue Jahr gehen möchte sollte dazu greifen.


Daniel Schreiber: Zuhause

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/zuhause/978-3-446-25474-9/

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Über den Blog des Kaffeehaussitzer bin ich auf diesen tollen Essay gestoßen. Der Begriff „Heimat“ ist ein vieldiskutierter Begriff und er wird aus meiner Sicht politisch den Rechten überlassen. Viele reden von Entwurzelung, doch man sollte sich vielleicht erst einmal damit auseinandersetzen, warum man einen Ort zu seiner Heimat erklärt oder sich Zuhause fühlt. Mit seinem Buch ermutigt Schreiber darüber nachzudenken und macht dies plastisch an eigenen Erfahrungen. Man beginnt daran zu denken, an welchen Orten man sich aus welchem Grund wohlfühlt. Das Buch packt einen und ich finde es ist eine schöne Lektüre für den hoffnungsvollen Blick in das kommende Jahr. 

Nicholas Jubber: Von Monstern und Mythen

https://www.dumontreise.de/verlagsprogramm-und-updates/von-monstern-und-mythen.html

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Reiseschriftsteller Nicholas Jubber unternimmt eine Reise zu den mythischen Orten aus bekannten Epen unseres Kontinents. Odyssee, Kosovo-Mythos, Rolands- und Nibelungenlied, Beowulf und Njálls-Saga geben die Stationen seiner Reise vor. Grund seiner Reise war ein Familienurlaub am Schloss Neuschwanstein und der Blick auf eine Abbildung der Nibelungensaga. Was wissen wir eigentlich über diese Mythen, warum sind sie vielen Menschen ein Begriff und wo kommen sie her?

Auf seiner Reise entdeckt er welch großen Einfluss diese Mythen auf unsere europäische Identität haben. Ich finde das Buch ist gut geschrieben und man bleibt dabei, da es einen doch schnell interessiert, wie Jubber Zusammenhänge auflöst. Ebenso gefällt mir der persönliche Stil, der immer wieder auch eigene Erfahrungen einbaut.

Auch wenn Weihnachten die besinnliche Jahreszeit ist, so ist doch auch bei diesem Anlass, der Thriller oder Krimi ein beliebtes Geschenk. Deshalb gibt es auch einige Krimitipps zum Verschenken ohne das die Stimmung unter dem Weihnachtsbaum zu düster werden muss.


Stephan Ludwig: Unter der Erde

https://www.fischerverlage.de/buch/stephan-ludwig-unter-der-erde-9783651000780

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Stephan Ludwig dürfte vielen als Autor der Bestsellerreihe um Hauptkommissar Claudius Zorn ein Begriff sein. Mit dem Roman „Unter der Erde“ verlässt er die bekannte Figur und entführt uns in das Dorf Volkow. Dort ist er auf der Suche nach der Vergangenheit seines Großvaters und muss schnell feststellen, dass in diesem Dorf irgendetwas nicht stimmt. Weniger humorvoll, dabei mit düsteren Elementen arbeitend packt einen dieser Krimi und lässt einen miträtseln. Was kann ein ganzes Dorf für ein Geheimnis bergen? Stephan Ludwig beherrscht sein Handwerk, jedoch ist es kein vergleichbarer Krimi zur Zorn-Reihe.


Samantha Harvey: Westwind

https://www.w1-media.de/produkte/westwind-104348

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Samantha Harveys Roman  spielt im Jahres 1491 im, von einer armen Bevölkerung belebten, englischen Dorf Oakham in Somerset. Ein Priester bedauert das Verschwinden eines Freundes und macht sich Vorwürfe, dass er auf dessen Selbstmordansichten nicht reagiert habe. Sind die Geschehnisse eine Prüfung Gottes? Ein Dekan stößt hinzu und nun geht es um die Aufklärung des mysteriösen Falles und die Frage nach Schuld. Harveys Roman ist eine gelungene Mischung aus Krimi und Historischem Roman. Fein gearbeitet und immer wieder mit guter Recherche angereichert. Es ist wirklich ein ganz besonderer Krimi, der nicht in die Genrekerbe von „Der Name der Rose“ passt, sondern seinen ganz eigenen Ansatz wählt. Ein Tipp für Fans besonderer Kriminalromane!

Lesley Kara: Das Gerücht

https://www.dtv.de/buch/lesley-kara-das-geruecht-26242/

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Hauptfigur Joanna zieht mit ihrem Sohn in eine Kleinstadt. Bis sie erfährt, dass in dieser Stadt eine ehemalige Mörderin unter anderem Namen leben soll, scheint die Stadt eine neue Traumheimat zu sein. Doch mit diesem Wissen beginnt die Unsicherheit. Es beginnt die Suche nach der Kindermörderin Sally McGowan, die als Zehnjährige einen Spielkameraden umgebracht hat. Joanna glaubt einen Verdacht zu haben und so beginnt das Gerücht die Runde zu machen. Schnell wird deutlich, welche Bewegungen das Zustandekommen eines Gerüchtes in einer Kleinstadt zustande bringt. Es geht um Ängste und um die Frage, ob man die Identität dieser Person öffentlich machen soll. Lesley Kara gelingt dies durch verschiedene Perspektiven wunderbar, die Differenzen darzustellen. Das Buch ist somit nicht nur spannend, sondern zeichnet auch ein gesellschaftliches Bild der Kleinstadt. Eine spannende Lektüre für zwischen den Jahren.

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