Crumrey, Michael: Die Unschuldigen – Rezension

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„Die Unschuldigen“ von Michael Crumrey aus dem Eichborn Verlag, erzählt uns die Geschichte von zwei Waisenkindern, die in Neufundland im 19. Jahrhundert ihr Überleben sichern müssen. Der Roman berichtet, wie die Beiden sich nach dem Tod der Eltern mit der Natur auseinandersetzen und sich selbst versorgen. Sie wachsen heran, fernab der Zivilisation und kommen nur bruchstückhaft mit ihr in Kontakt. Doch auch die Einsamkeit wird für die Heranwachsenden zu einer Herausforderung und gefährdet auch den eigenen Zusammenhalt. Crumrey hat eine sehr eindringliche Überlebensgeschichte zweier Geschwister geschrieben und gleichzeitig das Leben in der Natur in den Fokus gesetzt. Ein Roman, der das Gastland Kanada bei der letzten Buchmesse vertreten durfte und dessen Vorstellung bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen konnte.

In jenem Winter waren sie noch Kinder.

Michael Crumrey: Die Unschuldigen, 2021, Eichborn Verlag, S.9.

Poetisch dicht verwebt Crumrey das Geschilderte und lässt den Hintergrund des Waisendaseins nur anfangs aufscheinen. Auch der Hintergrund der gesamten Familiengeschichte scheint im Roman auf, durchdringt aber nie den Nebel. Hier draußen in den Wäldern spielen diese Familienhintergründe keine Rolle. Michael Crumrey hat den Roman auf der Frankfurter Buchmesse 2021 vorgestellt und erzählt, dass die Idee des Romans aus einer wahren Geschichte entstand. Sicherlich gibt es einige solcher Überlebensgeschichten, aber nur wenige werden sicherlich überliefert sein. Die Natur wird zur Gefährtin der beiden Heranwachsenden, erweist sich dabei aber nie als solide und zuverlässig, sondern wandelbar. Hier passt sich aber niemand an, sondern hier geht es darum zu reagieren. Abseits der Zivilisation ist alles neu Eindringende, etwas, dass ein Lernen herausfordert und sich einfach in den Alltag einordnet, ohne, dass nach dem großen Ganzen gesucht wird. Bewusst lässt der Roman Leerstellen, solidarisiert sich darin mit seinen beiden Hauptfiguren. Über lange Strecken des Romans bewundert man die beiden Kinder, ihre Unbekümmertheit, aber auch ihren Mut und doch spürt man, dass hier noch etwas hereinbrechen wird. Das Heranwachsen bringt auch die sexuelle Lust voran und so beginnt auch ein drohender Inzest das Gebilde zu bedrohen. Die Schilderungen der Geschwisterbeziehungen wirken authentisch, bringen Lust, Vertrauen, aber auch Enttäuschungen hervor. Doch nichts kann davon abhalten, wieder auf sich und das eigene Dasein zurückgeworfen zu werden.

Michael Crumreys Roman findet einen nüchternen Sprachstil, um die Schönheit und Wildnis der Natur zu schildern und in ihr die beiden Waisenkinder in ihrem Heranwachsen zu platzieren. Der Roman kreist um dieses Dasein und das Zurückgeworfensein auf die eigene Zweisamkeit und hat deshalb wenig dramatisches Handlungspotenzial. Es ist die Sprache, die hier beeindruckt und das Verfolgen einer Geschwisterbeziehung, der man nur wünscht, dass sie keine Abbiegungen macht, die man mit unserem Wissen verurteilen würde. Genau diesen Block fordert der Roman aber heraus. Allerdings erinnert er mich sogleich an seinen Handlungshintergrund und das in dieser Überlebenssituation Gewissheiten keine Rolle spielen. Sicherlich ein spannender Blick in die kanadische Gegenwartsliteratur.

Werbung aus Liebe zum Buch

Wertung: 🐧🐧🐧1/2🐧

Michael Crumrey:

Die Unschuldigen

ISBN: 978- 3847900832

Preis: 12,00€

https://www.luebbe.de/eichborn/buecher/gegenwartsliteratur/die-unschuldigen/id_8025987

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